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Carsten Rudolph BayStartup

Förderung von Gründern Bayernoffensive für Start-ups

Carsten Rudolph, Geschäftsführer BayStartup

Carsten Rudolph, Geschäftsführer BayStartup

Der Zusammenschluss der beiden Fördergesellschaften Evobis und Netzwerk Nordbayern soll Bayern als Gründungsregion pushen und einen Gegenpol zur Gründermetropole Berlin schaffen.

Beratung, Seminare, Coaching, Kontakte zu Business Angels und potenziellen Investoren und vor allem die bekannten Businessplan-Wettbewerbe: Die Angebote, die das Netzwerk Nordbayern und Evobis für Gründer in Bayern entwickelten, ähnelten sich; und teils wurden sie schon in den vergangenen Jahren überregional besucht oder genutzt. Deshalb haben die beiden Organisationen Anfang des Jahres ihre Kräfte gebündelt und treten nun als BayStartup gemeinsam auf.

Geschäftsführer Carsten Rudolph erklärt im Interview mit INTERNET WORLD die Vorteile des Zusammenschluss: "Wir machen Gründer schrittweise mit der Planung eines Unternehmens vertraut", sagt der promovierte Kaufmann. Rudolph startete seine Karriere bei der Beratung McKinsey, ist seit 1999, seit der Initiierung der Businessplan-Wettbewerbe in der Start-up-Szene involviert, hat selbst gegründet und betreute bis 2010 die Gründerinitiative von Microsoft

Die bayerischen Start-up-Initiativen Netzwerk Nordbayern und Evobis haben sich zu BayStartup zusammengetan - warum?
Carsten Rudolph: Wir haben die Aktivitäten von zwei Organisationen, die Gründer Nord- und Südbayern unterstützt haben, zusammengelegt, um junge Unternehmen besser und effizienter zu fördern. So ergeben sich für Start-ups neue Möglichkeiten, in ganz Bayern erste Investoren zu finden. Außerdem können wir das Angebot von Workshops, Seminaren, Beratung und Coachings konzentrieren sowie die Businessplan-Wettbewerbe ausbauen.

Wo ist BayStartup jetzt aktiv - in München oder in Nürnberg?
Rudolph: In den beiden großen Städten haben wir Büros, viele unserer Veranstaltungen finden dort statt. Daneben ist BayStartup flächendeckend aktiv und beispielsweise auch in den Gründerzentren von Augsburg, Regensburg oder Würzburg präsent.

Wie finanziert sich BayStartup?
Rudolph: Wir sind eine privatwirtschaftliche Gesellschaft, getragen von zwei Fördervereinen, privaten Sponsoren und dem bayerischen Wirtschaftsministerium. BayStartup beschäftigt 15 Mitarbeiter, organisiert die Businessplan-Wettbewerbe, das Bayerischen Business Angels- und Finanzierungsnetzwerk sowie die dazu gehörigen Veranstaltungen. Außer den Preisgeldern der Businessplan-Wettbewerben vergeben wir kein Geld, sondern vermitteln Gründer an Business Angels und Investoren, sowie an Unternehmen und Organisationen, die eine Geschäftsidee voran bringen können und die erste Finanzierung stemmen.

Auf welche Unternehmen und Branchen konzentriert sich BayStartup?
Rudolph: Nicht auf bestimmte Branchen, wir sprechen ambitionierte, wachstumsorientierte Gründer und Start-ups an, die für den Ausbau ihrer Geschäfte großen Finanzbedarf haben. Diese finden sich vor allem in den Bereichen Biotech, Maschinenbau, Elektrotechnik sowie in der Informationstechnologie und im Internet-Umfeld. Durch die Businessplan-Wettbewerbe kommen wir in Kontakt mit rund 400 Start-ups pro Jahr, weitere 200 junge Unternehmen nehmen an verschiedenen anderen Angeboten teil. Erfahrungsgemäß sind über die Hälfte dieser Unternehmen im Bereich IT und Internet aktiv, 10 Prozent gründen in der Biotechnologie und Medizintechnik, weitere 15 Prozent in den klassischen Sparten Elektrotechnik oder Maschinenbau.

