David Marcus von Paypal über die Zukunft des Payment-Marktes 23.01.2013, 14:59 Uhr

Ein Herz für die Kleinen

Der Markt für Zahlungsdienstleistungen ist in Bewegung. Telefongesellschaften drängen in den Bereich Mobile Payment, gleichzeitig wollen die Online-Bezahlanbieter den Offline-Handel erobern. Mit Paypal-Präsident David Marcus sprach INTERNET WORLD Business über die wichtigsten Innovationen beim mobilen Bezahlen, die Einführung von Produktneuheiten in Deutschland und die Arbeit hinter verschlossenen Türen.
Herr Marcus, was sind für Sie die wichtigsten Innovationen, die Paypal in den vergangenen fünf Jahren herausgebracht hat?
David Marcus: Unser mobiles Bezahlsystem Mobile Express Checkout und Paypal Here, ein Aufsatz fürs Smartphone, der es kleinen Händlern ermöglicht, die Bezahlung über Kreditkarte anzubieten.
Paypal Here wurde im März vergangenen Jahres in den USA eingeführt. Damit können Händler über ihr Smartphone Kundenkreditkarten akzeptieren. Wann bringen Sie das Lesegerät auch nach Deutschland?
Marcus: Ich kann Ihnen leider keinen Termin nennen. Wir arbeiten derzeit hinter verschlossenen Türen an vielen Innovationen, die wir in den kommenden zwei Jahren herausbringen werden. Aber ich verspreche Ihnen: Noch in diesem Jahr werden Sie in Deutschland eine Produktneuheit sehen - wenn auch nur als Test.
Mit Paypal Here wenden Sie sich vor allem an lokale Händler.
Marcus: Ja, denn die kleinen Geschäfte liegen uns sehr am Herzen. Sie arbeiten hart und haben Innovationen verdient.
Da Sie über eine Umsatzbeteiligung bezahlt werden - bei Paypal Here sind es 2,7 Prozent - brauchen Sie viele Partner, damit sich die Produktentwicklung rechnet.
Marcus: Und die haben wir: Zehn Millionen Händler arbeiten mit uns zusammen. Bereits heute wickeln wir 14 Milliarden Zahlungen über mobile Endgeräte ab. Aber wir bieten natürlich auch Lösungen für große Retailer an.
Was planen Sie für die Zukunft?
Marcus: Unser erster Markt war unsere Muttergesellschaft eBay, der nächste die Dienstleistungen für Händler, derzeit folgt Mobile. Angebote für Offline-Händler sind der nächste Schritt, den wir angehen.
Wie sieht das aus?
Marcus: Eine spannende Kooperation haben wir zum Beispiel in den USA mit Jamba Juice. Statt sich dort an der Theke anzustellen und anschließend auf die Bestellung zu warten, können Paypal-Kunden über eine App ordern, zahlen und holen ihr fertiges Getränk dann nur noch gegen einen Identitätsnachweis ab.
Und Paypal weiß, welchen Saft ich wann trinke...
Marcus: Wir verwalten das Geld unserer Kunden, etwas, was ihnen sehr wichtig ist, und wir haben sie nie enttäuscht. Deshalb sind sie einverstanden, uns ihre Daten zu überlassen, wenn sie einen direkten Vorteil davon haben.
Die Deutschen zahlen gerne bar - je nach Studie werden zwischen 60 und 85 Prozent der Einzelhandelskäufe mit Scheinen getätigt. Für Paypal ist das bestimmt ein schwieriger Markt.
Marcus: Sie haben Recht, in Deutschland muss sich das Verhalten der Menschen verändern. Und das passiert nur, wenn die Alternative viel besser ist als das bestehende System. Daran arbeiten wir. Und wir haben einen langen Atem.



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