Wenn Vergleichsportale zu Marktplätzen werden

Der Direktverkauf als Umsatzbringer

Der Direktkauf auf Vergleichsportalen soll sich für teilnehmende Händler also als Umsatzbringer erweisen. Der größte ­deutsche Elektronikversender Notebooksbilliger.de kann diesen Effekt nur in begrenztem Maße bestätigen. "Wir testen den Direktkauf bei Check24 und Idealo und merken, dass das recht gut funktioniert, wenn auch auf kleinem Niveau", ­erklärt COO David Patzer. Für den Notebooksbilliger-Vorstand ist das vergleichsweise geringe Volumen der mittels Direktkauf erzielten Umsätze jedoch nicht das Kriterium: "Für einen großen Händler wie uns, der den Anspruch hat, selbst mit ­seinen Kunden Kontakt zu halten, stehen Direktangebote über Vergleichsplattformen nun einmal nicht so im Fokus."
Das ist naheliegend, denn auch Check24-­Geschäftsführer Timm Sprenger erklärt, dass der entscheidende Mehrwert des Features für den Endkunden mehr ­Sicherheit und Vertrauen sei - ein Effekt, von dem kleine Anbieter naturgemäß stärker profitieren als Online-Händler mit einem ­hohen Bekanntheitsgrad. Positiv ist für Notebooksbilliger-COO David Patzer die einfache technische Anbindung, die bei Check24 wie auch bei Idealo deutlich ­bequemer gestaltet sei als bei so manchem bekannten Online-Marktplatz.

Amazon ist der wesentliche Treiber

Eine positivere Sichtweise hinsichtlich der in die Rolle von Marktplätzen schlüpfenden Preisvergleichern hat Martin Saftenberger, Vertriebsleiter des Elektronikversenders Technikdirekt: Das Unternehmen habe seit der Einführung des Direktkaufs auf Check24 über die Plattform signifikant mehr Umsatz erzielt. Zusätzlich befeuert werde dieser Effekt durch die von Check24 bereitgestellte Möglichkeit, Exklusivangebote über die Plattform zu vermarkten: "Wir haben schon mehrmals exklusive ­Angebote auf Check24 angeboten und waren damit nicht immer, aber oft ­erfolgreich", so Saftenberger.
Laut Alexander Hofmann, Geschäftsführer des Shop-System-Vergleichers Ecomparo, wird die Entwicklung bei den Preisvergleichern vor allem von Amazon angetrieben: "Da Amazon langfristig bestrebt ist, sich zu einer vollwertigen Produkt­suche zu entwickeln, gehen Preisvergleichsanbieter sozusagen zum notwendigen Gegenangriff über und transformieren ihre Portale hin zu Marktplätzen."
Für Shop-Betreiber könne das gleichermaßen positive wie negative Folgen haben: Einerseits werden Online-Shops neben dominierenden Marktplätzen zunehmend durch eine vertikale Diversifikation von Preisvergleichen bedroht.
"Steigt die Kundenrelevanz von Preisvergleichen weiter an, so verringern sich für Online-Händler die Möglichkeiten durch direkte Online-Shop-Optimierungen den Umsatz aktiv zu beeinflussen", erklärt Alexander Hofmann. Doch könnten Shop-Betreiber die Direktkauffunktion der Vergleichs­portale auch als Alternative zu Amazon nutzen und sich so der dort bestehenden Kannibalisierungsgefahr entziehen.
"Eine größere Bedeutung von Preisvergleichsportalen stärkt die dort gelisteten Shops, wenn diese ihre Produkte nicht auf Marktplätzen wie Amazon anbieten möchten. Durch die Einsparung von Marktplatzprovisionen ist zudem prinzipiell ­eine Wettbewerbsfähigkeit zu Marketplace-Händlern gegeben", meint der Ecomparo-Chef.

Immer mehr Deutsche informieren sich auf Vergleichsportalen über Verträge oder bestimmte Produkte. INTERNET WORLD Business zeigt die acht Vergleichsportale mit den meisten Nutzern.




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