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Nikolaus vor dem PC

Web-Weihnachten Weihnachtsgeschäft bestätigt Online-Trends

shutterstock.com/francemora
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Der Online-Handel zählt zu den Gewinnern im zurückliegenden Weihnachtsgeschäft. Trends wie Omnichannel, Mobile und Same-Day-Delivery zeigten bei den Weihnachtseinkäufen im Netz Wirkung.

von Matthias Hell

Zum Jahresanfang herrscht im Online-Handel Zufriedenheit - von A wie Amazon bis Z wie Zalando: Das zurückliegende Weihnachtsgeschäft bescherte den E-Commerce-Anbietern kräftige Umsatzzuwächse. Vor allem im Hinblick auf die eigenen Produkte und Services meldete Amazon eine "rekordverdächtige Weihnachtssaison".

So seien bei Amazon Prime weltweit allein in der dritten Dezemberwoche mehr als drei Millionen neue Mitglieder dazugekommen. Zudem sei der Fire TV Stick das meistverkaufte Produkt der Weihnachtssaison 2015 bei Amazon.de gewesen und hätten es auch der neue Kindle Paperwhite und das Fire Tablet unter die Top 5 der meistverkauften Produkte geschafft.

Das börsennotierte Zalando gab sich mit Details zum Verlauf des Weihnachtsgeschäfts bislang etwas zurückhaltender, doch ein Umsatzplus von 40 Prozent im vierten Quartal 2015 deutet auch hier auf klingelnde Kassen hin. Im A bis Z der Online-Weihnachtseinkäufe kann der erste Buchstabe des Alphabets im Übrigen auch für Amorelie stehen: "Auch in diesem Jahr gehörte das Weihnachtsgeschäft zu unseren verkaufsstärksten Zeiten", berichtet Sebastian Pollok, Gründer und Geschäftsführer des Online-Erotikshops. Das Erfolgsrezept seien dabei vor allem innovative Produkte gewesen, die eigens von den Amorelie-Experten ausgewählt und liebevoll gestaltet worden seien. "Das spiegelt sich dann auch in den Verkaufszahlen wider", so Pollok.

Weihnachtseinkäufe mit dem Smartphone

Die Meldungen der Online-Händler stehen im Einklang mit den Beobachtungen der Handelsverbände. So bezifferte der HDE das Umsatzvolumen im Weihnachtsgeschäft 2015 auf 86,7 Milliarden Euro, was einem nominalen Umsatzplus von zwei Prozent entspricht. Der Online-Handel hat laut HDE zu diesem Umsatz einen Anteil von rund 11 Milliarden Euro beigetragen - eine Steigerung von mehr als 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Von ähnlichen Größenverhältnissen geht auch der Online-Handelsverband BVOH aus, sieht jedoch in einzelnen Segmenten deutliche Abweichungen nach oben: "Der BVOH erwartet aufgrund des sehr guten Dezembergeschäftes Steigerungen von bis zu 40 Prozent in der Warengruppe Spielzeug und geht bei Haushaltsgeräten von einem zweistelligen Wachstum gegenüber dem Weihnachtsgeschäft 2014 aus", erklärt Verbands-Chef Oliver Prothmann.

Umsatzwachstum von rund 20 Prozent

Die gute Entwicklung im Bereich Spielwaren und Kinderzubehör bestätigt myToys-Geschäftsführer Oliver Lederle. Der Online-Shop habe im Weihnachtsgeschäft ein Umsatzwachstum von rund 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet. Und nicht nur im E-Commerce sei die Weihnachtsbilanz positiv: Auch die 14 bundesweiten Filialen des Versandhändlers hätten ein Wachstum von mehr als 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erzielt. "Wir sind mit dem vergangenen Weihnachtsgeschäft wirklich überaus zufrieden", erklärt Lederle. "Ein zusätzlicher Wachstumstreiber war für uns 2015 wieder unser Mobile-Shop. Über die Hälfte unserer Kunden nutzten für ihre Weihnachtseinkäufe bei uns ihr Smartphone oder Tablet."

Eine starke Rolle von Mobile-Einkäufen konnte auch der Fashion-Händler brands4friends im Weihnachtsgeschäft ausmachen. "Der Mobile Umsatzanteil ist bei uns mit fast 60 Prozent ganzjährig hoch, zwischen Weihnachten und Neujahr haben wir sogar die Marke von 70 Prozent geknackt", berichtet Stefan Wenzel, der Geschäftsführer des zu eBay gehörenden Shoppingclubs.