Was bietet BayStartup den Gründern?
Rudolph: Ein Schwerpunkt unserer Aktivitäten liegt auf dem Bereich Planung. Die Businessplan-Wettbewerbe laufen in mehreren Stufen, in begleitenden Seminaren, Coachings und durch das Feedback von Experten machen wir Gründer schrittweise mit der Planung eines Unternehmens vertraut. Wir vermitteln dabei, wie Kosten, Mitarbeiterbedarf und Anderes auf eine längere Sicht hin zu berechnen sind und wie die Umsetzung strategisch geplant werden kann. Businesspläne, die mit unserer Hilfe entstehen, werden meist mit der Absicht geschrieben, eine Finanzierung zu erhalten. Dazu pflegen wir ein Netzwerk aus etwa 100 institutionellen Investoren und 200 Business Angels. Von den rund 600 Unternehmen, die wir im Jahr sehen, begleiten wir etwa 200 enger, von diesen haben im vergangenen Jahr 41 eine Finanzierung erhalten, dabei sind insgesamt rund 25 Millionen Euro geflossen.

Finden Gründer in Bayern ausreichend Kapital?
Rudolph: Die Finanzierungslage sieht gut aus, wenn Gründer es schaffen, sich von ihren Konkurrenten abzuheben und zu differenzieren. Im E-Commerce ist das inzwischen etwas mühseliger geworden, hier nimmt die Zahl der Nischen weiter ab. Trotzdem finden sich gerade für Online-Ideen schnell Investoren, weil der Kapitalbedarf hier nicht so hoch ist. Wie in anderen Bundesländern sehen wir allerdings auch in Bayern, dass junge Unternehmen nach der Gründungs- und Aufbauphase deutlich schwerer Geld finden. Finanzierungen im höheren Millionenbereich nehmen zwar in Deutschland gerade etwas zu, lassen sich aber immer noch viel zu schwer realisieren.

Kopf-an-Kopf-Rennen

Berlin hat sich als Gründerregion etabliert, die Stadt zieht auch aus dem Ausland Gründer und Investoren an, jüngsten Analysen zufolge fließen 55 Prozent der Finanzierungen nach Berlin. Scheint so, als fiele Bayern dagegen ganz schön ab.
Rudolph: Die beiden Regionen liefern sich seit einigen Jahren ein Kopf-an-Kopf-Rennen in Sachen Finanzierung. Dabei zieht Berlin eher Start-ups an, die sich an Verbraucher wenden und daher sehr stark im öffentlichen Fokus stehen müssen, in Bayern dagegen entstehen neue Technologien und Geschäfte für Unternehmen und B2B, die Öffentlichkeit nicht in dem Maße brauchen. Die bayerische Gründerszene hat sich bereits seit Ende der 1990er Jahre entwickelt, während Berlin erst in den letzten Jahren sehr stark aufgedreht hat. Deshalb hat sich Gründerszene in Bayern über viele Industriesparten hinweg, während sie sich in Berlin weitgehend auf Internet-Technologien und Online-Dienstleistungen beschränkt.

Wenn es um E-Commerce und Online-Marketing geht - wo legen Gründer hier gerade Schwerpunkte?
Rudolph: Dieser Bereich verändert sich so schnell. 2014 war das große Thema Lebensmittel, es ging ums Liefern, online Verkaufen, Kochen. Der Markt ist heute in Bayern gut besetzt. Zurzeit kann ich keine bestimmten Trends ausmachen, neue Ideen für Payment oder private Finanzgeschäfte machen von sich reden, aber auch Ideen und Technologien, die Werbung und Verkauf ins mobil genutzte Internet bringen. Generell haben Unternehmen große Chancen, die sich eine Nische suchen und sich dort festsetzen und etablieren. Generell sollten sich Gründer überlegen, wie sie Dinge und Strukturen, mit denen sie sich gut auskennen, im Sinne der Kunden signifikant  verbessern können.

Dass auch in Bayern bekannte Start-ups agieren, zeigen Westwing oder Windeln.de, die beide zurzeit einen Börsengang planen.

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