INTERNET WORLD Logo Abo
Lieferbote im Schnee

Arznei, Lebensmittel oder Drogerieartikel Kunden haben großes Interesse am Quick Commerce - wollen aber nicht mehr zahlen

Shutterstock/Tricky_Shark
Shutterstock/Tricky_Shark

Auch in der aktuell angespannten wirtschaftlichen Situation ist das Interesse der Konsumenten an zügigen Lieferungen von Alltagsprodukten über Quick-Commerce-Dienste hoch. Besonders begehrte Kategorien sind Pharmazeutika, Lebensmittel und Drogerieartikel.

In urbanen Zentren hat sich Quick Commerce als neue Messlatte in Sachen Lieferungen etabliert: Trotz Krisen- und Sparmodus wollen 46 Prozent der Befragten ihre Einkäufe künftig verstärkt auf entsprechende Dienste umstellen. Das ist ein Ergebnis einer Studie von Roland Berger, für die über 6.000 Verbraucher aus Deutschland, Großbritannien und Frankreich befragt wurden.

"Es ist verlockend, Quick Commerce nur als weitere Steigerung des Service-Niveaus zu sehen - als eine natürliche Entwicklung zu noch schnelleren Lieferzeiten. Es handelt sich jedoch um einen völlig neuen Kanal, mit einem eigenen, einzigartigen Geschäftsmodell. So zielt er vor allem auf spontane, zeitkritische oder emotionale Einkäufe ab", kommentiert dazu Thorsten de Boer, Partner bei Roland Berger. "Quick Commerce fokussiert sich auf schnell-drehende Konsumgüter mit hohen Margen. Diese Form des Einkaufs wird den klassischen Online-Handel nicht ersetzen, sondern ergänzen und sogar beflügeln."

Begehrte Kategorien

Insbesondere Produkte in den Kategorien Pharmazeutika (10 Prozent), Lebensmittel (10 Prozent), Gastronomie (7 Prozent), Drogerieartikel (4 Prozent) und Elektronik (4 Prozent) sind begehrt.

Kategorien

Roland Berger

Für die Befragungsteilnehmer sind dabei zunächst der Preis und die Verfügbarkeit der Produkte die entscheidenden Faktoren, gefolgt von den Lieferkosten.

Was Kunden wichtig ist

Roland Berger


 
40 bis 47 Prozent der Befragten (je nach Produktkategorie) geben zudem an, dass die Auswahl der Produkte im Quick Commerce bisher noch zu limitiert sei und dass viele ihrer bevorzugten Marken nicht angeboten würden. Aber: Laut Studienautoren sind Kunden weder bereit, für ein breiteres Angebot noch für die Lieferkosten mehr zu zahlen. Sie erwarten daher längerfristig einen Anstieg der Lieferzeit, die dann insgesamt zwischen 30 und 60 Minuten liegen wird.

Bei spontanen und dringenden Käufen ist Quick Commerce mit 27 Prozent die erste Wahl der Konsumenten. Bei längerfristig geplanten Anschaffungen oder wiederkehrenden Einkäufen hingegen, wie etwa dem wöchentlichen Lebensmitteleinkauf, ist für 27 Prozent der Befragten die Lieferung am nächsten Tag oder sogar zwei bis drei Tage später schnell genug.

Harte Konkurrenz

Akteure im Quick Commerce agieren in einem konkurrenzstarken Markt. Ob die Einnahmen aus Produktmargen, Provisions- und Servicegebühren sowie In-App-Werbung die Betriebskosten decken und das Geschäftsmodell lukrativ machen können, ist derzeit laut Roland Berger unklar.

Die Produktpreise im Quick Commerce ähneln aktuell denen im Supermarkt, das Marketing für den Markenaufbau kann in der Anfangsphase bis zu 30 Prozent der Gesamtkosten ausmachen, und die Liefergebühren decken selten die tatsächlichen Kosten.
 
"Nur die effizientesten Quick-Commerce-Akteure werden die kommende Marktkonsolidierung überstehen. Die anschließende Stabilisierungsphase wird den Einzelhandel jedoch nachhaltig beeinflussen. Die Akteure im Multichannel-Einzelhandel sollten ihre Angebote bereits jetzt anpassen und ihre digitalen Geschäftsmodelle ausbauen", so de Boer.

Partnerschaften oder selber machen

Multichannel-Anbieter, die in den Quick-Commerce-Markt einsteigen wollen, haben derzeit zwei Optionen: Eine Partnerschaft mit einem bestehenden Anbieter oder den Aufbau eigener Kapazitäten.

Den Autoren der Studie zufolge, wird sich das Partnerschaftsmodell durchsetzen, denn es biete folgende Vorteile: die Beteiligung an etablierten Strukturen und Know-how, die vergleichsweise geringen Anfangsinvestitionen und geteilten laufenden Kosten sowie die höhere Profitabilität pro Handelsgut aufgrund der Skaleneffekte.

Für die Schaffung eigener Quick-Commerce-Kapazitäten spreche der weiterhin bestehende enge Kontakt zu den Verbrauchern. Demgegenüber stünden jedoch hohe Investitionen in eine eigene Plattform, den Bestand sowie die Lager- und Lieferlogistik. Für einen Vertrieb in Deutschland müssten beispielsweise elf landesweit gut positionierte Lagerhäuser mit identischem Sortiment bestehen, das innerhalb von zwei Stunden ab Bestellung verschickt werden kann. Des Weiteren wären 30 Läden in den Großstädten nötig, um allein die Hälfte der Bevölkerung lediglich mit Same-Day-Delivery zu versorgen.

Ihr wollt in Sachen E-Commerce auf dem Laufenden bleiben? Da haben wir zwei Angebote für euch in petto:
  • Unser daily-Newsletter informiert einmal täglich mit News, aber auch tiefen Insights und Analysen über die wichtigsten Themen aus der digitalen Commerce- und Marketing-Branche. Jetzt kostenlos abonnieren!
  • Early birds, die bereits am frühen Morgen wissen wollen, was im nationalen und internationalen E-Commerce alles los ist, legen wir die Commerce Shots ans Herz: Jetzt abonnieren!
Das könnte Sie auch interessieren