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Lecker Haeppchen

Neuer Markt im Internet Start-ups ordnen Catering-Markt neu

Start-ups erleichtern die Suche nach Catering-Dienstleistern. Der Bedarf nimmt vor allem unter Firmen zu

Fotolia/Sarym Sakow

Start-ups erleichtern die Suche nach Catering-Dienstleistern. Der Bedarf nimmt vor allem unter Firmen zu

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Lieferdienste bereiteten den Markt vor: Sechs neue Marktplätze vermitteln Dienstleister fürs Catering und bringen mehr Effizienz in einen fragmentierten Markt. Kunden sind Privatleute und Unternehmen.

Fotoshooting in Berlin. Es wird bis in den späten Abend dauern. Fotografen, Stylistinnen und Models müssen verköstigt werden. Sie wünschen sich Veganes, Low Carb und Asiatisches. Drei Tage braucht Therese Köhler, um einen Caterer zu finden, der all diese Wünsche erfüllt. Vor der Buchung telefonierte, faxte, mailte sie und dachte sich dabei: "Das geht doch schneller.“

Es geht viel schneller: Die Suche nach dem Caterer liegt zwar schon länger zurück. Aber nach einigen Gesprächen mit Anbietern und Unternehmen hat Therese Köhler mit ihrer Freundin Sophie Radtke, einer Food-Bloggerin, im Sommer 2015 Heycater gegründet. Das Berliner Start-up baut an einem Online-Marktplatz, der Unternehmen und Privatpersonen mit Caterern zusammenbringt und die Buchung mit wenigen Clicks ermöglicht. "Online", stellt Mitgründerin Radtke fest, "verkürzt die Suche nach einem Caterer, gerade, wenn es viele Vorgaben gibt oder es um große Veranstaltungen geht."

Heycater hat daher sofort Konkurrenz bekommen. Inzwischen beackern mindestens fünf weitere Start-ups das Feld Catering : Lemoncat, Caterwings, Happycater sitzen in Berlin, Catero und Event Inc in Hamburg. Und wie so oft in der Gründerszene gibt es natürlich auch Vorbilder in den USA zu besichtigen: Hier bündeln Eatclub, Ezcater oder Zerocater Nachfrage und Angebot des Catering-Marktes. Investoren sind auch schon auf den Geschmack gekommen: Lemoncat, Heycater und Caterwings bekamen bereits Millionenfinanzierungen.

Milliardenmarkt mit Essen

Catering ist ein fragmentierter, aber enorm aussichtsreicher Markt - gerade für Werbungtreibende und Vermittler: Für Hochzeiten und andere Feste, vor allem aber für die diversen Veranstaltungen von Firmen werden Zulieferer von Speisen und Getränken gebraucht. Zwischen 15.000 und 17.000 Restaurants und spezialisierte Anbieter kochen hier zu Lande für andere, hinzu kommen Kochteams zum Mieten, Metzgereien, Bäckereien, semiprofessionelle Hobby-Köche. Große Cater-Unternehmen wie Compass, Aramark oder Apetito setzen im Jahr Hunderte von Millionen Euro um. Insgesamt wird der Markt in Deutschland auf sieben bis acht Milliarden Euro Umsatz geschätzt, wobei etwa zwei Milliarden auf das Catering von Schulen, Seniorenheimen und anderen Kantinen entfallen, die aber per Ausschreibung vergeben werden. Von diesem Kuchen möchten sich die Start-up ihren Teil für das Online-Marketing und das Bekanntmachen dieser Dienstleistung abschneiden.

Zur Veranschaulichung der Perpektiven macht Oliver Giese, Mitgründer von Catero in Hamburg, diese Rechnung auf: "In Deutschland werden pro Jahr rund 400.000 Hochzeiten gefeiert, wenn nur die Hälfte davon in einem größeren Rahmen stattfinden, kommen schnell 20 bis 40 Millionen Euro zusammen." Solche Aussichten lassen sich Investoren nicht lange nur auf der Zunge zergehen: Unternehmensentwickler Rocket Internet ist gleich bei zwei Anbietern - Lemoncat und Caterwings - dabei. Lukasz Gadowski, Business Angel und Gründer von Spreadshirt, sowie die Investmentgesellschaften Point Nine und Target Global finanzieren den Aufbau von Lemoncat. Heycater bekam eine siebenstellige Finanzspritze von Atlantic Food Labs, 360 Capital sowie von Unternehmen. Auch Holtzbrinck und Tengelmann setzen auf die Caterer-Vermittler im Internet. "Investoren mögen erfahrene Gründerteams, das Food-Know-how ist bei uns stark vertreten", sagt Doreen Huber, die Gründerin von Lemoncat, die zuvor Delivery Hero mit aufbaute. Auch Sophie Radtke hat erste Erfahrungen mit der Gastronomie bei einem Lieferdienst gesammelt.

Praktische Suche, effiziente Prozesse

Die Geschäfte der Start-ups ähneln sich: Die unterschiedlichen Online-Marktplätze listen nach Städten geordnet Caterer, deren kulinarische Schwerpunkte und Leistungen auf. "Wir stellen kostengünstig die Online-Sichtbarkeit für Caterer her und vermitteln bereits vorqualifizierte Aufträge“, erklärt Giese das Konzept der Marktplätze. Allerdings führt die wachsende Konkurrenz unter den Caterer-Marktplätzen bereits dazu, dass die Kosten für Online-Marketing und Suchwörter zu steigen beginnen. Während Lemoncat und Heycater noch viel Aufwand bei der Suche von Caterern und für deren Kategorisierung betreiben, listet Caterwings entsprechende Anbieter lediglich auf und setzt bei der Vermarktung von Aufträgen auf satte Rabatte von zehn bis 20 Prozent. Catero indes sieht sich als Branchenbuch des Caterings, lockt Caterer mit Email-Marketing an und schafft es so, dass sich viele eigenständig listen lassen.

