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Kochboxen-Versender Hellofresh will nach Erfolgsjahr weiter expandieren

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2020 hat sich der Umsatz bei Hellofresh mit 3,75 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Der Gewinn betrug im Corona-Jahr 505 Millionen Euro und damit mehr als zehn Mal so viel wie 2019. Auch wenn sich das Wachstum verlangsamen wird, erwartet man langfristigen Erfolg.

Die coronabedingte sehr hohe Nachfrage nach seinen Produkten hat dem Kochboxenversender Hellofresh 2020 ein Rekordjahr beschert. Dabei erfüllte das Berliner Unternehmen seine eigenen Ziele und übertraf die Erwartungen von Analysten. Und auch im laufenden Jahr soll es weiter bergauf gehen, wenn auch deutlich moderater als in den vergangenen zwölf Monaten. Doch nicht alle reagierten begeistert auf die Neuigkeiten vom Dienstagmorgen.

Im vergangenen Jahr habe sich der Umsatz auf 3,75 Milliarden Euro mehr als verdoppelt, teilte das MDax-Unternehmen in Berlin mit. Dabei macht nach wie vor das Geschäft in den USA über die Hälfte des Gesamtumsatzes aus. Die anderen Märkte werden gemeinsam als internationales Segment gelistet.

Besonders deutlich war der Anstieg beim von Analysten stark beobachteten bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Dieser betrug im Corona-Jahr 505 Millionen Euro und damit mehr als zehn Mal so viel wie 2019. Die entsprechende Marge stieg auf 13,5 Prozent und entsprach damit dem oberen Ende der Unternehmensprognose.

Ab Herbst eventuell im Dax

Mit einem zweiten operativen Gewinn in Folge hat das Unternehmen die formelle Voraussetzung für einen Aufstieg in den Dax geschafft. Bei der in dieser Woche anstehenden Entscheidung über die Neubesetzung der Indizes wird die Deutsche Börse das aber wohl nicht mehr berücksichtigen, da die Zahlen nicht mehr im Februar vorgelegt wurden. Dies ist Grundlage ihrer Überprüfungen. Aber mit einem Börsenwert von derzeit knapp zwölf Milliarden Euro hat Hellofresh gute Chancen, im Herbst in den deutschen Leitindex aufzusteigen, wenn dieser von 30 auf 40 Mitglieder aufgestockt wird.

Hellofresh schaffte im vergangenen Jahr auch unter dem Strich den Sprung in die Gewinnzone: Nach einem Verlust von rund sieben Millionen Euro im Vorjahr erzielte der Konzern nun ein positives Ergebnis von gut 351 Millionen Euro.

Das alles konnte aber einige Anleger und Analysten nicht befriedigen: Nach einem kurzen vorbörslichen Sprung nach oben ging es im frühen Handel am Dienstag bergab mit der Aktie. Zuletzt notierte das Papier mehr als eineinhalb Prozent tiefer als noch am Vortag. Mit einem Wert von derzeit rund 65,75 Euro hat der Kurs seine Gewinne der vergangenen Wochen wieder aufgezehrt. Das Papier zählt dennoch mit einem Plus von gut 200 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten zu den großen Gewinnern am Finanzmarkt.

JPMorgan-Experte Markus Diebel bemängelte, dass das Kundenwachstum deutlich schlechter ausgefallen sei als von ihm prognostiziert. Im internationalen Segment habe Hellofresh dagegen solide Zahlen vorgelegt. Zudem hinterfragte der Experte die vorsichtige Prognose des Unternehmens für 2021, die seit Mitte Dezember nicht aktualisiert worden sei.

Analystin Alvira Rao von der britischen Investmentbank Barclays konstatierte in einer ersten Reaktion, dass der Bericht nichts wirklich Überraschendes gebracht habe. Ganz anders sah das Clara Kamenicek von Stifel Europe, die von starken Ergebnissen für das vierte Quartal sprach.

Langfristiger Erfolg

Ungeachtet der Krise setzt Konzernchef Richter auf den langfristigen Erfolg seines Unternehmens: "Während die Pandemie im Laufe des Jahres hoffentlich abklingen wird, rechnen wir fest damit, dass Verbraucher auch weiterhin auf E-Commerce-Lösungen setzen werden, um Lebensmittel einzukaufen." Mahlzeiten zu Hause zuzubereiten und zu essen, hätte in 2020 eine neue Bedeutung bekommen.

Im laufenden Jahr will Hellofresh in seinen bestehenden 14 Märkten unter anderem durch neue Marken mehr Kunden von sich überzeugen. Darüber hinaus will der Konzern zwei bis drei neue Länder erschließen. Zuletzt war Hellofresh nach Schweden und Dänemark expandiert. Experten mutmaßten, dass es nach Japan und Norwegen gehen könnte. Dort suche das Unternehmen derzeit aktiv nach neuen Mitarbeitern.

Wachstum wird zurückgehen

Und dennoch macht sich der Vorstand keine Illusionen angesichts der unverhältnismäßig starken Entwicklung der vergangenen zwölf Monate: Das Wachstum dürfte deutlich zurückgehen und auch die Marge werde im laufenden Jahr nicht mehr so hoch ausfallen. Das Unternehmen bestätigte bei der Vorlage der 2020er-Zahlen seine Mitte Dezember abgegebene Prognose.

So soll der Umsatz 2021 währungsbereinigt nur noch um 20 bis 25 Prozent zulegen und damit deutlich weniger als im Corona-Jahr, als das Wachstum bei 111 Prozent gelegen hatte. Zudem soll die Marge des bereinigten Ebitda zwischen 9 bis 12 Prozent betragen und damit unter dem 2020er-Wert liegen.

In den Kennziffern sei der Zukauf von Factor75 bereits enthalten. Neben den vorportionierten Lebensmitteln samt Rezepten zum Kochen will Hellofresh über Factor75 verzehrfertige Gerichte anbieten.

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