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Jan Hendrik Ansink

Aus vertragslotse wird volders "Einen digitalen Vertragsordner gibt es noch nicht"

Jan Hendrik Ansink, Gründer und CEO von volders

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Jan Hendrik Ansink, Gründer und CEO von volders

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Seit volders - ehemals vertragslotse - den Preis "Start-up mit Zukunft" auf der Internet World Messe gewonnen hat, hat sich bei dem Jungunternehmen viel getan. CEO Jan Hendrik Ansink erklärt den neuen Kurs.

Mobilfunkverträge, KfZ-Versicherung, Hausrat-Versicherung, Internet-Anschlüsse und Co: Die Liste der einzelnen Verträge, die jeder Verbraucher im Laufe der Jahre unweigerlich ansammelt, ist lang und die Gefahr den Überblick zu verlieren groß. Und wer vergleicht schon regelmäßig seine Verträge mit anderen Angeboten am Markt? Hier kommt das Start-up volders ins Spiel. 

Nach dem Award-Gewinn "Start-up mit Zukunft 2015" im März dieses Jahres auf der Internet World Messe hat sich bei volders (damals noch vertragslotse) einiges getan. Was es alles an Neuigkeiten gibt, erzählt Gründer und CEO Jan Hendrik Ansink.

Was für einen Service bietet volders und was gibt es für Neuerungen?
Jan Hendrik Ansink: Zunächst sind wir mit unserem Prototyp, der Kündigungen anbietet, gestartet. In den letzten Monaten haben wir daran gearbeitet, an unser eigentliches Ziel heranzukommen. Das sieht so aus, dass wir unseren Kunden einen digitalen Ordner für ihre Verträge zur Verfügung stellen können. Deshalb auch das "Re-Branding" zu volders.

Das Wort setzt sich zusammen aus "virtual" und "folders". Mit volders soll der alte physische Vertragsorder, der zu Hause im Regal steht, obsolet werden. Mit unserem Service haben unsere Kunden immer Zugriff auf ihre laufenden Verträge und können sich jederzeit einen Überblick zum Status verschaffen.
 
Was unterscheidet Sie von Ihren Mitbewerbern am Markt?
Ansink: Wie bei vielen anderen Mitbewerbern, geht es bei uns nicht nur darum, Verträge für unsere Kunden zu kündigen, sondern alle Laufzeitverträge oder Mitgliedschaften entlang des Vertragszyklus zu verwalten. Einen digitalen Vertragsordner, so wie wir ihn bieten, gibt es derzeit am Markt noch nicht. Dementsprechend differenzieren wir uns in puncto Produkt wie auch Leistungsspektrum, das wir den Kunden anbieten.
 
Warum der neue Name volders? Inwieweit hat der Konflikt mit Aboalarm um die Domain vertragslotse.de etwas damit zu tun?
Ansink: Der war hierfür nicht ausschlaggebend. Zudem haben wir den Konflikt mit Aboalarm beigelegt. Dennoch schaffen wir mit dem Namenswechsel einmal mehr Klarheit, da sicher der ein oder andere bezüglich der Domain vertragslotse.de verwirrt war.

Wir sind mit dem Namen "vertragslotse" gestartet und waren sehr überrascht, dass der Name sowie auch unser Nautik-Thema auf so große Beliebtheit gestoßen sind. Nach weiteren Analysen haben wir aber festgestellt, dass uns dieser Name in unterschiedlicher Hinsicht beschränkt. Zum einen weil er deutsch ist, zum anderen weil er für die neue Zielkundenansprache zu experimentell und verspielt daher kam.
 
Was hat sich mit dem Relaunch am Design verändert und warum?
Ansink: Wir haben mit dem Relaunch den kompletten Look sowohl konzeptionell als auch gestalterisch verändert. Anfänglich haben wir uns das nautische Thema ausgedacht, weil wir das doch eher trockene und angestaubte Vertragsthema etwas auflockern wollten. Nun ist es aber so, dass Verträge zu vergleichen oder neu anzubieten eine ernste und seriöse Angelegenheit sein muss. Deshalb wollen wir auch nach außen Professionalität und Ernsthaftigkeit mit unserem Auftritt ausstrahlen.

