Bestellung per Knopfdruck 06.09.2016, 10:30 Uhr

Verbraucherschützer warnen vor Amazons Dash-Buttons

Seit kurzem gibt es Amazons Dash-Buttons auch in Deutschland. Verbraucherschützer warnen jetzt eindringlich vor den kleinen Knöpfen. Besonders der undurchsichtige Preis und das Datensammeln der App stört sie.
(Quelle: Amazon )
Letzte Woche startete der Amazon Dash-Button auch in Deutschland. Die kleinen connected Devices, mit denen per Knopfdruck Verbrauchsartikel nachbestellt werden können, haben nicht nur für mediale Aufmerksamkeit gesorgt. Jetzt warnen Verbraucherschutzverbände vor den Buttons. Hauptkritikpunkt ist der Preis, der bei dieser Art des Bestellens verschleiert wird.
Die Buttons können nur ein Produkt einer Marke ordern. Will man also von Ariel das Color-Waschmittel anstatt das für weiße Wäsche, muss der Knopf entweder umprogrammiert werden oder man schafft sich einen zweiten an. Amazon empfiehlt, die Knöpfe direkt an der Stelle anzubringen, wo Waschmittel, Geschirrspül-Tabs oder Rasierklingen ausgehen. Bestellt wird natürlich bei Amazon, zu dem Preis, den Amazon gerade anbietet. Und der kann teurer oder billiger sein, als in einem anderen Online- oder stationären Shop - der Kunde sieht beim Bestellen nicht, zu welchem Preis er ordert.

Dynamic Pricing ohne Transparenz

Ein weiterer Kritikpunkt wird klar, wenn man weiß, wie Amazon seine Preise festsetzt. Denn es gilt keineswegs ein Preis für alle Kunden. Das Stichwort: Dynamic Pricing. Durch die Dash-Buttons erhält der E-Commerce-Riese nicht nur eine weitere Datenquelle, um jedem Kunden den höchsten Preis anzubieten, zu dem er kaufen würde, er gewährt auch keinerlei Transparenz über diesen.
Die Praxis der Dash-Buttons widerspricht damit laut Verbraucherschützern gängigen Regelungen im Internet. Denn dort gilt seit einigen Jahren, dass Kauf-Buttons eindeutig gekennzeichnet sein müssen, zum Beispiel mit der Aufschrift "zahlungspflichtig bestellen" oder "jetzt kaufen". Bereits ein Druck auf den Dash-Button löst einen Kaufvertrag aus. Der Kunde bekommt anschließend eine Push-Nachricht mit Preis und Menge der Bestellung auf sein Smartphone geschickt und kann die Bestellung lediglich nachträglich ändern oder stornieren.
Das könnte nicht den gesetzlichen Regelungen entsprechen, die Verbraucher vor unbewussten Vertragsschlüssen im Internet schützen, so die Verbände. So wird der User zum Beispiel auch nicht über ein Widerrufsrecht aufgeklärt - eigentlich ist dieser Hinweis Pflicht bei Fernabsatzverträgen. Und der Kauf kann auch von einem Kind oder einem Gast ausgelöst werden - wer ist denn aber in solchen Fällen der Vertragspartner?
Den Verbraucherschützern ist außerdem die Bindung an Amazon und an die Produkte des Handelsgiganten ein Dorn im Auge. Und die Bindung der Dash-Button-Nutzung an die Prime-Mitgliedschaft, für 49 Euro im Jahr sowie die Kosten der Buttons von 4,99 Euro. Letztere werden allerdings laut Amazon mit der ersten Bestellung verrechnet.

Dash-Buttons sind Datensammler

Amazon lebt bekanntlich im großen Maß von Daten. Und so ist es auch wenig verwunderlich, dass auch die Dash-Button-App viele Daten über das Kaufverhalten sammelt. So weiß Amazon genau, wer welche Produkte wie oft benötigt. Daraus lassen sich Kaufzyklen, Packungsgrößen und Loyalität zu einer Marke jeweils in Abhängigkeit zu gewissen Käufergruppen analysieren. Und letztlich fürs Dynamic Pricing und personalisierte Werbung nutzen.
Doch Amazon ist das offenbar nicht genug. Der Tech-Riese aus Seattle empfiehlt Kunden außerdem, das WLAN-Passwort auf den unternehmenseigenen Servern zu speichern. So würde ein neuer Button direkt mit dem drahtlosen Internet eines Haushalts verknüpft, ohne dass man den langen Code jedes Mal aufs Neue eingeben muss. Die Verbraucherschutzzentrale rät jedem Dash-Button-User dringend davon ab, solch sensible Daten zur Verfügung zu stellen. Denn eines wissen wir mittlerweile alle: Einmal im Netz, sind Informationen nicht mehr unsere eigenen.



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