Paketkollaps 06.12.2017, 08:08 Uhr

Die katastrophale Lage der deutschen Paketdienstleister

Die deutschen Paketlieferdienste schlagen Alarm: Das Paketaufkommen im aktuellen Weihnachtsgeschäft übertrifft alles bisher Dagewesene - und ist kaum zu bewältigen. Nach dem Jammern gibt es jetzt die ersten konkreten Maßnahmen.
(Quelle: shutterstock.com/cybrain)
Kaum ein Thema beherrscht die deutsche Medienwelt - Fachblätter und Publikumspresse gleichermaßen - derzeit so wie die katastrophale Lage der deutschen Paketdienstleister. Die angesichts der seit Jahren stabilen Wachstumsraten des E-Commerce eigentlich erwartbare Paketflut bringt die Kapazitäten von DHL, Hermes, DPD und Co. an ihre Grenzen. Bis zu 30 Millionen Pakete mehr als im Vorjahr werden im Weihnachtsgeschäft durch die Republik gefahren, bis zu 15 Millionen Sendungen täglich.
Den enormen Mengen stehen auf Seiten der Zusteller enorme Probleme gegenüber: Schon im September meldete die Arbeitsagentur, über 5.000 offene Stellen seien im Logistikbereich nicht besetzt. Je näher das Fest rückt, desto lauter werden die Klagen der Logistiker ob des quasi leer gefegten Arbeitsmarkts. Der physisch anstrengende und meist nur mit Mindestlohn bezahlte Beruf des Paketfahrers ist nicht sehr attraktiv. Dennoch scheuen sich die deutschen Logistiker in seltener Einigkeit, offen über Lohnerhöhungen für die Fahrer nachzudenken. Denn das würde die Kosten für die Zustellung nach oben treiben - und Logistik darf in Deutschland, dem Land des kostenlosen Versands (und Rückversands) ja nach Möglichkeit nichts kosten.

Die Situation wird immer dramatischer

Gleichzeitig wird die Situation auf den Straßen immer dramatischer: Es gibt derzeit in Deutschland einen extrem hohen Baustellenstand - und so stehen etwa auf den Duisburger Rheinbrücken nicht nur Pendler und 18-Tonner im Mega-Stau, sondern eben auch die Sprinter der Paketlaster. "Alle deutschen Paketdienstleister haben in den letzten Jahren ihre Kapazitäten enorm ausgebaut", betont deshalb Boris Winkelmann, CEO von DPD, im Interview, "aber unsere Investitionen ändern nichts daran, dass wir an Grenzen stoßen."
Es darf also mit Recht bezweifelt werden, dass die deutschen Paketdienstleister das anstehende Weihnachtsgeschäft einigermaßen akzeptabel bewältigen werden. Verschärft wird die Situation auch von dem Fakt, dass der 24. auf einen Sonntag fällt - Last-Minute-Zustellung am Morgen des Heiligen Abends wird es in diesem Jahr nicht geben. Die Sorge bei den Händlergruppen (die sich auch in den Kommentarspalten der Medien niederschlägt) nimmt fast täglich zu: Jeder zweite deutsche Online-Händler befürchtet im Weihnachtsgeschäft Lieferschwierigkeiten aufgrund der Auslastung der Paketdienste, so eine aktuelle Umfrage des Händlerbunds.



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