Die katastrophale Lage der deutschen Paketdienstleister

Von Obergrenzen und Parkflächen für Paketlaster

Dazu kommt, dass die Lösungsansätze ­einiger Paketdienstleister nicht gerade ­dazu taugen, die angespannten Händler-Nerven zu beruhigen. Hermes beispielsweise kündigte schon im November Mengenobergrenzen für Online-Händler an: Wer mehr Pakete versenden will als vorher vereinbar, muss dafür teuer bezahlen. Jetzt geht die Otto-Tochter noch einen Schritt weiter: Für das Weihnachtsgeschäft 2018 wurden bereits jetzt Preiszuschläge angekündigt. Wie hoch die ausfallen werden, will Hermes anhand des diesjährigen Weihnachtsgeschäfts ausrechnen.
Noch radikaler geht Konkurrent GLS in das Weihnachtsgeschäft: Der ­Logistiker, der im Herbst 2.500 neue Stellen ausschrieb und über 800 neue Auslieferfahrzeuge in Dienst stellte, konzen­triert sich in der aktuellen heißen Phase ganz auf seine Bestandskunden: Neukunden werden in der Weihnachtszeit nicht angenommen.
Die DPD, die mittelfristig eine Erhöhung der Preise nicht mehr ausschließt, versucht, den schwarzen Peter weiterzuschieben: Die Städte und Kommunen sollten spezielle Parkflächen für Paketlaster einrichten, forderte das Unternehmen kürzlich. Dann würde sich die Zustellzeit verringern und die Paketlaster müssten nicht mit wilden Stopps in der zweiten Reihe den Verkehr behindern. Die Reaktion der Gemeinden auf diesen Vorstoß? Bisher sehr verhalten, räumt DPD-Mann Winkelmann ein. "Das Problem ist, dass wir in der Politik keinen zentralen Ansprechpartner haben, sondern mit jeder Stadt und Kommune einzeln verhandeln müssen. Wir stoßen durchaus auf Interesse, aber bei der Umsetzung hängt es noch."
Tatsächlich testen zurzeit beispielsweise Nürnberg und Hamburg in Zusammen­arbeit mit DPD respektive UPS die Idee ­eines innerstädtischen Mini-Pakethubs, zu dem die Paketlaster ihre Fracht bringen. Von dort aus übernehmen dann elektrobetriebene Lastenräder die Auslieferung bis zur Haustür.



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