Shitstorm über Zalando wegen schlechter Arbeitsbedingungen 27.07.2012, 11:07 Uhr

Schrei-vor-Glück-Versender räumt Versäumnisse ein

Nachdem ein ZDF-Bericht über die Arbeitsbedingungen bei Online-Versendern wie Zalando und Amazon einen Shitstorm über den Schrei-vor-Glück-Versender brachte, räumen die Berliner im Unternehmensblog jetzt "Versäumnisse" ein.
Shitstorm über Zalando wegen schlechter Arbeitsbedingungen
Das ZDF-Magazin "Zoom" hat den Schrei-vor-Glück-Erfolgsmodeversender Zalando einmal in einem ganz anderen Licht gezeigt. Undercover-Mitarbeiter, die drei Tage lang in der Retouren-Abteilung von Zalando arbeiteten, prangerten Missstände wie überfüllte Umkleidekabinen für die Mitarbeiter, fehlende Schließfächer für persönliche Wertsachen, keine Sitzmöglichkeiten und verschmutzte Toiletten an. Auch stünden die Logistik-Kräfte unter ständiger Beobachtung und Erfolgskontrolle. Zwischen 45 und 50 Produkte pro Stunde sollen bearbeitet werden, andernfalls droht eine Versetzung. Der Lohn der Plackerei: 7,01 Euro pro Stunde.
Das locke vor allem Polen in das Zalando-Logistikzentrum. Aber auch die Bundesagentur für Arbeit unterstützt den Berliner Versender. Laut Undercover-Mitarbeiter würden pro Monat rund 40 Mitarbeiter zwischen sieben und neun Tagen pro Monat auf Kosten des Staates für Zalando picken und packen. "Die Geschäftsmodelle dieser Unternehmen basieren auf niedrigen Löhnen", konstatiert Gerhard Bosch, Professor am Institut Arbeit und Qualifikation. Und: Bei Niedriglöhnen müsse der Staat zuschießen. "Für den Staat ist das ein schlechtes Geschäft. Trotzdem unterstützte das Land Thüringen Zalando mit 22 Millionen Euro öffentlichen Geldern für den Aufbau eines neuen Logistikzentrums in Erfurt. Über Mindestlöhne wurde dabei nicht verhandelt, nur über die Schaffung einer Mindestanzahl neuer Arbeitsplätze.
Auf Facebook entbrannte daraufhin ein Shitstorm über das Unternehmen - bis hin zum Aufruf, Waren nur zu bestellen, um sie sofort wieder zu retournieren. Zalando selbst reagierte darauf zunächst nicht, sondern betrieb Social-Media-Business as usual mit Produktvorschlägen und Tipps der Zalando ProFashionals. Schließlich jedoch wurde der Druck zu groß und man sah sich in Berlin doch genötigt, einzugreifen und veröffentlichte einen Kommentar im Unternehmensblog:
"Natürlich haben auch wir den Bericht im ZDF-Magazin Zoom verfolgt. Vielen Dank für Euer kritisches Feedback – das ist uns wichtig und trägt dazu bei, dass wir uns immer wieder hinterfragen und verbessern. Wir freuen uns, dass Ihr Euch mit solchen Themen auseinandersetzt und uns in die Verantwortung nehmt.
Zalando ist sich seiner Verantwortung für jeden einzelnen Mitarbeiter, egal ob direkt oder indirekt beschäftigt, bewusst. Die Eindrücke der Dokumentation spiegeln aus unserer Sicht nicht die Arbeitsatmosphäre in den Zalando-Standorten wieder. Leider ist uns jedoch bewusst geworden, dass wir auf unsere Dienstleister deutlich mehr Einfluss nehmen müssen. Im Fall von unserem Lager in Großbeeren arbeitet Zalando mit einem Partner zusammen, der größtenteils für das Personal und für die Prozesse im Lager verantwortlich ist. Diesen Partner werden wir stark prüfen und noch regelmäßiger kontrollieren, damit es zu keinen Missständen mehr kommen kann.
In Bezug auf die sanitären Anlagen werden sofort Maßnahmen ergriffen. Außerdem werden wir zukünftig noch stärker darauf achten, dass alle unsere Partner die von uns gesetzten Sozialstandards einhalten. Die Mitarbeiter, die Ihr in dem Beitrag gesehen habt, waren alle keine Zalando Mitarbeiter sondern für unseren Dienstleister tätig. Aber wir müssen auch hier für die Angleichung aller Standards Sorge tragen und werden dies auch aktiv tun."



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