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Virtuelle Präsentation

Wie VW die ausgefallene Nutzfahrzeug-IAA im Computer nachholt

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Eigentlich hätte Ende September in Hannover die Nutzfahrzeug-IAA stattfinden sollen - mit dem neuen VW Caddy als Messe-Star. Doch Corona zwang zur Absage. Jetzt hat VW das Messeerlebnis virtuell nachgebaut. Kann das funktionieren? Eine Design-Kritik.

Messebauer lieben Autobauer. Die Messestände von VW, BMW und Co. gehören zu den größten, aufwendigsten und teuersten Projekten, die es auf Ausstellungen zu realisieren gilt. Für Messebauer, wir wissen es alle, war 2020 ein rabenschwarzes Jahr - aber auch für die Hersteller, die sich und ihre neuen Produkte so gern vor einem begeisterten Publikum in großen Hallen präsentiert hätten.

So auch VW. Der niedersächsische Autobauer ist auf der Nutzfahrzeug-IAA, die jeden Herbst in Hannover stattfindet, einer der wichtigsten Aussteller. Allein die leichten VW-Nutzfahrzeuge, also vom Caddy bis zum Crafter, füllen auf dem Hannoveraner Messegelände eine ganze Halle. Von wegen Blaumann und Zollstock - in Sachen Glamour stehen die Nutzfahrzeuge der Wolfsburger hinter den Personenwagen kaum zurück.

Die Nutzfahrzeug-IAA wurde 2020 abgesagt, die Halle blieb leer, das Budget für den Messeauftritt in der Marketing-Kasse. Was damit stattdessen geschah, ist jetzt im Netz zu besichtigen, der virtuelle Messestand.

Er verleiht dem Begriff "Skeuomorphismus" eine völlig neue Dimension. Hinter dem schwer auszusprechenden Wort verbirgt sich ein Design-Prinzip, das das Vorhandensein von Materialien simuliert, obwohl diese für die Funktion nicht erforderlich sind. Eine Radio-App auf einem iPhone zum Beispiel, deren Benutzeroberfläche ein Röhrenradio aus den 1950er Jahren simuliert, ist ein typischer Fall für Skeuomorphismus.

Navigation wie bei Google Street View

Auch die virtuelle Autoausstellung von VW Nutzfahrzeuge folgt diesem Prinzip. Sie simuliert eine echte Messehalle, die man durchwandern kann und in der die Exponate stehen. Sogar die dezente Fahrstuhlmusik im Hintergrund haben die Webdesigner nicht vergessen. Bevor der Besucher in die Halle kommt, wird ihm ein dreidimensional gezeichneter Grundriss gezeigt, auf dem verschiedene Punkte für den Einstieg vorgegeben sind. Das ist einfach zu begreifen, und sobald man in der "Halle" ist, wird der Spieltrieb angespornt. Ähnlich wie bei Google Street View kann man sich per Mauswisch umsehen, Markierungen am Boden erlauben es, weiterzuwandern.

Dahinter steckt ein ziemlicher Aufwand: Alle abgebildeten Fahrzeuge wurden innen wie außen komplett fotorealistisch 3D-gerendert. Auf vielen Autos prangt auf einer Tür ein Logo, das per Mausklick zum Einsteigen einlädt. Klickt man stattdessen auf das Info-Logo, schiebt sich von rechts ein Menü mit Zusatzinformationen zum ausgestellten Fahrzeug ins Bild. Dort finden sich, je nach Modell, Fotos, Videos, technische Daten, eine 360-Grad-Ansicht sowie Buttons, die zur Kontaktaufnahme oder zum Vereinbaren einer Probefahrt einladen.

Der erste Eindruck trügt

Das ist alles sehr sauber gemacht und funktioniert sogar auf einem betagten iPhone 6 in akzeptabler Performance. Dennoch bleibt der Betrachter etwas ratlos zurück. Denn, so sehr sich die Macher auch bemüht haben, den Besuch einer echten Messe kann der virtuelle Auftritt nicht ersetzen. Doch er erweckt zunächst den Eindruck als sei dies sein Anspruch - an dem er natürlich scheitern muss.

Dazu kommen Kleinigkeiten: Vom Messestar, dem neuen VW Caddy, hat VW extra eine wunderbare 360-Grad-Ansicht erstellt. In der Halle steht das Auto auf einem Drehteller - aber es lässt sich nicht drehen. Um das zu tun, muss man ins Info-Menü. Man hätte, nicht unwichtig bei Nutzfahrzeugen - die Abmessungen in die Laderäume und auf die Pritschen montieren können. Und wenn man den Besucher schon in einem Kastenwagen einsteigen lässt, dann wäre nicht nur ein Blick in den Fahrgastraum interessant, sondern in den Laderaum. 

Dies alles klingt jetzt zunächst einmal nach Nörgeln auf hohem Niveau. Wer von der VW-Messehalle eine quasi stufenlose VR-Welt wie in einem Ego-Shooter-Spiel erwartet, erwartet zu viel. Die Frage, die mich allerdings beschleicht: Wozu eine echte Messehalle nachahmen, wenn man im Browser doch andere Möglichkeiten hätte, ein Auto zu präsentieren?

Vielleicht ist die Antwort ganz einfach: Weil VW 2021 in Hannover wieder in einer echten Halle stehen möchte.

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