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Frau mit Einkaufstüten

H&M, Zalando und Co Modebranche: Der Kampf mit Hitze und Online-Konkurrenz

Fotolia.com/apops
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Der lange und heiße Sommer hat der Fashion-Branche zu schaffen gemacht. Zudem sorgen Sanierungspläne und die Ausrichtung auf den Online-Handel für hohe Kosten. Einige Händler haben daher für 2018 Umsatzrückgänge prognostiziert.

Sanierungspläne und die Ausrichtung auf den Online-Handel treiben die Modebranche um. Der lange Sommer mit warmen Temperaturen hat zudem die Kauflaune der Kunden getrübt. Viele Einzelhändler legten daraufhin enttäuschende Zahlen vor und prognostizierten für das Jahr Umsatzrückgänge, so auch die Modeketten Gerry Weber und Tom Tailor. Im Gegensatz dazu konnte H&M im Sommer etwas zulegen. Die wichtigsten Punkte für die Unternehmen, was die Experten sagen und wie es für die Aktien läuft:

Abgesehen von einem heißen Sommer haben viele Modefirmen auch an strukturellen Problemen zu knabbern. Besonders hart trifft es Gerry Weber. Der Modekonzern hat nun ein Sanierungsgutachten in Auftrag gegeben, was die Aktionäre in Panik versetzte. Die Aktie verlor zu Wochenbeginn mehr als ein Viertel ihres Wertes.

Der auf ältere, vor allem weibliche Kunden spezialisierte Konzern hatte zu viele Läden in der Fläche eröffnet, die dann reihenweise wieder geschlossen werden mussten. Jetzt soll der Umbau schneller vorangehen - der Modehändler will moderner werden. Doch das geht ins Geld. Im dritten Quartal setzte das Unternehmen erheblich weniger um und verdoppelte seine Verluste. Der Umsatz sank bis 31. Juli um 11,4 Prozent auf gut 170 Millionen Euro.

Wie auch Tom Tailor oder selbst H&M hat der Modehändler mit der Online-Konkurrenz von Zalando und Co. zu kämpfen. Im Internet müssen die Unternehmen noch aufholen, dabei kommen Konzernumbau und digitale Neuausrichtung oftmals nicht schnell genug voran.

Hohe Kosten für Konzernumbau

Bei der Hamburger Modekette Tom Tailor schwächelt insbesondere die Marke Bonita, die aktuell auf dem Prüfstand steht, wie das Unternehmen bei Veröffentlichung der Gewinnwarnung vergangene Woche mitteilte. Vergangenes Jahr sah es noch so aus, als hätte der Konzern die Wende nach einem überzogenen Expansionskurs geschafft. Nach rund 70 Millionen Euro Verlust im Vorjahr schloss Tom Tailor 2017 wieder mit Gewinn ab, auch die Nettoverschuldung ging zurück. Doch der laufende Konzernumbau schlägt härter zu Buche als gedacht. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) ging in den ersten sechs Monaten um mehr als ein Drittel zurück. Für das laufende Jahr wird jetzt ein Umsatzrückgang erwartet.

Der schwedische Modekonzern Hennes & Mauritz (H&M) muss im Online-Handel ebenfalls aufholen. Denn allein mit günstigen Preisen kann das Unternehmen nicht gegen Konkurrenten wie die Billigkette Primark des britischen Konzerns AB Foods ankommen. Über den Sommer konnten die Schweden ihre Kunden jedoch mit Rabatten locken. Wie geplant konnte der Konzern somit seine Lager etwas leeren. Vor der Vorlage des ausführlichen Berichts zur Umsatzentwicklung am 27. September dämpfte H&M aber schon die Erwartungen. Der Aufbau neuer Lieferketten in einigen wichtigen Märkten wie Frankreich, Italien, Belgien oder den USA werde teuer.

Tom Tailor und H&M haben Aufholpotenzial

Analysten bewerten die Firmen sehr unterschiedlich. Während Gerry Weber am schlechtesten abschneidet, sehen die Experten bei Tom Tailor und H&M Aufholpotenzial. "Alle befinden sich gerade in einer Restrukturierungsphase", sagte Analyst Christian Salis von der Privatbank Hauck & Aufhäuser zu dpa-AFX. "Im dritten Quartal war das Wetter zudem ein großes Problem, weil sich der Verkauf der Herbst- und Wintermode wegen des heißen Septembers auf Oktober verlegt." Vor allem bei Tom Tailor sei das der Hauptgrund für die Umsatzverluste.

