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Start-up
Amazon 06.02.2017
Amazon 06.02.2017

Start-up vorgestellt Racoon Strategy: Mit KI Amazon Shops automatisieren

shutterstock.com/SunnyStudio
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Das Münchner Start-up Raccoon Strategy optimiert die Amazon-Seiten von Händlern, setzt dabei auf Künstliche Intelligenz und Automatisierung und spart so rund 30 Prozent der Arbeit ein.

Das Ziel ist so ambitioniert wie faszinierend: Wenn sie über Amazon verkaufen wollen, sollen Händler ihre Shops auf dem Marktplatz künftig mit ein paar Klicks steuern und ihnen die besten Plätze in der Amazon-Suchmaschine verschaffen können. Dazu bereitet das Münchner Start-up Raccoon Strategy den vollautomatisierten Handelszugang vor und entwickelt dazu eine Software weiter, die bereits heute die Produktseiten von Händlern automatisch optimiert.

Racoon Strategy setzt Keywords, Produkttexte und Bilder so ein, dass sie die Angebote des Händlers auf den ersten Ergebnissen im Suchranking des Marktplatzes positionieren. Nur dort werden sie von Verbrauchern und Kaufwilligen wahrgenommen und in die Auswahl der Anbietenden aufgenommen. "Mit wachsenden Datenmengen wird E-Commerce zur einfachsten Sache der Welt", meint Maximilian Kimmel aus Überzeugung.

Das heißt konkret: Die Datenpunkte, die beim Surfen in Shops oder eben bei Amazon entstehen, bringen die Informationen, wie Produktbeschreibungen oder Bilder, um für Kunden interessanter zu werden und sie schneller zum Kauf zu motivieren.

Um das zu beweisen, hat der Software-Entwickler und Mehrfachgründer zusammen mit dem einstigen ­Amazon-Mitarbeiter Adrian Jaroszynski 2016 ­Raccoon Strategy ins Leben gerufen. Sie wollen zumindest für Amazon den voll-automatisierten Handelszugang schaffen.

Gruender von Raccoon Strategy Maximilian Kimmel und Adrian Jaroszynski

Maximilian Kimmel (li) ist der Software-Experte, Adrian Jaroszynski der Spezialist für Amazon. Sie arbeiten am vollautomatisierten Amazon-Zugang.

Unternehmen

Das Optimieren von Amazon Shops ist ein Fulltime-Job. Händler, die Hunderte Produkte auf dem Marktplatz einstellen und vermarkten, haben dafür eigens Abteilungen eingerichtet, um ihren Amazon-Verkauf zu organisieren. Gefragt sind Erfahrungen im Umgang mit Suchmaschinen und Algorithmen, daraus folgt das bewusste Setzen von Begriffen und Bildern.

"Amazon-Käufer wollen gesiezt werden"

"Amazon-Käufer wollen gesiezt werden", ist zum Beispiel eine Erfahrung, die Kimmel und Jaroszynski aus ihren Daten lesen. "Raccoon Strategy verfolgt ständig die Entwicklung im Amazon Shop, mit diesen Daten können wir Shop-Seiten täglich auf den neuesten Stand bringen und alle zwei bis drei Wochen rundum optimieren. Wird das nur einmal gemacht, recht das nicht mehr aus." Schließlich lernt auch Amazons Algorithmus dazu und optimiert die Wünsche des Systems nach Käufer- und anderen Daten.

Raccoon Strategy sucht auf Amazon nach potenziellen Kunden, das sind solche Händler, die ein großes Angebot und damit viel Optimierungsbedarf haben. Etwa 30 Händler haben die Münchner mit ihrem Angebot bereits überzeugt. Sie steuern inzwischen 40 ­verschiedene Amazon Accounts: "Bei Amazon musst du der Schnellste, Freundlichste und möglichst auch noch der Günstigste sein", erklärt Kimmel. "Wir managen die Accounts mithilfe von künstlicher Intelligenz, das spart mindestens 30 Prozent der manuellen Arbeit."

Unmengen von Daten

Dabei werden Daten aus dem Amazon-System, aber auch aus Social Media-Kanälen wie Facebook, Instagram oder WhatsApp sowie Suchmaschinen und den Produktkatalogen weiterer Online Shops berücksichtigt. "Wir setzen klassische E-Commerce-Daten ein, die Prognosen ermöglichen und aufzeigen, welche Beschreibungen oder Bilder besonders erfolgreich sind", sagt Kimmel. "Unsere Software signalisiert auch schon Tendenzen, zeigt an, wenn etwa Verkaufszahlen zurückgehen oder zu steigen beginnen."

Aus den Unmengen von Daten, die Raccoon Strategy sammelt, ermitteln Algorithmen Erfolg versprechende Ansichten und Texte rund um ein Produkt, aber auch die Verfügbarkeit der Ware oder Preise: Sie lassen sich tagesaktuell und in Echtzeit so angleichen, dass der Anbieter seine oberen Plätze im Ranking verteidigen kann.

Noch werden die meisten Optimierungs-Arbeiten, die Raccoon Strategy empfiehlt, von Menschen eingepflegt. Das Münchner Start-up beschäftigt damit zehn Mitarbeitende. Noch müssen auch die Händler ­die Optimierung ihrer Amazon Shops an Raccoon Strategy delegieren. Doch das Ziel ist, dass sie ihre Amazon Accounts mit Raccoon Strategy einmal automatisiert aussteuern und optimieren können. Derzeit müssen sie fürs Outsourcing einmalig ­etwa 3.000 Euro sowie Provi­sionen auf den monatlichen Nettohandelsumsatz bezahlen, in Zukunft dann aber nur noch die Lizenz zur Softwarenutzung und zum Eintritt auf die Raccoon Strategy-Plattform.

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