Amazon: Markenhersteller suchen nach dem richtigen Umgang

Extrawurst für die Großen, Einheitskost für die Kleinen

Die gemeinsamen Pop-up Stores mit Calvin Klein waren die bisher weitreichendste Zusammenarbeit zwischen Amazon und einer großen Marke. Aber dass der Online-Marktplatz schon länger die großen Brands mit individuellen Paketen umwirbt, zeigen auch schon die besonderen Produktdetailseiten, die diese bei der Einführung neuer Produktlinien auf Amazon, wie aktuell L’Oréal für die Marke Pureology, befüllen dürfen - oder die Probefahrten, die Mercedes-Kunden via Amazon vereinbaren konnten. Dass das Verhältnis zwischen Amazon und den ­umgarnten Brands trotz des ganzen ­Zuckerbrots schwierig bleibt, zeigt ein weiterer aktueller Rechtsstreit: Ein gutes Jahr nach der breit kommunizierten Koopera­tion in Sachen Probefahrten zwischen Amazon und Mercedes trafen sich die beiden Partner vor Gericht wieder: Mercedes verklagte Amazon ­Anfang Dezember ­wegen des Verkaufs von gefälschten Mercedes-Ersatzteilen.
Trotz solcher Auseinandersetzungen ist zu beobachten, dass sich Amazon um die großen Marken bemüht; von so viel Bereitschaft aufeinander zuzugehen, können die Hersteller der zweiten und dritten Reihe nur träumen. "Bei den weltgrößten Marken, den Marktführern einer Branche, zeigt sich Amazon besonders kooperationsbereit und schnürt auch individuelle Pakete, beispielsweise bei der Produktpräsentation", beobachtet Berater Thomas Köhler. "Kleinere und mittelständische Marken hingegen erleben Amazon als ähnlich harten Verhandlungspartner wie die Händler, die über den Marketplace verkaufen: Es gibt einheitliche Konditionen, die die Hersteller akzeptieren müssen, Verhandlungsspielraum gibt es nicht."

Früher war es Karstadt, heute ist es Amazon

Davon kann Sebastian Frey, Geschäftsführer des Sport- und Freizeitartikel-Herstellers MTS-Sport, ein Lied singen. Das Unternehmen, zu dem beispielsweise die in Tischtennis-Kreisen recht bekannte Marke Schildkröt zählt, verkauft seit rund 10 Jahren auf Amazon und erzielt dort ­einen "signifikanten, aber nicht problematischen" Anteil seines Umsatzes, wie es Frey formuliert. "Es gibt von Amazon durchaus Versuche, die eigene Marktmacht zu nutzen, was die Einkaufskonditionen angeht", räumt er ein. "Das macht aber jeder starke Händler. Früher hat uns Karstadt unter Druck gesetzt, heute ist es eben Amazon." Mehr zu schaffen macht ihm einerseits der enorme Preisdruck, der durch die vielen Sport-Reseller, die seine Produkte auch auf Amazon anbieten, entsteht.
Von Vertriebsbeschränkungen hält er trotzdem nichts. Ein "Kampf gegen Windmühlen" sei das, meint Frey. Sein zweites Problem wiederum illustriert, wie Amazon sich gegenüber mittelständischen Herstellern verhält. "Unser Hauptproblem ist die Datenbeschaffenheit", erklärt der MTS-Mann. "Auch die Produktbeschreibungen des Herstellers werden durch Beschreibungen von Marketplace-Händlern immer wieder überschrieben und zerstört. Der Support von Amazon ist da nicht so toll. Sie sind sich des Problems wohl bewusst, aber anscheinend ist es schwierig, etwas dagegen zu unternehmen." Ähnliche Support-Probleme kennen auch Marketplace-Händler, die Probleme mit ihrem Account haben. Oft sind die technischen Schwierigkeiten bei Amazon bekannt - aber ihre Lösung steht offenbar nicht ganz oben auf der Prioritätenliste.



Das könnte Sie auch interessieren