Bei Gerry Weber raten acht von zehn von Bloomberg erfasste Analysten zum Verkaufen und zwei zum Halten der Aktie. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 4,16 Euro. "Wir sehen größere Probleme mit der Markenpositionierung, hauptsächlich aufgrund der Fokussierung auf eine ältere Käuferschicht, die jedoch immer mehr online und bei Fast-Fashion Playern wie H&M und Inditex einkauft", sagte Analyst Salis.

Restrukturierungsvorschlag für Gerry Weber

Das Analysehaus Kepler Cheuvreux macht aus der Not eine Tugend: Durch ein Sanierungsgutachten erhalte Gerry Weber einen Restrukturierungsvorschlag für die kommenden Jahre, der für die Refinanzierungsverhandlungen mit den Banken wichtig sei, sagte Analyst Jürgen Kolb.

Optimistischer sind die Experten bei Tom Tailor. Von acht Analysten bei Bloomberg raten fünf zum Kaufen und drei zum Halten der Aktie. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 9,65 Euro. Die Commerzbank hat Tom Tailor nach einer Gewinnwarnung von "Buy" auf "Hold" abgestuft und das Kursziel von 10,70 auf 4,50 Euro deutlich gesenkt. Mit den reduzierten Zielen von Tom Tailor dürften höhere Kosten verbunden sein, damit das Modeunternehmen wieder wachse, schrieb Analystin Sabrina Taneja. Das gelte vor allem für die Filialkette Bonita.

Bei H&M überwiegen die Verkaufsempfehlungen. Fast die Hälfte der 33 Analysten rät dazu, nur zwei sprechen sich für den Kauf der Aktien aus. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 11,24 Euro. Fredrik Ivarsson vom Analysehaus Kepler Cheuvreux bestätigte seine Kaufempfehlung. Er bewertet das Wachstumstempo im dritten Quartal positiv und geht auch im vierten von einer steigenden Profitabilität aus.

Die Aktien der Modehändler

Für Gerry Weber ging es am Montag nach Beauftragung des Sanierungsgutachtens auf den tiefsten Stand seit 15 Jahren nach unten. Das Papier kostete nur noch rund 3 Euro. Im März musste der Konzern den SDax verlassen und ist damit in keinem wichtigen Index mehr enthalten. Das Modehaus kämpft mit der Abwärtsspirale.

Ähnlich hart traf es in diesem Jahr Tom Tailor. Seit Ende Januar hat der Kurs zwei Drittel seines Wertes auf zuletzt rund 4 Euro eingebüßt.

Die Umsatzzahlen im September sorgten bei H&M dagegen für etwas Auftrieb. In der vergangenen Woche legte die Aktie um mehr als 15 Prozent zu. Auf lange Sicht verzeichnet das Papier allerdings hohe Verluste. In einem Jahr sank die Aktie um rund 30 Prozent, in drei Jahren waren es sogar mehr als 50 Prozent.

Zalando senkt ebenfalls Umsatzprognose

Auch der Online-Fashion-Händler Zalando musste aufgrund des heißen Sommers seine Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr nach unten korrigieren. Beim bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) würden 2018 nur noch 150 bis 190 Millionen Euro angepeilt, teilte der Konzern mit. Bislang war zumindest noch das untere Ende der Spanne von 220 bis 270 Millionen Euro angepeilt worden.

Das Umsatzwachstum werde zudem am unteren Ende der Spanne zwischen 20 und 25 Prozent liegen, nachdem man zuletzt noch von der unteren Hälfte dieser Spanne ausgegangen sei, hieß es weiter. An der Börse führte die Umsatz- und Gewinnwarnung zunächst zu deutlichen Verlusten. Die im MDax notierte Aktie stürzte im vorbörslichen Handel bei Lang & Schwarz (L&S) bei geringen Umsätzen um fast 13 Prozent auf 36,50 Euro ab.

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