Agenturen, Berater und Co 18.09.2017, 08:11 Uhr

Die Dienstleister-Szene rund um den Amazon Marketplace

Rund um den Amazon Marketplace ist ein ganzer Kosmos aus Beratern, Dienstleistern und Events entstanden. Doch bislang fehlt der Branche noch der Segen von Amazon selbst.
(Quelle: shutterstock.com/Jonathan Weiss)
Von Matthias Hell
Klaus Forsthofer macht keinen Hehl aus seiner Begeisterung über die riesige ­Dynamik rund um den Amazon Marketplace: "Wir sind zu einer richtigen Amazon-Company geworden." Seitdem sich der Salzburger vor fünf Jahren dazu entschloss, mit seinem Unternehmen ACE als Händler auf dem Online-Marktplatz aktiv zu werden, hat sich in seinem beruflichen Leben vieles verändert.
Zum einen betrifft das Forsthofers Händlerprofil: Während der Österreicher ursprünglich Sicherheitstechnik und Arbeitsschutzartikel über das Netz verkaufte, ist er heute auch in vielen anderen Sortimentsbereichen zu Hause. "Wir haben schnell gemerkt, dass bei Amazon ja im Prinzip alle Daten offenliegen und man Trends dadurch sehr gut ablesen kann. Also haben wir uns auch in andere Sortimente vorgewagt und wurden dabei durch den Erfolg bestätigt." Das betrifft zum Beispiel Armbanduhren. ACE bietet unter der Marke "Freiherr v. Burgstall" Modelle zu einem Preispunkt rund um 100 Euro an, die das Siegel "Made in Germany" tragen und vor allem auf den Amazon-Marktplätzen in Übersee auf große Nachfrage stoßen.
Ein weiteres Beispiel sind biologische Spülmaschinen-Tabs des kleinen österreichischen Herstellers Claro, die ACE exklusiv europaweit über Amazon offeriert. Mit den dabei gewonnenen Erfahrungen ­wurde Klaus Forsthofer zum gefragten Fachmann, für dessen Amazon-Expertise sich auch immer öfter andere Händler und Markenhersteller interessierten. 2016 gründete der Österreicher deshalb das Beratungsunternehmen Marktplatz1 und wurde damit zu einem Teil des sich rasant entwickelnden "Kosmos Amazon": einem Geflecht aus Agenturen, Tool-Anbietern, Beratern und Event-Veranstaltern, die sich ausschließlich mit dem Marktplatz­geschäft auf Amazon beschäftigen.

An Amazon führt kein Weg vorbei

"Das Amazon-Ökosystem ist global entstanden", erläutert Markus Fost, der mit seinem Beratungsunternehmen Fostec schwerpunktmäßig Hersteller, in der Amazon-Sprache "Vendoren", hinsichtlich ihrer Strategie für den Online-Marktplatz berät. "In Deutschland, wo der E-Commerce-Marktanteil von Amazon bei fast 50 Prozent liegt, ist dieses Ökosystem ­besonders groß - ähnlich wie in den USA und in Großbritannien." Mit einem 2008 gegründeten E-Commerce-Start-up sammelte der Berater selbst als Amazon-Händler Erfahrung: "Wir haben Zubehör für das erste iPhone aus Asien importiert und über Amazon verkauft. Damals wollten viele Hersteller Amazon nicht selbst beliefern, weil sie die Plattform noch für irrelevant hielten."
Ein klarer Irrtum: ­Innerhalb von eineinhalb Jahren erreichte Fost mit dem angebotenen Handy-Zubehör ein Umsatzvolumen von 30 Millionen Euro, bevor er das Start-up an eine etablierte Marke verkaufte. Als er 2013 Fostec gründete, gab es an Amazon schon kein Vorbeikommen mehr. "2012/13 kam es beim Amazon Marketplace in Deutschland zu einem richtigen Schub und der Höhepunkt ist bis heute noch nicht erreicht. Wenn ich mich mit Strategien für einen Hersteller ­beschäftigte, um dessen Marktanteil zu maximieren, spielt Amazon deshalb immer eine hoch relevante Rolle." Um die Umsetzung der definierten Strategien zu gewährleisten, gründete Fostec 2016 den auf Amazon spezialisierten Technologiedienstleister Factor-A aus, der heute unter dem Dach der Global Marketplace Group firmiert.
Factor-A-Geschäftsführer Marc Aufzug betrachtet die Entstehung dezidierter Amazon-Agenturen als logische Konsequenz der Marktentwicklung: "Als man gesehen hat, welch großen Erfolg auf Amazon spezialisierte E-Commerce-Unternehmen wie Chal-Tec und KW ­Commerce hatten, setzte irgendwann ein Wettrüsten ein. Das Gleiche gilt für das Agenturgeschäft, wo sich ab einem gewissen Zeitpunkt ebenfalls die Erkenntnis ­durchsetzte, dass man mit Amazon-SEO richtig Land gewinnen kann." Das Leistungsspektrum, mit dem Factor-A Markenhersteller adressiert, umfasst allerdings deutlich mehr als nur die Suchoptimierung für Amazon.

Die Arbeit von Factor-A

Für Aufzug lässt sich die Arbeit von Factor-A in drei große Blöcke einteilen: Beim Thema Daten und Content gehe es ­zunächst darum, die Darstellung und die Sichtbarkeit einer Marke auf Amazon zu optimieren, um so zu einer höheren Conversion-Wahrscheinlichkeit zu gelangen. Weiter müsse man einen geeigneten Marketing-Mix entwickeln, um die von Amazon gebotenen Werbemöglichkeiten optimal zu nutzen. Und schließlich spiele das Thema Sales Excellence eine wichtige ­Rolle. "Hier geht es darum, die KPIs im Blick zu haben. Das beginnt bei der Frage, ob man es mit seinem Produkt in die Buy Box von Amazon schafft, und geht bis zum Rezensionsmanagement." Mit diesem umfassenden Angebot sieht der Factor-A-Chef sein Unternehmen als primären Ansprechpartner für alle Markenhersteller, wenn es um Amazon geht. "Als wir auf den Markt traten, waren wir die Ersten. Inzwischen gibt es eine Handvoll auf Amazon fokussierte Agenturen, von denen die meisten allerdings auf Händler spezialisiert sind." Für Aufzug ist die Szene vergleichbar mit der beim Aufkommen der ersten Google-SEO-Agenturen: "Die Anzahl der Amazon-Agenturen nimmt zu, doch im Großen und Ganzen ist die Landschaft noch recht jungfräulich."




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