Logistikbranche 22.08.2017, 08:15 Uhr

E-Commerce-Boom zwingt zum Ausbau von Paketzentren

Die großen Logistik- und Paketzentren fungieren als Verteilstellen in einem eng geknüpften Spinnennetz. Sie bilden damit das Rückgrat für die Paketdienstleister. Doch die Paketzentren ächzen unter einer Dauerlast.
(Quelle: Shutterstock.com/Petinov Sergey Mihilovich)
Für die Paketdienstleister sind sie das Rückgrat im Paketgeschäft - die großen Logistik- und Paketzentren. In den Regionen fungieren sie als Verteilstellen in einem eng geknüpften Spinnennetz, an dessen Ende die letzte Meile zum Kunden steht - private Haushalte und Gewerbetreibende. Doch die Paketzentren ächzen unter einer Dauerlast, denn der boomende Online-Handel drückt immer mehr Waren in die Netze.

"Die Infrastruktur muss optimiert werden", beschreibt Ingo Bertram vom Paketdienstleister Hermes die Lage. Das Unternehmen ist eine Tochterfirma des Otto-Versandes und gehört zu den größten Konkurrenten des Branchenprimus Deutsche Post DHL. "Wir haben im Sommer Mengen auf den Fahrzeugen, die bereits dem Volumen des vorangegangenen Weihnachtsgeschäftes entsprechen."

Erst im vergangenen April hatten die Hamburger in Bad Rappenau in der Nähe von Heilbronn ein neues Logistikzentrum, in dem bis zu 25.000 Sendungen pro Stunde sortiert werden können, eröffnet. Der Ausbau gehört zu einem umfassenden Investitionsprogramm zur Erweiterung des Paketnetzwerkes. Bis Ende 2019 will das Unternehmen dafür rund 300 Millionen Euro in die Hand nehmen.

Das größte Paketzentrum in Deutschland

Das größte und modernste Paketzentrum in Deutschland ist seit gut einem Jahr in Obertshausen bei Frankfurt in Betrieb. Die Deutsche Post hatte hier einen neuen Standort eröffnet - es ist das 34. Paketzentrum des Unternehmens. Doch bei den Bonnern geht es weiter Schlag auf Schlag: Jetzt startet das Unternehmen auf dem ehemaligen Opel-Werksgelände in Bochum den Bau eines weiteren großen Paketzentrums.

Wie in Obertshausen sollen hier bis zu 50.000 Pakete pro Stunde oder 400.000 pro Schicht sortiert werden können und 600 neue Jobs entstehen. Eine solche Kapazität kann kaum ein anderer Standort in Europa vorweisen. Nur das neue Logistikzentrum von Hermes in der britischen Stadt Rugby, das am Freitag eröffnet wurde, kann da mit einer Tageskapazität von 1,5 Millionen Pakete mithalten.

Insgesamt hat die Post nach eigenen Angaben in den vergangenen sechs Jahren rund 750 Millionen Euro in den Ausbau ihres Paketnetzes gesteckt. Das Unternehmen investiere kontinuierlich in die Paket-Infrastruktur, um das steigende Volumen zustellen zu können, betont eine Sprecherin. Bereits heute sei die Post in der Lage, in jeder Betriebsstunde mehr als eine Million Sendungen in ihren Paketzentren zu bearbeiten. Und mit Bochum werde im Netzwerk ein idealer Zugang zu einem der größten Ballungsräume Europas geschaffen.

Boom des Online-Handels

Tatsächlich tun die Logistikfirmen alles, um weiter vom Boom des Online-Handels zu profitieren. "Wir kämpfen um jedes Paket", lautet die Devise von Jürgen Gerdes, im Postvorstand für Briefe, Pakete und E-Commerce zuständig. Doch der gelbe Riese kann die Paketflut allein kaum stemmen. Die neuesten Zahlen der Studie über den Kurier-, Express- und Paketmarkt (KEP) verdeutlichen die Entwicklung.

Im Jahr 2021 werde das Sendevolumen, getragen hauptsächlich vom Paketversand, auf über vier Milliarden ansteigen, eine Milliarde mehr als im vergangenen Jahr. Bei den B2C-Lieferungen, also das Geschäft mit Privatkunden, lag der Zuwachs 2016 bei Plus 13 Prozent. Handelsverbände wie der HDE oder der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel erwarten in diesem Jahr ein Plus von elf Prozent.

Eine Untersuchung der Unternehmensberater von McKinsey aus 2016 rechnet bis 2025 sogar mit einer Verdoppelung des Paketvolumens. Davon soll dann ein Fünftel auf Auslieferung und Zustellung am gleichen Tag entfallen. Gleichzeitig kommen neue Herausforderungen auf die Paketdienstleister zu: Neue Wettbewerber wie Internethändler drängen auf den Markt und neue Geschäftsmodelle entstehen.

Kein Wunder, dass sich die Unternehmen wappnen wollen für die Zukunft. Seit fünf Jahren rüstet die GLS - Tochterfirma der britischen Royal Mail - ihr Netz auf, um das steigende Volumen bewältigen zu können. Und DPD will noch in diesem Herbst ein neues Sortierzentrum in Steinen in der Nähe von Lörrach an der schweizerischen Grenze ans Netz nehmen.




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