Case 10.06.2017, 11:34 Uhr

Giesswein: Mit Crowdfunding neue Zielgruppen erschließen

Mit Crowdfunding macht Giesswein seine ersten Outdoor-Schuhe bekannt und erschließt nebenbei neue Kundschaft sowie internationale Märkte.
(Quelle: Giesswein)
Knapp 170.000 Euro und mehr als 440.000 Interessenten in aller Welt: Für Giesswein hat sich das Crowdfunding gelohnt. "Es ging nicht in erster Linie um Kapital", sagt Markus Giesswein, verantwortlich für den Vertrieb des Traditionsunternehmens aus Brixlegg in Österreich. "Wir wollten auf Kickstarter und Indie­gogo neue Zielgruppen gewinnen und ­unsere Merino-Sneaker präsentieren." Nebenbei forciert Giesswein mit der Kampagne seine Internationalisierung.
Crowdfunding gilt als alternative Finanzierungsquelle und innovativer Marketing-Kanal. Dabei investieren Verbraucher niedrige Beträge ab fünf Euro gegen eine Umsatz- oder Gewinnbeteiligung oder ­finanzieren wie bei Giesswein mit Vor­bestellungen die erste Produktion. Als ­Anlage birgt Crowdfunding Risiken, doch Trendsetter versorgen sich auf Plattformen wie Companisto, Indiegogo, Kickstarter oder Seedmatch gern mit Neuheiten. Crowdfunder gelten als loyale, aktive Kunden, die Angebote weiterempfehlen oder mit Kritik optimieren helfen. So entstehen zudem Kampagnen, die sich in ­Social Media und über eigene Mailings verlängern lassen und viral fortwirken.

Loyale Kunden und Kontakte gewinnen

Mit einem Video und der Verlinkung zur Homepage startete Giesswein Anfang ­Februar die Kampagne bei Kickstarter, ab April ging sie bei Indiegogo weiter. "Bisher war Wolle ein Thema für kalte Jahreszeiten", so Vertriebschef Giesswein. "Zwei Drittel unserer Umsätze erzielen wir mit Hausschuhen, mit den Merino-Sneakern können wir das Thema jetzt das ganze Jahr besetzen und weiter wachsen." Giesswein produziert und vertreibt Filzpantoffeln und Trachtenjanker vorwiegend in ­Europa und setzte 2016 rund 16 Millionen Euro um.
"Kickstarter zieht pro Monat rund ­eine Million User aus den USA und Großbritannien an", begründet Giesswein die Wahl der Plattformen. Ähnliches gilt für Indiegogo, wo die Kampagne noch läuft. "Etwa zehn bis 15 Prozent der deutschsprachigen Besucher der Homepage konnten wir auf Kickstarter leiten, und jeder Kunde brachte neuen Traffic."
Flankiert wurde das Crowdfunding mit Google Adwords, Facebook Ads und Insta­gram sowie klassischer PR. Durch diese Verzahnung stieg das Interesse an der Marke und die Zahl der Bestellungen. Letztlich kam das Unternehmen in Kontakt mit mehr als 400.000 potenziellen Kunden: 40 Prozent aus Europa, der Rest in den USA und anderen Ländern. ­"Unsere Merino-Sneakers sind ein international konkurrenzfähiges Produkt", schließt ­Giesswein daraus. Rund 1.000 Paare der neuen Sneaker wurden bislang verkauft, das Unternehmen erlöste so 167.579 Euro. Die Kosten der Kampagne belaufen sich auf einen niedrigen fünfstelligen Betrag.
Nebenbei lenkte das Crowdfunding das Interesse auf den Online-Shop: "E-Commerce bringt unsere Internationalisierung voran", sagt Giesswein. Bisher exportierte Giesswein Trachten über einen Importeur an Einzelhändler in den USA. Durch das Crowdfunding wurde der Shop bekannt. Inzwischen beginnt die Auslieferung der vorbestellten Merino Sneaker: ein Event, das Giesswein weitere Posts und Empfehlungen einbringen wird.




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