Individuell und persönlich 17.11.2015, 08:08 Uhr

Curated Shopping: Erfolg mit Beratung

Individuell, persönlich, mit wenig Aufwand verbunden: Anbieter von Curated Shopping erreichen im Netz ein breites Publikum. Aber ist damit auch Geld zu machen?
Frau berät Mann
(Quelle: fotolia.com/Cello Armstrong )
Von Nora Jakob
Persönliche Beratung und individuellen Service gibt es nur im stationären Fachgeschäft? Das war einmal: Curated-Shopping-Anbieter übernehmen dieses einstige Alleinstellungsmerkmal und übertragen es ins Internet. Dafür füllen Kunden online einen Fragebogen aus, mit dem Stil und Vorlieben ermittelt werden und auf dessen Basis ein Stilberater zum Beispiel passende Mode vorschlägt.
Auf Wunsch werden ­offene Fragen noch in einem Telefonat oder (wie bei Outfittery) per Whatsapp ­geklärt. Wenige Tage später trifft zu ­Hause ein Paket mit mehreren Outfits ein. Was gefällt, wird behalten, der Rest kann wieder zurückgeschickt ­werden.
Seit knapp fünf Jahren gibt es Curated Shopping in Deutschland und mittler­weile nimmt die Bekanntheit von betreutem Online-Shopping zu: Sechs Prozent der Deutschen haben den Service schon einmal genutzt, 80 Prozent von ihnen würden noch einmal bei Curated-Shopping-Dienstleistern kaufen. Und fast ein Drittel kann sich vorstellen, dieses Beratungs­angebot einmal zu nutzen.
Modomoto Fitting Room
Modomoto will Online- und Offline-Beratung in sogenannten Fitting Rooms, u.a. in Berlin, verbinden
(Quelle: Modomoto)
Vorreiter beim Curated Shopping im ­Fashion-Bereich in Deutschland war das Berliner Start-up Modomoto, das 2011 gegründet wurde und individuelle Beratung für Männer anbietet - denn die gelten nun mal als Shopping-Muffel. Gründerin ­Corinna Powalla kannte das von ihrem Freund, den sie selten zum Shoppen in der Stadt überreden konnte.
Modomoto liefert zwei komplette Outfits nach Hause, die nur noch anprobiert werden müssen. Auch um die Auswahl müssen sich die Männer keine Sorgen machen: Ihre Vorlieben und Wünsche haben sie dem Stylisten schließlich mitgeteilt. Nach eigenen Angaben hat das Start-up inzwischen mehr als 200.000 Kunden und 200 Mitarbeiter und ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz aktiv.
Profitabel ist das Start-up noch nicht. "Wir sind in der Vergangenheit sehr stark gewachsen, sind ­dabei, eine eigene Logistik aufzubauen, um den Kunden den besten Service bieten zu können", sagt Powalla. Die Verluste versucht sie aber so gering wie möglich zu halten. Der Umsatz lag 2014 im zweistelligen Millionenbereich.

Schnelles Wachstum, Profitabilität zweitrangig

Der direkte Konkurrent von Modomoto in Deutschland ist Outfittery. Das Unternehmen verschickt ebenfalls Outfit-Boxen an seine Kunden. Gut drei Jahre nach der Gründung hat das Start-up ebenfalls schon mehr als 200.000 Männer überzeugt.
Der Umsatz dürfte mit geschätzten 18 bis 19 Millionen Euro im gleichen Bereich liegen wie bei Modomoto, genaue Zahlen lassen die beiden Gründerinnen, Julia Bösch und Anna Alex, zwar nicht verlauten, aber auch hier wird zunächst auf Profitabilität zugunsten von Wachstum und Expansion verzichtet: Den Beratungsdienst gibt es mittlerweile auch in der Schweiz, in Österreich, den Benelux-Ländern sowie Schweden und Dänemark. Bei der Expansion ­haben vor allem Investments namhafter Finanziers geholfen.
Erst im März gab es eine 20-Millionen-Euro-Finanzspritze von Northzone, einer schwedischen Beteiligungsgesellschaft, die auch bei Spotify investiert und mit Outfittery zum ersten Mal Geld in ein deutsches Unternehmen gesteckt hat. "Mit dem außergewöhnlichen Wachstum in den vergangenen zwei Jahren haben uns die beiden Gründerinnen überzeugt", ­sagte Northzone-Partner Hans Otterling damals.
Seine Beteiligungsgesellschaft investiert jährlich nur in zehn Start-ups weltweit. Nun will das Berliner Start-up auch nach Großbritannien expandieren. Zudem wurden die Investorengelder in eine Whatsapp-Beratung gesteckt, über die die Kunden unterwegs Fotos von Outfits oder Styles, die ihnen gefallen, an die Stilexperten von Outfittery schicken können.
Für das Engagement von Outfittery gibt es einen Grund: Je genauer die Mode­experten ihre Kunden kennen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass im Päckchen ein Treffer ist - und umso niedriger ist die Retourenquote. Als Hemmschuh für mehr Wachstum erweist sich aber der fehlende persönliche Kontakt - ein Grund für Kunden zum Wiederkommen.
"Bisher geht es immer noch nicht ohne Menschen, also echte Kuratoren", gibt E-Commerce-Experte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein zu bedenken, dies stehe ­"einer Skalierung im Wege, die nur über eine Vollautomatisierung möglich ist."



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