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Buchstapel und E-Reader

Für digitales Wachstum Herder und Partner übernehmen Buchhändler Thalia

Mehr als nur Bücher: E-Reader Tolino soll Amazons Kindle Paroli bieten

Shutterstock.com/Your Design

Mehr als nur Bücher: E-Reader Tolino soll Amazons Kindle Paroli bieten

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Thalia bekommt einen neuen Eigentümer, genauer ein Eigentümerkonsortium. Neben der Verlegerfamilie Herder ist auch Leif Göritz mit dabei. Auf dem Chef der App-Agentur Smart Mobile Factory liegen die Hoffnungen in Sachen digitales Wachstum.

Thalia bekommt nicht nur einen neuen Eigentümer, sondern gleich ein ganzes Konsortium: Die Verlegerfamilie Herder übernimmt zusammen mit dem Douglas-Eigentümer Kreke, Digital-Unternehmer Leif Göritz und Thalia-CEO Michael Busch die Mehrheit an dem Buchhändler. Unternehmerfamilie Kreke war bereits Minderheitsaktionär. Bis dato gehörte Thalia zu Advent International. Über den Kaufpreis haben die beteiligten Parteien Stillschweigen vereinbart.

Auf digitalem Wachstumskurs

Interessant ist vor allem die Beteiligung des Unternehmers und Digital Inkubators Leif Göritz. Er ist seit 2015 Managing Director der App-Agentur Smart Mobile Factory, die die Herder-Familie und er gemeinsam bereits 2014 übernommen hatten. Von seinem Wissen dürfte Thalia vor allem in Sachen Online- und Mobile-Zukunft profitieren. Er soll den Buchhändler als Aufsichtsratschef digital nach vorne bringen.

"Mit dem langjährigen CEO und geschäftsführenden Gesellschafter Michael Busch verfolgen wir als neue Eigentümer die Vision, Thalia zum Synonym für Lesekultur im Digitalzeitalter zu machen", so Göritz.

Thalia hat mehr als 280 Buchhandlungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Um im zunehmenden digitalen Wettbewerb mithalten zu können, versucht sich das Unternehmen auch als Multichannel-Händler. Laut buchreport.de ist Thalia mit einem (geschätzten) Bruttoumsatz von 960 Millionen Euro hinter Amazon die größte Buchvertriebsschiene im deutschsprachigen Raum.

Nach Restrukturierungs-Maßnahnmen erzielt Thalia heute wieder über 80 Prozent des Umsatzes mit Büchern und buchnahen Sortimenten. Der Rest kommt von ergänzenden Artikeln wie Spiele, Papeterieartikel und Co.

Die Hoffnung liegt - wieder einmal - auf Tolino

Vor allem das Online-Kaufhaus von Jeff Bezos macht dem Buchhändler aber zu schaffen. Um zumindest auf dem E-Reader-Markt mit Verkaufsschlagern wie dem Kindle mithalten zu können, hatte Thalia 2013 zusammen mit den Buchgroßhändlern Weltbild, Hugendubel und Club Bertelsmann sowie der Telekom den "Tolino" auf den Markt gebracht.

Im E-Reading-Markt der DACH-Region sieht sich Thalia als "treibende Kraft". Die neuen Eigentümer wollen nun die Tolino-Allianz weiter fortführen und ausbauen und vor allem in den Omni-Channel-Handel und in den Bereich E-Reading investieren.

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Rückkauf-Wirrwarr

Sowohl für Herder als auch für Kreke ist es schon fast ein Rückkauf: Die Familie Herder ist eine der ältesten Verlegerfamilien im deutschsprachigen Raum. Vor 20 Jahren verkaufte sie ihre gleichnamigen Buchhandlungen an die Kreke-Familie, die sie später in die heutige Thalia-Kette integrierte. 2012 wurde Thalia als Teil der damaligen Douglas Holding dann mehrheitlich von dem Investor Advent International erworben.

Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigung.

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