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Digitaler PoS 17.10.2022
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Warenhauskonzern in Not Neue Staatshilfen für Galeria? So reagieren Branchen-Beobachter

Shutterstock/MDart10
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Zum dritten Mal innerhalb von etwa zwei Jahren droht dem Warenhaus Galeria Karstadt Kaufhof das finanzielle Aus. Den Bankrott will der Konzern ein weiteres Mal durch staatliche Hilfen abwenden. Viele Beobachter lehnen dies ab - doch es gibt auch Fürsprecher.

Der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof ist seit langer Zeit finanziell angeschlagen. Die Verluste aus der Corona-Pandemie, steigende Energiepreise und die derzeitige Konsumflaute haben sich zu einer existenzbedrohenden Krise für das Unternehmen entwickelt. Nun beantragt Galeria zum dritten Mal innerhalb von etwa zwei Jahren finanzielle Hilfe vom Staat. Anfang des vorangegangenen Jahres und auch in diesem Jahr hatte der Konzern durch den Wirtschaftsstabilisierungsfonds, kurz WSF, insgesamt 680 Millionen Euro Hilfsgelder erhalten.

Vor kurzem hat der Konzernchef Miguel Müllenbach die Mitarbeitenden darüber informiert, dass sich das Unternehmen aufgrund des Ukraine-Krieges und der hohen Inflation "erneut in bedrohlicher Lage" befinde, wie es aus einer Meldung von der dpa heißt. "Wir werden unseren Weg nur erfolgreich fortsetzen können, wenn es uns gelingt, die Finanzierung von Galeria neu zu strukturieren und dem Unternehmen neues, frisches Kapital zuzuführen. Daran arbeiten wir gegenwärtig mit Hochdruck", schrieb Müllenbach.

Kritiker der Konzernrettung in der Überzahl

Kritiker bezweifeln indes die generellen Zukunftsaussichten des Geschäftsmodells "Warenhaus"- und weisen dem Eigentümer René Benko die Verantwortlichkeit zu, finanzielle Schieflagen des Unternehmens zu beheben.

Der Handelsforscher Gerrit Heinemann erklärte gegenüber "Bild": "Staatshilfen für Galeria Kaufhof sind weggeworfenes Geld. Schon seit Jahrzehnten ist klar: Das Konzept Warenhaus funktioniert nicht mehr und hat keine Zukunft." Auch Volker Votsmeier vom Handelsblatt sieht das ähnlich. Er schreibt auf Twitter:

Frank Helmenstein, Bürgermeister der rheinischen Stadt Gummersbach, stimmt dem zu:

Auch Wirtschaftsexperte Prof. Dr. Guido Quelle von der Management-Beratung Mandat sagt dem Konzept des Kaufhauses an sich das Ende voraus. Sarkastisch merkt er in einem Twitter-Tweet an:

"Es spricht wenig dafür, dass Galeria auch diesmal mit dem Ruf nach Staatshilfe Erfolg haben wird", wird der Handelsexperte Jörg Funder von der Hochschule Worms in einem Online-Artikel der Zeitung "Die Zeit" zitiert.

Am 11. Oktober meldete sich die Gewerkschaft Verdi indes mit folgendem Tweet zu Wort:

Das Kaufhaus als Symbol für die Innenstädte

Es gibt jedoch auch Unterstützer für die Rettung von Galeria Karstadt Kaufhof. Laut dpa betonte Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), dass Kaufhäuser nach wie vor ein zentraler Frequenzbringer in den Innenstädten seien. Nach dpa-Angaben erklärte der Verband: "Unternehmen mit einer so großen Bedeutung für alle umliegenden Geschäfte, Gastronomiebetriebe, Einrichtungen und die gesamte Stadtgemeinschaft sind für unsere Innenstädte wichtig."

Auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) steht weiteren Staatshilfen für den Konzern offen gegenüber, denn Kaufhäuser hätten in vielen Innenstädten "Ankerfunktion" und seien wichtig für das innerstädtische Leben, sagte der Beigeordnete für Stadtentwicklung und Umwelt des DStGB, Bernd Düsterdiek. Die erneute finanzielle Unterstützung von Galeria sollte seiner Ansicht nach jedoch an die Bedingung geknüpft sein, dass der Konzern ein zukunftsfähiges Geschäftskonzept vorlege.

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