Aus diesem Grund sind die spielerischen Elemente verschwunden und insgesamt mutet alles eleganter und sachlicher an. Des Weiteren gibt es für eine bessere Navigation bunte Icons für jede Vertrags-Kategorie, um dem User eine bessere User-Experience zu bieten.
 
Welche Möglichkeiten bringt die App für iOS mit sich?
Ansink: Zunächst muss ich sagen, dass unsere Website responsive ist und man mit jedem mobilem Gerät auf unsere Seite gelangen kann. Dennoch war es für uns wichtig eine App zu entwickeln, weil die Verbraucher heute meist zunächst mobil surfen und erst dann per Desktop. Die iOS-App bietet den gleichen Funktionsumfang, wie die Website. Und wir rüsten, zunächst im Browser, dann aber auch in der App die Angebote nach.

Mit Marketing-Kanälen experimentieren

Welche Marketing-Maßnahmen nutzen Sie hauptsächlich, um volders zu bewerben?

Ansink: Bisher haben wir sehr viel Online-Marketing über Suchmaschinen betrieben. Wir haben auch für jeden unserer Anbieter eine eigene Landing-Page gebaut. Wenn ein Kunde in die Suche zum Beispiel "Mc Fit Kündigung" eingibt, dann ranken wir schon ziemlich weit vorne. Zudem bauen wir unser neues Image durch crossmediale Kommunikation und Content-Marketing auf und transportieren dadurch glaubwürdig unser Markenversprechen. Da wir nun einen konkreteren Zielgruppenfokus haben, probieren wir künftig weitere Kanäle aus, um ganz neue Impulse für die digitale Vertragsverwaltung zu setzen, dazu gehören zum Beispiel Spot-Formate bei Youtube.
 
Wie definieren Sie nun Ihre Zielgruppe?
Ansink: Definitiv Personen, die einen eigenen Haushalt führen. Denn diese Personen verfügen über eine größere Anzahl an Verträgen. Das geht ab etwa 25 Jahren los. Die zweite starke Zielgruppe für uns ist zwischen 32 und 45 Jahren. In der Regel sind es Männer, die fest im Berufsleben stehen und wenig Freizeit haben. Unser Dienst bietet ihnen Überblick, Kontrolle und Zeitersparnis. In älteren Zielgruppen nahm bisher das Interesse am Dienst etwas ab, vermutlich da das technische Verständnis dann immer geringer wird.
 
Welche Auswirkungen hatte der Preis "Start-up mit Zukunft 2015" der Internet World für Sie?
Ansink: Eine unmittelbare Auswirkung war, dass wir mehr Kunden gewonnen haben. Sehr spannend war auch, dass ich immer wieder sowohl von Investoren als auch von anderen Journalisten auf den Preis angesprochen wurde. Der Award wurde als Auszeichnung überall sehr ernst genommen und geschätzt.
 
Wie finanziert sich derzeit Ihr Start-up? Schreiben Sie bereits schwarze Zahlen?
Ansink: Wir machen heute unseren Umsatz mit Kündigungen, die per Brief oder Einschreiben getätigt werden und erhalten Provisionen, wenn wir alternative Verträge vermittelt haben. Das trägt noch nicht den Betrieb, aber funktioniert sehr gut. Bei unserer großen Vision, der digitale Vertragsordner für die Hosentasche zu werden, glauben Investoren an uns. Hierzu zählen unter anderem die KfW und Mountain Partners. Schwarze Zahlen schreiben wir allerdings noch nicht.

Was steht bei volders 2016 an?
Ansink: Für 2016 ist auf jeden Fall eine Android App geplant. Höchstwahrscheinlich werden wir auch mit einer Tablet-Version experimentieren. Das wird allerdings davon abhängen, wie unsere Apps am Markt performen. Ganz klar möchten wir, jetzt wo unsere Software umfangreicher ist, mehr Wege ausprobieren, unsere Zielgruppe anzusprechen und zu erreichen. 2016 wollen wir zudem über die Integration von Angeboten in unseren Dienst als zusätzliche Services nachdenken.

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