E-Commerce 05.02.2015, 10:00 Uhr

Digitale Perspektiven der Handelszukunft

Big Data und Mobile beschleunigen die Auflösung gewohnter Handelsstrukturen. Was die Zukunft bringen wird, ist in Laboren und Boutiquen schon zu sehen.
Frau hebt Limetten an Stand mit digitaler Anzeige
(Quelle: innovative-retail.de )
"Hallo", sagt die Stimme beim Griff zur Weinflasche im Regal. "Ich bin ein Chardonnay aus Italien, schmecke nach Walnüssen und Beeren und passe zu einem Pastagericht oder Fisch." Liegt die Flasche im Einkaufswagen, wird die Position "Weißwein" auf dem am Griff des Einkaufswagens angebrachten Display gestrichen.
Die Einkaufsliste wurde zuvor vom Smartphone eingelesen und zum Teil vom Kühlschrank erstellt, der wieder mit Milch, Butter, Eiern und Weißwein bestückt werden will. Das Smartphone kennt die Allergien in der Familie. Wird es vors Regal gehalten, erscheinen auf dem Display über den Müslipackungen, die Nüsse und Gluten enthalten, rote Striche. Eine Kasse gibt es nicht, an der Schranke am Ausgang wird bargeldlos mobil bezahlt, auf dem Display am Wagen werden die Einkaufs­liste und der Kassenbon ausgecheckt.
Digitalisiert, vernetzt, bequem für die Kunden und effizient für die Verkäufer: Wie der Handel in zehn, 20 Jahren funktioniert, zeichnet sich jetzt ab. "Erste Küchen- und andere Geräte sind mit dem Internet vernetzt", erklärt Gerrit Kahl, Leiter des ­Innovative Retail Lab (IRL), das der Lebensmittelhändler Globus mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz betreibt. "Die Technik ist da, diese Daten in den Handel zu bringen und daraus ein Einkaufserlebnis ohne Medienbrüche zu bauen."
Wie das IRL bieten Universitäten und Forschungsinstitute im Verein mit Dienstleistern, Technologieanbietern und Händlern oder Marken einen ersten Blick in die Zukunft. Die Digitalisierung von Boutiquen und Supermärkten durch den Einsatz von Displays und Terminals, von RFID-Chips und Sensoren an Produkten und Regalen sowie Funksendern und neuen Schnittstellen ist nur ein Teil des Zukunftsszenarios.
"Handel und Herstellung verschmelzen zu einem Geschäft", skizziert Olaf Rotax, Geschäftsführer der Beratung D-Group, seine Vision. "Die Städte verändern sich substanziell: Mittel- und Kleinstädte verlieren an Kundenfrequenz, Metropolen locken mit Flaghship-Stores und Showrooms für Produkte." Stefan Wolpert vom Fraunhofer-Institut für Supply Chain Services, Betreiber der Service-Manufaktur Josephs in Nürnberg, malt das Bild weiter: "Virtual Reality wird das Kauferlebnis online und offline erweitern und anreichern."



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