Vice President eBay Deutschland 01.08.2019, 10:17 Uhr

Eben Sermon: "Besonders junge Online Shopper entdecken eBay"

Im Interview erklärt eBay-Deutschlandchef Eben Sermon, wie er den Online-Marktplatz attraktiver machen und zur alten Stärke zurückführen will.
(Quelle: eBay )
eBay Deutschland feiert in diesen Tagen sein 20-jähriges Bestehen. Das Jubiläum beschert dem Marktplatz-Pionier wieder die Aufmerksamkeit, die heute oft Rivale Amazon erhält oder auch neue Wettbewerber aus Fernost. Doch was, wenn die Jubiläumsfeierlichkeiten abgeschlossen sind? Beim Interview in der eBay -Zentrale in Dreilinden erklärte Deutschlandchef Eben Sermon, mit welchen Impulsen eBay seinen Spitzenplatz im E-Commerce behaupten will.
Herr Sermon, was bedeuten 20 Jahre in einer Branche, die noch immer so jung ist und stark von Disruption geprägt wird? Kann eBay auch in Zukunft die Entwicklung im E-Commerce mit neuen Impulsen mitgestalten?
Eben Sermon:
Es stimmt, dass 20 Jahre im E-Commerce eine lange Zeit ist. Ich selbst bin nun 12 Jahre bei eBay. So vieles hat sich in dieser Zeit verändert und entwickelt. Der E-Commerce-Markt in Deutschland liegt inzwischen bei einem Volumen von weit über 50 Milliarden Euro, Mobile hat den Markt signifikant beeinflusst und es gibt immer neue Shopping-Konzepte. Auch eBay hat sich in dieser Zeit immens verändert - von einer hauptsächlich auktionsbasierten Plattform hin zu einem Marktplatz mit einer einzigartigen Auswahl und vielen Festpreisangeboten, Mobile Apps und Advertising-Produkten. PayPal wurde integriert und wieder verkauft, wir haben Mobile.de übernommen, eBay Kleinanzeigen gestartet sowie zuletzt eBay Fulfillment und unsere neue Plattform Catch in den Markt gebracht. eBay hat den Handel mitgeprägt und sich dabei immer wieder selbst neu erfunden, und wir haben eine Verpflichtung unseren Händlern gegenüber, das auch weiterhin zu tun.
Im Vergleich mit neuen, jungen Wettbewerbern hat sich das Wachstum von eBay in den vergangenen Jahren deutlich verlangsamt. Hat eBay das Potenzial, wieder zur früheren Dynamik zurückzufinden?
Sermon:
Davon bin ich zu 100 Prozent überzeugt! In Deutschland, wo wir neben dem klassischen Marktplatzgeschäft auch auf eBay Kleinanzeigen setzen, ist es uns 2018 gelungen, unseren Umsatz um acht Prozent zu steigern. Laut einer Studie von OC&C verbringen die Deutschen etwa 42 Prozent ihrer Online-Shopping-Minuten bei eBay.de oder eBay Kleinanzeigen. Das steht für eine außergewöhnlich hohe Relevanz, die weiter im Zunehmen begriffen ist. Worauf ich persönlich sehr stolz bin, ist, dass wir das Wachstum der aktiven eBay-Käufer im vergangenen Jahr um 16 Prozentpunkte beschleunigen konnten. Besonders junge Online Shopper entdecken eBay als Shopping-Destination und tragen dazu bei, dass wir auch in Segmenten, in denen der Anteil von eBay bislang noch nicht so stark war, kräftig zulegen. Die Herausforderung ist es nun, diese neuen Kunden an uns zu binden. Aber ich bin sehr optimistisch, dass uns das gelingt.
Zu den spannendsten Neuerungen bei eBay Deutschland zählt Ihre Idee des "Distributed Commerce". Dabei geht es darum, das Warenangebot der Händler über andere Kanäle verfügbar zu machen. Können Sie das genauer beschreiben?
Sermon:
Die Idee ist, dass wir nicht nur darin investieren, möglichst viel Traffic auf unsere Seite zu ziehen, sondern vermehrt auch dorthin gehen, wo die Kunden bereits sind. In Deutschland sind das beispielsweise Google, eBay Kleinanzeigen und verschiedene Preisvergleicher. Wir haben damit begonnen, Partnerschaften mit diesen Unternehmen aufzubauen und unser Angebot dort zu integrieren. Bei unserer Tochter eBay Kleinanzeigen ist das naheliegend. Wir spielen Teile unseres Sortiments inzwischen auch bei Suchen über eBay Kleinanzeigen aus und sind dabei auf eine überraschend große Nachfrage nach Marktplatzangeboten gestoßen. Künftig wollen wir auch Angebote von eBay Kleinanzeigen in eBay.de integrieren und Suchergebnisse mit lokalen Kleinanzeigenangeboten anreichern.
Besteht dabei nicht die Gefahr, dass eBay wieder vermehrt als C2C-Portal wahrgenommen wird? Seit Jahren bemühen Sie sich ja darum, vom Image des "Online-Auktionshauses" wegzukommen…
Sermon:
Es stimmt, wir müssen dabei vorsichtig vorgehen. Aber ich denke, dass es eine immer deutlichere Abgrenzung zwischen den Marken eBay.de und eBay Kleinanzeigen gibt. Kleinanzeigen hat einen klaren Fokus auf lokalen, einfachen und kostenlosen Handel und hat damit sehr großen Erfolg. Auf dem eBay-Marktplatz sind dagegen heute 80 Prozent der Artikel Neuware zu Festpreisen und die Ware wird in der Regel national oder sogar international angeboten. Ich denke, es gibt inzwischen eine sehr klare Wahrnehmung, für was jede der beiden Plattform steht. Trotzdem werden wir gut darauf aufpassen, dass wir mit der Integration der beiden Kanäle bei den Kunden keine Verwirrung erzeugen.



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