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Shutterstock/Poring Studio
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Digitaler Handel
30.03.2022
Panel-Diskussion

Krieg in der Ukraine - Worauf sich Online-Händler jetzt einstellen müssen

Die Corona-Pandemie ist noch nicht ausgestanden, da rollt schon die nächste Krise auf den deutschen Handel zu: Der Ukraine-Krieg hat bereits jetzt schmerzhafte Auswirkungen für Retailer, auch im E-Commerce.

Der Konsumklimaindex befindet sich im freien Fall, die Rohstoffpreise explorieren, die Inflation drückt und die Wachstumsprognosen aus dem Vorjahr sind das Papier nicht mehr wert, auf das sie gedruckt wurden - allein schon, weil auch Papier gerade täglich teurer wird. Die Schatten des Ukraine-Kriegs haben die deutsche Wirtschaft längst erreicht - und auch der durch den Corona-Boom erfolgsverwöhnte E-Commerce bekommt seine Auswirkungen zu spüren, meinen E-Commerce-Berater Oliver Lucas, bevh-Geschäftsführer Martin Groß-Albenhausen und HDE-Geschäftsführer Stephan Tromp in unserer Diskussionsrunde.

Dabei sind nicht nur die gestiegenen Benzinpreise und die Teuerung beim Verpackungsmaterial ein Problem. "Rund 20 Prozent der Fahrer von Speditionsdienstleistern kommt aus Russland und der Ukraine - die sind natürlich jetzt kaum verfügbar", so Oliver Lucas von der E-Commerce-Beratung ecom consulting. "Das führt zu einer weiteren Verschärfung der Lieferproblematik. Auch nicht vernachlässigbar: Die Ukraine ist einer der europaweit größten Hersteller von Paletten. Da kann man auf jeden Fall mit steigenden Preisen rechnen." Insgesamt könnten die Logistikkosten gegenüber "Vorkrisenniveau" in diesem Jahr um 20 bis 30 Prozent steigen, meint Lucas - und werfe sämtliche Kosten- und Gewinnmargen-Kalkulationen über den Haufen. Vor allem Geschäftsmodelle, die auf Aktionsware basieren, seien in Gefahr, fügt Stephan Tromp, Hauptgeschäftsführer des HDE hinzu. Liefertermine seien kaum kalkulierbar und die engen Margen erlaubten kaum Kostensteigerungen. 

Wege aus der Krise

Um dieser neuen Krise zu begegnen, müssten Händler, wie schon im ersten Corona-Jahr, vor allem ihre eigenen Zahlen ins Visier nehmen, so die Diskussionsrunde: Kosten erfassen, Sortimente bereinigen, Prozessketten verschlanken. Und über Alternativen nachdenken, vor allem in der Lieferung. "Wir müssen weg von den 1-Produkt-Paketen, die werden sich nicht mehr lohnen", sagt Martin Groß-Albenhausen, Hauptgeschäftsführer des bevh. "Und wir müssen den etablierten Standard des kostenlosen Versands und Rückversands kritisch hinterfragen. Dafür ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um auch die Verbraucher mitzunehmen."

Pakethubs oder Sammellieferungen könnten ebenso zur Problemlösung beitragen wie Click & Collect-Modelle. Dafür könnte man die Kunden mit klaren finanziellen Anreizen gegenüber der Einzellieferung bis zur Haustür belohnen. Denn auch die Verbraucher werden im neuen Krisenjahr sehr genau hinschauen, wofür sie ihr Geld ausgeben. 

Die ganze Diskussion zum Thema "Auswirkungen der Ukraine-Krise auf den deutschen E-Commerce" gibt es im Video für plus-Abonnenten.

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