Rückblick 03.01.2015, 14:21 Uhr

So spannend war das Jahr 2014

Milliarden für Start-ups, Schelte für Marktzahlen, neue Player, hässliche Pleiten, coole Gadgets: Die Digital Economy erlebte 2014 ein Jahr, das alles war, bloß nicht langweilig.
Das Jahr 2014
(Quelle: shutterstock/palto )
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Malta lag 2013 bei 8,5 Milliarden US-Dollar. Diese Zahl sollte man im Hinterkopf behalten, denn sie hilft dabei, einige ­Vorgänge einzuordnen, die 2014 die Branche in Aufregung versetzt haben.

Januar:

Der Weihnachtsbaum ist noch nicht entsorgt, da übernimmt Google das kalifornische Start-up Nest Labs - für 3,2 Milliarden US-Dollar. Nest stellt Heizungsthermostate und Rauchmelder her, die sich über ein Smartphone kontrollieren lassen. Und: Nest-Gründer Tony Fadell gilt als einer der Väter des iPod.
Facebook hat die 1-Milliarde-Nutzer-Schwelle schon längst überschritten, doch Unternehmen, die das Social Network für die Kommunikation mit ihren Kunden nutzen, merken immer weniger davon: Die Zuckerberg-Company, die 2014 ihren zehnten Geburtstag feiert, beschneidet die Reichweite von Firmen-Posts und lässt die Absender für die volle Verbreitung zahlen.
Schlechte Nachrichten auch aus Europa: Der Weltbild-Verlag meldet ­Insolvenz an, das Performance-Netzwerk Tradedoubler baut Personal ab und das Bundeskartellamt verbietet dem Zimmervermittler HRS seine Bestpreis-Klausel. Sie verpflichtete die Hotels, nirgends günstigere Konditionen anzubieten als bei HRS.
Kurz vor Inkrafttreten des neuen Bankenstandards SEPA zieht die EU-Kommission die Reißleine - und gewährt einen Aufschub bis August. Feierlaune ­dagegen von Dortmund bis Duisburg: Als erste neue Top-Level-Domain mit deutschem Regionalbezug geht .ruhr ans Netz.

Februar:

19 Milliarden Dollar lässt Facebook für eine 250-Mann-Firma springen: Whatsapp hat sich innerhalb weniger Jahre zum meistverwendeten Messenger weltweit gemausert und setzt an, die SMS in Rente zu schicken. Der enorme Kaufpreis erklärt sich aus zwei Faktoren: Whatsapp hat rund 700 Millionen Nutzer - und ­Facebook sehr viel Geld in der Kasse.
Via Online-Petition fordern Zigtausende das ZDF auf, den "Wetten, dass?"-Moderator Markus Lanz zu entlassen. Damit ­erreicht ein Shitstorm seinen Höhepunkt, der Zweifel aufwirft, wie es um den Geisteszustand bei der Netzgemeinde bestellt ist. Die Zweifel am Sicherheitsniveau im Netz bestehen hingegen schon länger - sie werden bestätigt, als russische Hacker 1,6 Millionen deutsche E-Mail-Adressen ­erbeuten - mit Passwort, versteht sich.
Deutsche Internet-Verbände schütten die Szene zu mit immer neuen Prognosen über die Zukunft des E-Commerce. Und E-Commerce-Experten wie Jochen Krisch und Gerrit Heinemann bekommen fast ein Schleudertrauma vom Kopfschütteln, weil viele dieser Erhebungen nicht nur methodische Schwächen aufweisen, sondern auch die Realität nicht abbilden. Heinemanns Fazit: "Der E-Commerce wird schlechtgerechnet."
Die Internetworld wird 18 und alle kommen: Besucheransturm auf dem Messegelände in München
Quelle: Marion Vogel
 Klar dokumentiert ist dagegen der Besucherrekord, den Ende Februar die 18. Auflage der E-Commerce-Messe Internet World verzeichnet. Über 13.000 Besucher kommen auf das Münchner Messegelände. INTERNET WORLD Business und Internetworld.de präsentieren sich aus diesem Anlass mit neuer Optik und inhaltlich ­fokussiert.
Und Zalando hat Grund zum Schreien: Der Modehändler gewinnt den Internet World Shop Award 2014.

