eLogistics World Conference 18.07.2018, 10:55 Uhr

"Same Day Delivery ist für Händler derzeit ein klarer Wettbewerbsvorteil"

Zum ersten Mal fand in München die eLogistics World Conference statt. Rund 100 Branchenexperten trafen sich, um in Vorträgen und Panels unter anderem über Same Day Delivery und die Herausforderungen der letzten Meile zu diskutieren.
(Quelle: shutterstock.com/OpturaDesign)
In diesem Jahr fand zum ersten Mal die eLogistics World Conference statt. Rund 100 Teilnehmer kamen zusammen, um sich über Trends und Herausforderungen der Branche in Vorträgen und Panels zu informieren und gemeinsam zu diskutieren. Insbesondere wurden die Königsdisziplinen der Same Day Delivery sowie die Chancen und Herausforderungen der letzten Meile thematisiert.
Allen voran präsentierte der Big Player des Online-Modehandels - Zalando - sein Konzept der taggleichen Zustellung. Derzeit bietet der Fashion-Händler sowohl Same Day Delivery als auch Next Day Delivery nur in ausgewählten Städten an. "Für die Kunden fallen für den Service keine Zusatzkosten an, denn dieser ist in unserem Zalando Plus-Programm enthalten. Allerdings müssen die Nutzer für die Mitgliedschaft etwas zahlen, erhalten dadurch aber Zugang zu zahlreichen Services", sagt Fabian Ortmann, Business Development Manager bei Zalando.
Ziel von Zalando ist es, dass seine Kunden mehr Kontrolle über ihr Paket bekommen und diese somit besser informiert werden können, wann genau das Paket eintreffen wird. "Wir bauen kontinuierlich unser Logistiknetzwerk weiter aus. Aktuell sind zwei Standorte im Aufbau, in Polen und Italien. Wenn wir auf Deutschland schauen, so haben wir vier Standorte.

Dienstleister für Same Day Delivery

Einer, der Händlern dabei helfen will, den Kunden eine Same Day Delivery ermöglichen zu können, ist der Dienstleister Tiramizoo. Er bietet Händlern an, die taggleiche Zustellung von Paketen zu übernehmen. "Das Angebot einer Same Day Delivery ist für Händler derzeit ein klarer Wettbewerbsvorteil. Sicher ist dieser Service mit hohen Zusatzkosten verbunden, wenn man diese nicht auf den Kunden umlegen will. Aber das Invest kann durch den Wettbewerbsvorteil wieder reingeholt werden", sagt Markus Di Trani, Head of Sales bei Tiramizoo. Zudem sei die Lieferung am gleichen Tag ein gutes Marketing-Argument. Denn der Service unterscheide den Händler von seinen Konkurrenten und sei derzeit noch ein gutes Alleinstellungsmerkmal.
Den Kunden muss klargemacht werden: "Bei mir bist du richtig, wenn du es eilig hast". Dieses Kundenbedürfnis zu befriedigen, haben sich sowohl Zalando für die Zukunft als auch Tiramizoo auf die Fahnen geschrieben. "Es ist wichtig, sich jetzt gut zu positionieren, denn wenn Same Day Delivery einmal boomt, sind die Ressourcen einfach begrenzt. Das fängt insbesondere bei guten und zuverlässigen Kurieren an", warnt Di Trani.
Grundsätzlich müssen Händler aber erst einmal ihre Hausaufgaben machen, damit sie überhaupt in der Lage sind, Same Day Delivery anzubieten. Zebra Technologies hat eine Studie zum Thema "Omnichannel Fulfillment" durchgeführt, die unter anderem aufgezeigt hat, dass 68 Prozent der Händler gar nicht wissen, welche Waren sie auf Lager haben. Und sogar 55 Prozent nutzen derzeit noch Papier und Stift, um ihre Omnichannel-Logistik zu organisieren.
Mit solchen Arbeitsmethoden ist eine taggleiche Zustellung nicht zu organisieren. Denn es muss sichergestellt werden, dass die Ware auf Lager ist und sofort zum Kunden geliefert werden kann. "Die Prozesse der Händler müssen angepasst werden, um eine Same Day Delivery gewährleisten zu können", sagt Alexander Honigmann, Sales Direcror Industry und Logistics Germany bei Zebra Technologies.

Die letzte Meile

Noch wichtiger als das Angebot einer Same Day Delivery ist es, das angegebene Zeitfenster der Lieferung einzuhalten. Das rückt die Probleme der letzten Meile in den Vordergrund.
Durch das vermehrte Paketaufkommen aufgrund des Booms im Online-Handel sind zwar laut Kai-Oliver Schocke, geschäftsführender Direktor des Zentrums für Logistik, Mobilität und Nachhaltigkeit der Frankfurter University of Applied Sciences, nicht mehr Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs. Doch die Lieferautos sind viel größer geworden. Dadurch sind Nutzungskonflikte vor allem in den Ballungszentren entstanden, unter anderem durch illegales Parken oder Stau.
Eine weitere Konsequenz davon ist, dass die Zusteller in den großen Städten viel mehr laufen, um die Pakete zuzustellen und somit mehr Zeit verlieren. Denn sie bleiben oft dort stehen, wo sie einen guten Parkplatz für das große Lieferfahrzeug gefunden haben und verteilen dann von dort aus die Pakete. Die Untersuchung der Frankfurter University of Applied Sciences hat versucht, Lösungsansätze zu finden, wie sich die letzte Meile nach Stadtgebiet organisieren lässt.
Lösungsansätze für die Herausforderungen der letzten Meile:
Für Gewerbegebiete:
  • Parken kein Problem
  • Viele Pakete pro Kunde
  • Große Entfernung zwischen den Empfängern
In solchen Fällen ist der Einsatz eines Sprinters sinnvoll.
Für Innenstädte und Mischgebiete:
  • Parken problematisch
  • Kurze Entfernung zwischen Empfängern
  • Kein Parken in Zweiter-Reihe
Hier ist der Einsatz von Lastenfahrrädern sowie der Einsatz von Microdepots sinnvoll.

Das Start-up Qool Collect

Eine weitere Alternative, um die Herausforderungen der letzten Meile zu umgehen, stellt das Start-up Qool Collect zur Verfügung. Es bietet mit seinen stationären Läden in München einen Sammelpunkt für Waren - sowohl für Food als auch Non-Food-Bestellungen. Die Läden haben von 7 bis 23 Uhr geöffnet. Der Kunde kann dort die Produkte anprobieren und die Retoure gleich bei Nicht-Gefallen für den Rückversand fertig machen.
Durch die Läden muss der Logistikdienstleister nur einen zentralen Ort in der Stadt anfahren und nicht verschieden Adressen ansteuern, wo oft zudem keine Person angetroffen werden. Somit sollen die Kosten der letzten Meile reduziert werden. Laut Stefan Müller, Geschäftsführer von Qool Collect, entstehen rund ein Drittel der Transportkosten auf der letzten Meile. Von seinem Konzept der Frachtkonsolidierung sollen sowohl Händler, Zusteller als auch die Kunden profitieren.



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