Profitieren die Caterer vom Online- und Suchmaschinen-Marketing der Start-ups, strukturieren deren Fragebögen zur Auswahl umgekehrt die Wünsche von Kunden vor und helfen so bei Planung und Auswahl. "Catering ist eine individuelle Dienstleistung, die noch ein Vorgespräch zwischen Auftraggeber und Dienstleistern bedarf", meint Catero-Gründer Giese. Möglichst viele dieser Prozesse, die bislang vor allem am Telefon, mit Fax, nur selten per Mail bewältigt wurden, werden nun von den Online-Plattformen automatisiert. "Wir versuchen Kommunikationsprobleme mit Technik und nicht mit Menschen zu lösen", bringt Radtke dieeigenen Ziele auf den Punkt. Firmen wie Privatkunden sollen daher Vorgaben und Wünsche per Click erledigen können und vor allem schnell Kontakt zu Dienstleistern finden.

Lieferdienste bereiteten den Markt vor

"Lieferdienste wie Lieferheld haben die Digitalisierung in der Gastronomie und im Caterbereich schon vorbereitet", sagt Doreen Huber. "Wir müssen den Caterern bei der Akquise nicht mehr so viel erklären wie früher den Restaurants und Imbissen." Kommen Buchung und Auftrag zustande, bezahlen die Speisenlieferanten bis zu 15 Prozent Provision für die Vermittlung. Catero positioniert sich indes als Werbehelfer und verlangt von seinen Caterer-Kunden dementsperechend Abo-Gebühren zwischen knapp 15 und 69 Euro im Monat.

Die Hamburger wollen ihre Plattform langfristig mit mehr Organisationstools für Caterer ausbauen, die ihnen beispielsweise das Erstellen von Angeboten oder Kostenvoranschlägen erleichtern. Heycater und Lemoncat konzentrieren sich indes explizit auf Geschäfts- und Unternehmenskunden und suchen für sie Catering-Dienstleister für unterschiedliche Veranstaltungen. In diesem Bereich wächst der Bedarf auch deshalb, weil insbesondere Beratungen, Anwaltskanzleien oder Start-ups gemeinsames Essen im Team oder gesunde Speisen für Mitarbeiter als Strategie zur Bindung von Fach- und Führungskräften entdecken. "Unternehmen buchen vor allem Fingerfood, Meeting-Catering und immer häufiger Teamlunch, weil sie ihren Mitarbeitern etwas bieten wollen", beobachtet Radtke."Wir legen viel Wert auf Auswahl, Nähe und Beratung - gegenüber den Unternehmenskunden wie auch den Caterern." Das Start-up berät Caterer, zunehmend auch die Unternehmen, die inzwischen ihre Suche nach einem Essenslieferant häufiger an die Berliner delegieren.

Auch Lemoncat setzt auf Mitarbeiterbindung und -Essen. Die Online-Präsenz des Berliner Start-ups sieht zwar schon so aus wie die Suchmaschinen und Marktplätze der Konkurrenz. Doch hinter der Suchmaske verliest das Berliner Start-up die angeschlossenen Caterer noch immer per Hand und vermittelt ihnen die passenden Aufträge von Geschäftskunden. "Wir möchten das Geschäft besser kennenlernen und wissen, was suchen Kunden und Caterer“, erläutert Gründerin Huber diese Strategie."

Aussichtsreiche Perspektiven

Der neue Markt beinhaltet außerdem viele Wachstumsperspektiven: "Es fängt mit Essen an, kann sich auch auf Dinge wie Geschirr, Servicepersonal, Event-Equipment und Möbel erweitern", erklärt Doreen Huber, Gründerin von Lemoncat, mittelfristige Aussichten. Jetzt in der Startphase suchen die Gründer Wachstum erst noch in der regionalen Expansion und im Aufarbeiten von Caterer-Adressen der Großstädte. Caterwings ist schon in Großbritannien aktiv.

Das Geschäftsmodell kommt bereits an. Caterer werden auf die Werbe- und Vermittler-Plattformen und Marktplätze aufmerksam: "Wir kennen die neuen Plattformen. sie bieten viele Opportunitäten für unsere Branche", sagt etwa Kaspar Althaus, Geschäftsfüher von System-Caterer Aveato, der bevorzugt Unternehmen beliefert. "Die Start-ups machen schon gute Umsätze mit uns, für uns ist das zwar noch keine Riesengeschichte, aber die Plattformen sind ja noch nicht lange am Markt." Althaus ist überzeugt, dass die jungen Unternehmen vor allem Verbraucher zum Catering bringen können, im Geschäftsbereich werden sich seiner Ansicht nach die Großen der Branche durchsetzen - auch weil Unternehmen Catering meist ausschreiben, auf einheitliche Prozesse und Qualitäten und möglichst auch auf einen bekannten Lieferanten setzten. "Caterer sind meist super am Herd", erklärt Althaus die Chancen, "aber zeitlich überfordert mit der Vermarktung. Die Plattformen unterstützen ihn jetzt dabei und öffnen den Markt, kleinere und innovative Caterer bekommen Zugang auch zu größeren Kunden, das bringt die Branche voran."

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