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kleiner Junge verkleidet

Die Digitalwelt in Zahlen FinTech und PropTech: Die neue Start-up-Welt

Zwar noch ausbaufähig, aber durchaus vorhanden: Gründergeist in Deutschland

shutterstock.com/sunny studio

Zwar noch ausbaufähig, aber durchaus vorhanden: Gründergeist in Deutschland

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Gefühlt täglich schießen neue Start-ups wie Pilze aus dem Boden. Viele von ihnen beschäftigen sich mit Geschäftsideen rund um die Bereiche FinTech und PropTech. Ein Überblick über die tech-affinen Jungunternehmen.

Wenn es um Start-ups geht, fallen inzwischen instinktiv die Begriffe HealthTech, FinTech oder PropTech. Ihre Gemeinsamkeit? Sie alle stehen für Entwicklungen, im Zuge derer klassische Geschäftsmodelle in die "neue" Digitalwelt verlagert werden. Dabei ist ein Wirtschaftszweig nach dem anderen fällig, von der Buch- und Musikbranche über den Reisemarkt bis hin zur Gesundheitsbranche (HealthTec).

Richtig "neu" sind die Begriffe alle nicht mehr, aber zunehmend in Gebrauch, da der Markt der jungen Unternehmen explosionsartig wächst.

FinTech

"FinTech" beispielsweise hatte 2015 seinen großen Höhepunkt. Die Kombination aus "Financial Services" und "Technology" steht für moderne Technologien im Bereich der Finanzdienstleistungen. Inzwischen aber wird die FinTech-Sparte recht weit gefasst und steht für alle Technologien rund um Finanzdienstleistungen. Also auch Start-ups aus den Bereichen Versicherungen (InsurTech), Finanzdatenanalyse und Vergleichsplattformen. Dazu gehört auch Mobile Banking, das immer selbstverständlicher für Bankkunden wird.

Grund dafür ist natürlich der Mobile Shift und damit einhergehend die wachsende Bekanntheit von Mobile Payment. Die Unternehmen setzen dabei primär auf Apps für moderne, alternative und digitale Finanzdienstleistungen. Die mobilen Anwendungen sind der Kern jeder FinTech-Lösung, über sie lassen sich nahezu alle Geldgeschäfte realisieren. Das Spektrum reicht von mobiler Kontenverwaltung über Kredite, das Spendenwesen, Anlagestrategien bis hin zu Crowdfunding.

Zahl der in Deutschland tätigen FinTech-Unternehmen im Jahr 2015 nach Geschäftsbereichen:

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Statista


Der Nachteil: Viele Geldinstitute sind auf die Veränderungen nicht eingestellt. Sie drohen - zusammen mit den Versicherungen - zum größten Opfer des FinTech-Booms zu werden, wenn diese nicht versuchen digitaler zu werden und beide Marktteilnehmer - sowohl FinTechs als auch die klassischen Anbieter- nicht lernen, zum Partner statt Konkurrenten zu werden.

Leicht wird es all den jungen FinTech-Anbietern aber nicht gemacht. Denn noch ist mobiles Bezahlen nicht einfach und so verbreitet wie gewünscht. Die meisten Unternehmen klammern sich oft zwanghaft an "klassische" Methoden bei der Anmeldung und Registrierung. Zudem machen - wie in nahezu allen Digitalbereichen - Apple und Google oftmals einen Strich durch die Rechnung. Für viele Experten droht auch bald schon wieder eine Marktbereinigung.

Aber: Europa ist bereit für einen Umbruch im Mobile-Payment-Bereich und auch wenn die Zahl der Investments in europäische FinTech-Firmen noch deutlich hinter denen in den USA liegt, sind die Chancen sehr gut. Voraussetzung ist allerdings, dass die europäischen FinTech-Unternehmen länderübergreifend kooperieren.

Interesse scheint auf jeden Fall da zu sein. Diese Statistik zeigt das Ergebnis einer aktuellen Statista-Umfrage in Deutschland zur zukünftigen Nutzung von FinTechs und Mobile Payment-Angeboten.

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Statista

Zum Zeitpunkt der Erhebung stimmten etwa 22 Prozent der über 1.000 Befragten zwischen 18 und 29 Jahren der Aussage "Ich kann mir sehr gut vorstellen, in fünf Jahren meine Finanzen überwiegend nicht mehr über meine Bank abzuwickeln, sondern über FinTech-Anbietern wie Paypal" zu.

PropTech

Und dann plötzlich gab es auch noch das Schlagwort PropTech, zusammengesetzt aus den Begriffen "Property" und "Technology". Auch hier steckt mehr dahinter als ein amerikanisches Buzzword. Es umfasst alle Bereiche rund um Immobilien und Technologie. Mehr als 100 Unternehmen der PropTech-Branche sind laut Immobilienmanager.de in Deutschland aktiv.

Sie stehen für die Zukunft der Immobilienbranche und behandeln alles rund um den Kauf, Verkauf, die Vermietung und Bewirtschaftung von Immobilien, und das alles über neu geschaffene Web-Plattformen und Apps. Beispiele sind Realbest aus Berlin, Mietercasting.de, Brick Vest oder Maklaro.

Auch Themen wie Darlehens- und Hypotheken-Management fällt in diese Kategorie - und: Zu PropTech zählen auch Einsatzgebiete wie Drohnen, Virtual-Reality-Anwendungen und Smart-Home-Technologien. 

Wie so oft, ist das Thema in den USA und in Großbritannien schon weiter. Bereits 2014 wurden weltweit 1,4 Milliarden US-Dollar in PropTech Start-ups investiert, mit 940 Millionen US-Dollar entfiel der Löwenanteil auf die Vereinigten Staaten. Es folgten Indien, China und Europa. Hier war Großbritannien für rund 3/4 der gesamten Investitionssumme verantwortlich.

Aber auch Deutschland hat etwas vorzuweisen. Im Juni etwa bekam McMakle 8,5 Millionen Euro von Frog Capital, Piton Capital, Mutschler Ventures und Cavalry Ventures. Das Geld soll in den Ausbau des bundesweiten Immobilienverkaufs, der derzeit rund 20 Prozent des McMakler-Geschäftes ausmacht, fließen.

Ganz zuletzt bleibt dann noch die Frage offen, wo in Deutschland es denn die meisten Start-ups gibt. Ist es wirklich Berlin, wie so oft behauptet? Zumindest was FinTechs angeht, scheint das zu stimmen. Laut LSP gab es zum Zeitpunkt der Erhebung 139 FinTech-Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland, 49 davon waren in der Hauptstadt beheimatet.

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Statista

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