Junge IT-Unternehmen 13.06.2016, 08:10 Uhr

Kluge Köpfe - keine Kohle: Das deutsche Bemühen um die Gründerszene

Frankfurt ist nicht Palo Alto - noch nicht. Der deutsche Finanzplatz hat die Fintech-Szene entdeckt und will noch mehr Kapital aus jungen IT-Unternehmen schlagen. Helfen soll dabei auch die angestrebte Börsenhochzeit mit London.
(Quelle: shutterstock.com/Goodluz)
Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter schwärmt schon vom deutschen Silicon Valley: "Wenn wir die Brücke nach London schaffen, haben wir die Chance, das Rhein-Main-Gebiet mit London als ein Gegenstück zum Silicon Valley aufzubauen." Europa habe Nachholbedarf in Sachen Gründergeist, meint der Manager und hat die Förderung junger Finanz-Start-ups zur Chefsache gemacht.
Kengeters Credo: "In Sachen Fintech kann es gar nicht schnell genug gehen." In Windeseile stampfte die Deutsche Börse Anfang 2016 in Frankfurt ein Fintech-Zentrum aus dem Boden - so wie man es sich vorstellt: in einem ehemaligen Fabrikgebäude mit Loft-Atmosphäre nahe der Kneipenmeile Berger Straße. Zudem bringt der Dax-Konzern schon seit einem Jahr auf einer virtuellen Plattform junge Unternehmen mit finanzkräftigen Investoren zusammen: im sogenannten Venture Network.
Als zum Start des Venture Network am 11. Juni 2015 der rote Knopf gedrückt wird, ist Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) krankheitsbedingt verhindert. Ein bisschen passte das ins Bild: Börse und Politik konnten sich bei dem Projekt nach monatelangen Gesprächen nur auf den kleinstmöglichen Nenner einigen.

80 Unternehmen und 157 Investoren

Mittlerweile tummeln sich 80 Unternehmen und 157 Investoren auf der Plattform, der Anteil der internationalen Investoren liegt nach Angaben der Deutschen Börse inzwischen bei 52 Prozent. Doch Gabriel wollte eigentlich ein Comeback des Neuen Marktes. Die Verantwortlichen der Börse bremsten - zu tief eingebrannt hatte sich der Crash der "New Economy" kurz nach der Jahrtausendwende.
Die Zeiten haben sich geändert. "Die deutsche Wirtschaft ist im Start-up-Rausch", bilanzierte dieser Tage das "Handelsblatt". In einer zunehmend digitalen Welt können sich auch streng regulierte Branchen wie die Finanzindustrie dem Wandel nicht mehr verschließen.
Viele Banken suchen inzwischen den Schulterschluss mit jungen Anbietern neuartiger Technologien, die am Kapitalmarkt oft hoch gehandelt werden. So investiert die Commerzbank über ihre Tochter Commerz Ventures in Unternehmen mit innovativen Ideen. Die Deutsche Bank kooperiert mit einer ganzen Reihe von Fintechs und entwickelt etwa mit dem Hamburger Start-up Figo eine "digitale Hausbank", die Nutzern Vermögen und Kredite auch von Fremdbanken auf einen Blick zeigt. In einer "Digitalfabrik" in Frankfurt tüfteln zudem seit Anfang Juni Berater, Produktexperten und Softwareentwickler für die Deutsche Bank an neuen digitalen Angeboten.

Fintech-Unternehmen sind beides: Konkurrenz und Partner für Banken und Versicherungen. Das junge Segment wächst stark. Bei diesen sieben Start-ups, lohnt sich eine genauere Betrachtung.




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