März:

Die Shop-Softwareschmiede ePages, deren Online-Shops bislang vor allem Hosting-Kunden von Strato und T-Online ­bekannt waren, verbündet sich mit dem Hosting-Marktführer 1&1. Und damit die Ehe auch lange hält, steigt 1&1 im Gegenzug bei ePages ein.
Schlechte Presse erhält dagegen die Kölner Eyeo GmbH, die den Adblocker Adblock Plus vertreibt. Immer mehr Content-Seiten bangen um ihr Geschäftsmodell, wenn Werbung einfach unterdrückt wird. Delikat: Werbekunden können sich gegen Bezahlung vom Adblock-Bann freikaufen.

April:

Der Arbeitskampf zwischen Amazon und Verdi verschärft sich. Die Gewerkschaft fordert, die Arbeiter in den Amazon-Logistikzentrum nach dem Tarifvertrag für den Einzelhandel zu bezahlen - Amazon schaltet auf stur.
Begleitet werden diese Auseinandersetzungen von TV-Berichten über die ­angeblich schlechten Arbeitsbedingungen bei Amazon. Dass dem US-Riesen Ärger zu bereiten dem deutschen Handel allein nicht aus der Klemme hilft, zeigt ein Selbstversuch der Redaktion: Online bestellen und im Geschäft abholen (Click & Collect), klappt nur selten wirklich gut.

Mai:

Wenn Amazon schlimm ist, kann es bei Zalando nicht besser sein, glaubt der Privatsender RTL und schickt Enthüllungsjournalist Günter Wallraff auf die Pirsch. Das Ergebnis ist eine dramatische Reportage über die Zustände in den Auslieferungszentren des Modeversenders - die RTL nach einer gerichtlichen Verfügung nicht mehr zeigen darf, weil einige Fakten nicht stimmten.
Von der Öffentlichkeit weithin unbemerkt startet derweil die Telekom ihre mobile Bezahllösung My Wallet. Ihr ergeht es ein wenig wie der Payment-Tochter Yapital von Otto: Wenige kennen sie, noch weniger nutzen sie.
Am 13. Mai spricht der ­Europäische Gerichtshof ein Urteil mit Folgen: Er schreibt das "Recht auf Vergessenwerden" fest. In der Folge erhält Google allein in Deutschland über 70.000 Anträge von Personen, die Webinhalte aus dem Google-Index gelöscht wissen wollen - rund 250.000 Seiten sind ­davon betroffen.
Aus Amerika schwappt ein neuer Trend nach Deutschland: Beacons, das sind kleine Mini-Peilsender, die die Lokalisierung und Erfassung von Smartphones ­ermöglichen. Die Sender tun nichts weiter als ein codiertes Signal auszustrahlen. Empfängt ein Smartphone dieses Signal, wird es erkannt - wenn auf dem Gerät eine entsprechende App installiert ist.

Juni:

Hat weder Lenkrad noch Pedale: Das Google-Auto fährt ohne Fahrer - und beflügelt Zukunftsvisionen
Quelle: www.google.com
 Ein kleines Vehikel bekommt ­große Presse: Google stellt den Prototypen eines selbst fahrenden Autos vor - ohne Lenkrad und Pedale. Das Wägelchen beflügelt die Fantasie: Sieht so die Zukunft des Autofahrens aus?
Auch um den neuartigen Fahrvermittlungsdienst Uber entbrennt eine Debatte. Der schickt sich an, herkömmlichen Taxis das Wasser abzugraben. Dafür bekommt er massiv Gegenwind von Stadtverwaltungen, Berufsverbänden und Gerichten.

Google hat die erfolgreichsten Inhalte seines Play Stores für die USA gekürt. Neben den am häufigsten heruntergeladenen Apps und Spielen umfasst das Ranking auch Kategorien wie Film und TV.




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