Online-Warenkörbe sind praller gefüllt

Auf weitere Spezifika im Weihnachtsgeschäft weisen zwei aktuelle Studien hin. So ergab eine gemeinsame Datenauswertung von Payone, B+S Card Service und Statista, dass die Warenkorbhöhe im E-Commerce den stationären Handel deutlich übertraf. Während der durchschnittliche Weihnachtseinkauf im klassischen Einzelhandel mit 59,65 Euro zu Buche schlug, gaben Onlineshopper im Mittel 95,95 Euro pro Einkauf aus. Der Versandhandelsverband bevh konnte zudem im zurückliegenden Weihnachtsgeschäft zusätzliche Anreize für die Nutzung von Same-Day-Delivery Services ausmachen: "Dank Same Day Delivery führten in diesem Jahr Einkäufe auf den letzten Drücker nicht mehr zu schlaflosen Nächten. So konnten Kunden die Weihnachtsgeschenke für ihre Liebsten bei manchen Händlern noch bis zur Mittagszeit des 24. Dezembers bestellen“, erklärt Martin Groß-Albenhausen, stellvertretender Geschäftsführer des Verbandes.

Die Beliebtheit von Same-Day-Lieferungen in der Vorweihnachtszeit streicht auch der Elektronikversender Cyberport heraus. "Unser Same Day Delivery Service 'Eilt!', den wir pünktlich zum Weihnachtsgeschäft für unsere Kunden rabattiert angeboten haben, wurde zu dieser Gelegenheit sehr oft genutzt", erzählt Cyberport-Sprecherin Alexandra Wünsche.

Der Elektronikversender hatte die Gebühr für taggleiche Lieferungen am 14.12. von 14,99 Euro auf 3,99 Euro herabgesetzt. "Insgesamt ist zu erkennen, dass dieser Service seit seiner Einführung in 2013 immer besser angenommen wird", so Wünsche. Aber auch die Möglichkeit, Produkte vom Notebook oder Smartphone aus in einem der 15 Cyberport-Stores zu reservieren und am gleichen Tag dort abzuholen, sei oft genutzt worden.

Auch Spezialanbieter profitieren

Der Einkaufsmarathon zu Weihnachten hat im Online-Handel nicht nur bei Vollsortimentern und klassischen Geschenkeanbietern zu Mehrumsätzen geführt, sondern auch Spezialisten wie dem Online-Brillenhändler Mister Spex positive Effekte beschert. "Wenngleich die Brille kein klassisches Weihnachtsgeschenk ist, beobachten wir, dass immer häufiger Sonnenbrillen unter den Weihnachtsbaum gelegt werden", berichtet Jens Reich, Marketingleiter/CCO bei Mister Spex. Um die Kunden hier bestmöglich zu beraten, habe man im Shop Geschenketipps aufbereitet und bereits einen Ausblick auf die neuen und angesagten Modelle der kommenden Saison gegeben. Als Online-Händler sieht sich Reich für diese Form der Kuratierung von Angeboten bestens aufgestellt: "Schließlich haben wir entgegen dem stationären Handel den Vorteil, dass wir mit über 7.000 Modellen ein sehr großes, direkt verfügbares Sortiment haben und deutlich günstigere Preise anbieten können. Zudem pflegen wir intensive Kontakte zu den weltweit führenden Herstellern und wissen als erstes, was zukünftig angesagt sein wird."

Nicht nur bei den Onlineshops hat Weihnachten für positive Effekte gesorgt, sondern auch bei der neben Amazon führenden E-Commerce-Plattform eBay. "Die Vorweihnachtszeit ist auch bei eBay die umsatzstärkste Zeit des Jahres", erklärt Unternehmenssprecherin Daphne Rauch. "Insgesamt lag der Peak im diesjährigen Weihnachtsgeschäft später als in den Jahren zuvor. Das zeigt aus unserer Sicht das gestiegene Vertrauen der eBay-Käufer darin, dass sie ihre eBay-Artikel schnell erhalten." Eine Besonderheit bei eBay ist, dass das Weihnachtsgeschäft nicht mit den Festtagen endet - schließlich ist nicht jeder Beschenkte mit dem erhaltenen Geschenk zufrieden: "Bereits an den Festtagen stellen wir einen deutlichen Anstieg der Angebote von Privatverkäufern fest, denn dann beginnt der Verkauf ungeliebter Weihnachtsgeschenke bei eBay", erzählt die Unternehmenssprecherin.

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