Zukunftsstrategien 27.07.2015, 09:45 Uhr

eBay und Paypal: Getrennte Wege - und jetzt?

Spätestens seit dem 20. Juli 2015 gehen eBay und Paypal getrennte Wege. Beide Unternehmen gelten als Übernahmekandidaten und müssen jetzt Versäumtes nach- und aufholen.
Paypal-Mitarbeiter bei der ersten Börsennotierung nach der Abspaltung von eBay
(Quelle: Paypal )
Der eine räumt auf, der andere kauft zu: Auf den Aktiensplit am 17. Juli 2015, der die Abspaltung von Paypal bei eBay endgültig besiegelte, haben sich die Unternehmen unterschiedlich vorbereitet: Während E-Commerce- und Börsen-Experten die aktuellen Übernahmen von Paypal loben - das Unternehmen kaufte Handelsdienstleister Paydiant und das Start-up Xoom, das Online-Überweisungen ermöglicht - kommt der Verkauf von eBay Enterprise gar nicht gut an. Die eBay-Tochter vermarktete bisher Fulfillment-Services für eBay-Händler, außerdem das weit verbreitete Shopsystem Magento und ging Mitte Juli für 925 Millionen US-Dollar an die Beteiligungsgesellschaften Permira und Sterlington Partners: "Der Verkauf ist ein Riesenfehler", meint Mark Steier, Betreiber des Marktplatz-Blogs Wortfilter.de. "Ohne eBay Enterprise ist eBay doch kaum in der Lage, Antworten auf Same-Day-Delivery für Händler zu entwickeln oder ihnen bei der Auslieferung internationaler Bestellungen zu helfen."
Der Börsenstart von Paypal am 20. Juli 2015 markiert eine Zäsur in der Geschichte der beiden Unternehmen. Beide gelten jetzt als Übernahmekandidaten und müssen gleichzeitig verschlafene technische Entwicklungen aufholen und dringend neue Angebote entwickeln. "eBay ist ein schwerer Tanker geworden und reagiert zu langsam auf die sich schnell verändernde Welt des E-Commerce", meint etwa Patrick Boos, ehemaliger Manager von eBay Deutschland und heute Partner bei der Hamburger Beratung dgroup. Paypal indes hat beim mobilen Payment gepatzt, eigene Angebote für diese Sparte fehlen, obwohl bereits jede vierte Transaktion über die Paypal-App läuft: "Die Gehversuche von Paypal im mobilen Payment sind gefloppt", urteilt Sven Korschinowski, Partner der Beratunsgesellschaft KPMG und spezialisiert auf Online-Finanzservices und Payment. Die Herausforderungen von eBay und Paypal sind groß, Beobachter und vor allem die Aktionäre sind sich einig, dass sie auf getrennten Wegen und mit leichterem Gepäck schneller zu erreichen sind.

Aktionäre drängten zur Trennung

Zumindest am ersten Börsentag nach der Trennung am 20. Juli legten die Kurse beider Unternehmen zu. Danach stagnierte der eBay-Kurs in der ersten Börsenwoche bei rund 28 US-Dollar, während der von Paypal von 41 auf 38 US-Dollar sank. Eins ist sicher: Wenn die Kurse in den nächsten Wochen steigen, dann stecken Übernahmegerüchte dahinter. Noch äußern sich eBay und Paypal selbst nur nebulös zu Plänen und skizzieren Verlautbarungen allenfalls grob die nächsten Wachstumsschritte.
Mit dem Argument, eBay und Paypal könnten schneller und besser wachsen, hatten aktive eBay-Aktionäre, allen voran der Multimilliardär Carl Icahn auf die Trennung der Organisationen gedrängt und sich im September 2014, nach anderthalb Jahren Diskussionen gegen eBay-Chef John Donahoe durchgesetzt. eBay hatte Paypal 2002, kurz nach dem Börsengang des Bezahlsystems, für rund 1,5 Milliarden US-Dollar gekauft. Paypal war die Ertragsperle im Portfolio von eBay, sie wuchs zuletzt schneller als die Muttergesellschaft und überholte diese im zweiten Quartal sogar bei den Erlösen: Während der Marktplatz von 2,1 Milliarden US-Dollar Umsatz berichtet, legte Paypal 2,3 Milliarden vor.



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