50 Millionen Euro unterschlagen? 19.11.2013, 09:00 Uhr

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen getgoods.de

Die Zahlungsunfähigkeit war erst der Anfang: Beim insolventen Online-Händler getgoods.de rückten gestern die Ermittler an. Das Unternehmen soll Handys verkauft haben, die ihm nicht gehören - und damit 50 Millionen Euro unterschlagen haben, so die Staatsanwaltschaft.
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen getgoods.de
Gegen getgoods.de ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Unterschlagung von 50 Millionen Euro. Der Online-Händler mit Hauptsitz in Frankfurt/Oder soll vor der Insolvenz 192.000 Handys auf eigene Rechnung verkauft haben, die zwar bei ihm gelagert waren, aber der Firma Brightstar gehörten. Das sei Unterschlagung und zudem aktienrechtlich relevant, weil getgoods damit den Verkaufserlös als eigenen Umsatz ausgewiesen hätte, sagte Staatsanwalt Sören Schrade gegenüber der . Die Anzeige von Brightstar sei Mitte vergangener Woche eingegangen, das Amtsgericht habe, da die eingereichten Belege plausibel erschienen, einen Durchsuchungsbeschluss erlassen.
Am 14. November 2013 hatte sich getgoods.de überraschend zahlungsunfähig gemeldet, zum Insolvenzverwalter wurde der Potsdamer Rechtsanwalt Christian Graf Brockdorff bestellt. Als Grund wurden gescheiterte Gespräche mit den Investoren genannt. Im August 2013 hatte die Aktiengesellschaft noch positive Halbjahreszahlen gemeldet: Der Umsatz war in den ersten sechs Monaten des Jahres 2013 um 30 Prozent auf 224 Millionen Euro gestiegen, der Konzernüberschuss betrug 1,5 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum war er jedoch noch fast doppelt so hoch gewesen. Im September hatte das Unternehmen alle Anteile an Pauldirekt.de erworben, einem Shoppingclub für Männer, und im Oktober 004 Trading sowie deren Tochtergesellschaften Technikwelt und Vertixx aufgekauft. Die Finanzaufsicht BaFin ermittelt derzeit wegen Insiderhandels.
Die Aktiengesellschaft betreibt die Webshops getgoods.de, hoh.de und handyshop.de sowie Plattformen auf Amazon und eBay. Der Produkt-Fokus liegt neben Handys, Smartphones, Festnetztelefonen, Notebooks, Tablets auch auf Unterhaltungselektronik und weißer Ware. Für die übrigen Gesellschaften des getgoods-Konzerns wird aktuell die Insolvenzsituation noch abschließend geprüft. Der Geschäftsbetrieb soll aufrechterhalten werden. Was aus rund 200 Mitarbeitern an den Standorten Frankfurt/Oder, Düsseldorf, Berlin und Augsburg wird, ist noch nicht klar. Mehr als die Hälfte der Aktien, nämlich 58 Prozent, sind im Besitz des Managements, 22 Prozent hält ein Investor, der Rest ist im Streubesitz.



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