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Vorweihnachtszeit Erfolgreich trotz Amazon: So behaupten sich Einzelhändler

fotolia.com/javierafael
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Amazon ist der E-Commerce-Riese, der traditionellen Einzelhändlern vor allem zur Vorweihnachtszeit das Geschäft vermiest. Dass das so nicht stimmt, und welche Chancen es für Händler gibt, erklärt GT Nexus.

Fast die Hälfte aller Produktsuchen laufen über Amazon. Aber was als Suche nach Produktinformationen oder Preisvergleichen startet, führt leicht zum tatsächlichen Kauf. Da immer mehr Menschen für ihr Weihnachtsshopping überhaupt nicht mehr ins Geschäft fahren, sondern alles Online erledigen, wird Amazons Dominanz weiter wachsen.

Das bedeutet aber nicht, dass traditionelle Einzelhändler nicht auch in Zeiten des Omnichannels mithalten können. Was sie sich sogar von Amazon abschauen können, erklärt GT Nexus, Cloud-basiertes Netzwerk für globalen Handel und Supply Chain Management.
 
Einzelhändler können nicht erwarten, einfach Amazons Spiel mitzuspielen und zu gewinnen. Das aber bedeutet nicht, dass nicht auch sie in Zeiten des Omnichannel erfolgreich sein können. Sie müssen ihre Stärken ausspielen, von den Werten profitieren, die sie als traditionelle Einzelhändler bereits haben und bei Investitionen in Niederlassungen, E-Commerce-Kanäle und Logistikzentren die richtige Balance finden. Manche Einzelhändler sind auch der Meinung, dass gerade im digitalen Einkaufszeitalter Ladengeschäfte wertvoller sind denn je.

Wichtiges Teilchen im Omni-Channel-Puzzle

In der Tat halten Einzelhändler die Läden für ein wichtiges Teilchen im Omnichannel-Puzzle - und das ist etwas, was Amazon nicht einfach so replizieren kann - ein Netzwerk an physischen Standorten, das das Online- und Mobile-Shopping-Erlebnis ergänzt. Die richtige Balance zu finden ist der Schlüssel für die traditionellen Einzelhändler, nur dann können sie es mit einem Onlineriesen wie Amazon aufnehmen und den Kampf vielleicht sogar gewinnen, ohne dabei an Rentabilität einzubüßen.

Wenn der Einzelhandel dieses Jahr in der Vorweihnachtszeit erfolgreich mitspielen will, gilt es folgende drei Aspekte zu beachten:
 
1. Mythos: kostenlosen Versand gibt es nicht
Kostenloser Versand ist ein Mythos. Er ist kostenlos für den Verbraucher, aber von irgendjemandem müssen die Kosten übernommen werden. Transportunternehmen und Kuriere bieten dem Verbraucher ihre Dienste nicht als Geste des guten Willens. Auch bei Amazon ist der kostenlose Versand nicht kostenfrei - eine Prime Mitgliedschaft kostet 49 Euro im Jahr und Nicht-Mitglieder müssen einen Mindestbestellwert von 29 Euro für den kostenlosen Versand erreichen. Die Kosten für den Versand müssen getragen werden und sind so im Verkaufspreis bereits miteinkalkuliert.
 
Um Bestände über alle Kanäle hinweg über Nacht oder kostenlos zu Versenden und in die Hände des Kunden zu übergeben, fehlt es dem Handel an Infrastruktur und Agilität bei seinen Back-End-Systemen. Stand heute sind wohl die Abholung im Laden oder Click & Collect für den Handel der profitabelste und effektivste Weg Omnichannel zu betreiben.

2. Ein gemeinsamer Bestandsüberblick (in Echtzeit)
Ein Überblick über alle Bestände ist im E-Commerce-Zeitalter von entscheidender Bedeutung. Für den Online-Kunden spielt es keine Rolle, ob sich ein Artikel in einem Geschäft, in einem Verteilzentrum oder im Transport befindet. Was zählt, ist die Verfügbarkeit. Wenn Händler keinen Einblick in ihre Bestände über alle Verkaufskanäle hinweg haben, verpassen sie so Chancen auf Verkäufe und darauf, Kunden an sich zu binden. Einblick in alle Bestände aus der gesamten Lieferkette, anstatt nur von einem bestimmten Ort hilft sicher zu stellen, dass Angebot und Nachfrage aufeinander abgestimmt sind. Ob man jetzt Abholung im Laden anbietet oder ob Filialmitarbeiter Ware verpacken und versenden, die Möglichkeit, Bestellungen von überall aus abzuwickeln, reduziert die Notwendigkeit von Preisnachlässen und stellt sicher, dass Ware dort verfügbar ist, wo es gewünscht wird.

Nicht nach Amazons Regeln spielen

3. Die Macht der Netzwerke
Um mit den größten E-Commerce-Anbietern zu konkurrieren, müssen Einzelhändler sich auf ihre eigenen Stärken besinnen. Sie dürfen sich nicht darauf einlassen, nach Amazons Regeln zu spielen - das wäre ein Verlustgeschäft. Das Hybrid-Modell von Distributionszentren und Filialen, in Verbindung mit der Flexibilität, Filialmitarbeiter zum Bearbeiten, Verpacken und Versenden von Bestellungen aus den Geschäften heraus einzusetzen, hilft Einzelhändlern als ein physisches Netzwerk zu operieren und so mit Internetriesen wie Amazon zu konkurrieren.
 
Gerade in der Vorweihnachtszeit ist Schnelligkeit der Schlüssel zum Erfolg. Der erhöhte Druck, alles immer verfügbar zu haben, zwingt Einzelhändler sich von einer nach innen gerichteten Silo-Denkweise zu verabschieden und sich als Teil eines vollvernetzten, agilen Unternehmensnetzwerkes zu verstehen. Denn Schnelligkeit und Produktvielfalt stehen meist im Widerspruch zu traditionellen Planungs- und Produktionsmethoden.
 
Aus der Sicht des Kunden ist ein Einzelhändler jedoch nicht mehr länger nur ein Laden. Er kann viel mehr sein als das - aber nur, wenn das Zusammenspiel von digitalem und dem herkömmlichen Einkaufen nahtlos funktioniert. Technologie sorgt dafür, dass die Vision einer Verschmelzung dieser beiden Welten für den Handel Wirklichkeit wird. Um Bestellungen online und in den Filialen abzuwickeln, Kundentrends zu identifizieren und einzelne Artikel in einem weiten Netz aus Filialen, Verteilzentren und Lieferanten genau zu lokalisieren, benötigt man riesige Datenmengen und vor allem die Fähigkeit, diese entsprechend zu analysieren. Genau darin ist Amazon besonders gut. Aber durch die Kombination effektiver Datennutzung mit einem bestehenden physischen Filialnetzwerk werden Einzelhändler im Weihnachtsgeschäft konkurrenzfähig.

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