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E-Commerce

Online Handel Kongress 2017 E-Commerce: Raus aus den Kinderschuhen?

fotolia.com/javierafael
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Coming of Age: So lautete das Motto des 13. Online Handel Kongresses. Ob der E-Commerce in Deutschland erwachsen geworden ist und was Unternehmen für die Zukunft beachten sollten, diskutierten die Experten der Branche.

Coming of Age - Unter diesem Motto fand der 13. Online Handel Kongress in diesem Jahr in Berlin statt. Man sollte meinen, dass der E-Commerce in Deutschland so langsam seinen Kinderschuhen entwachsen sein sollte. Dennoch ging es in einigen Vorträgen vor allem um die Basics im Online Handel. Moderator Frank Puscher sagte bereits zu Beginn: "Wir machen hier keine Rocket Science, sondern thematisieren Dinge des Daily Business." Dementsprechend kam auch wieder einmal die Frage auf, ob Multichannel wirklich sinnvoll ist. Bei dieser Diskussion kam auch die erst kürzlich öffentlich gewordene Insolvenz des Multichannel-Händlers Butlers zur Sprache. Hier warf Gerrit Heinemann im Panel die Frage in den Raum, ob Multi-Channel gescheitert ist.

Andreas Bartmann, Geschäftsführer von Globetrotter, die derzeit aktiv Multichannel betreiben, sieht vor allem ein Problem: "Richtiger Multichannel kommt einer Sanierungsaufgabe eines Unternehmens gleich. Das Problem bei der erfolgreichen Umsetzung ist das ausreichende Kapital. Das ist essentiell, um die Umstrukturierung zum Multichannel zu überstehen." Online- wie Offline-Strategien müssen dabei flexibel sein. Man könne sich heutzutage nicht wie beispielsweise Butlers an Mietverträgen in A-Lagen binden, die auf zehn oder mehr Jahre ausgelegt sind. Dazu sei der Markt viel zu unberechenbar, so Bartmann weiter.

Nach Ansicht von Kai Hudetz, Geschäftsführer IFH Köln, gibt es auch so gut wie keine reinen Online-Modelle, die noch erfolgreich sind. Die erfolgreichen Player setzen seiner Meinung nach fast alle auf Multichannel-Konzepte. "Wie viel stationäre Läden müssen Amazon oder Zalando noch eröffnen, damit sie nicht mehr als Online Pure Player wahrgenommen werden?", fragt Hudetz. Der tatsächliche Kern für den Erfolg eines Unternehmens läge vor allem darin, dass Unternehmen kundenzentriert denken und handeln - Stichwort Customer Centricity. Tun sie das nicht, werden sie scheitern.

Konsolidierungsprozesse im Offline- und Online-Handel

Konsolidierungsprozesse finden sowohl Online wie Offline statt. Daher müssen sich Unternehmen stetig weiterentwickeln, um "am Leben zu bleiben". "Die Kunden haben heute höhere Ansprüche und es gibt eine große Preistransparenz. Wer hier nicht mithalten kann, geht unter", so der Geschäftsführer des IFH weiter.

Auch der Geschäftsführer von Momox, Heiner Kroke teilt die Ansichten, dass es essentiell für ein Unternehmen ist, sich stetig neu zu erfinden. Momox betrieb beispielweise ein Multichannel-Konzept mit fünf stationären Läden. Doch die Kunden nahmen es nicht an. So zog sich Momox aus dem Offline-Handel zurück und agiert heute ausschließlich als Online Pure Player.

Grundsätzlich sollte es nicht mehr um die Frage gehen - Multichannel ja oder nein. Sondern darum, welches Konzept für ein bestimmtes Unternehmen am besten funktioniert. Im Klartext: Was will meine Zielgruppe? Der Knackpunkt dabei ist, der Kunde will oft sehr schnell etwas Neues. Das stellt die meisten Unternehmen vor große Herausforderungen. Alexander Graf, Herausgeber von Kassenzone.de, bestätigte Bartmanns These, dass heutzutage langfristige Strategien keinen Sinn machen. "Alles, was man machen muss, ist schnell sein. Die Unternehmen, die sich schneller erfinden können als andere, werden erfolgreich sein", so Graf.

Social Media Marketing im E-Commerce

Das schnelle Erfinden umfasst aber nicht nur Kundenbedürfnisse, sondern auch deren Ansprache. Unternehmen müssen die Leute dort abholen, wo sie sich aufhalten. Heutzutage passiert das in den vielen Fällen in sozialen Netzwerken. Wer im Online-Handel agiert, für den gibt es immer neue Möglichkeiten Dinge im Social Web zum Kauf anzubieten oder zu bewerben. Welche Angebote es da für Händler gibt, zeigte Markus Hartlieb, Geschäftsführer der Social Network Group. Er erklärte unter anderem, wie der "Facebook Shop" funktioniert. Dabei kann man ein Posting mit seinen Produkten aus dem Shop verbinden.

Trägt auf einem Bild eine Frau beispielsweise eine Uhr, die ich in meinem Shop anbiete, kann ich diese markieren und unterhalb des Bildes anzeigen lassen. Beim Klick auf die Uhr geht es dann direkt zum Shop. Erstaunlich war jedoch, dass fast keiner der Teilnehmer diese Funktion überhaupt kannte - geschweige denn bereits nutzte. 

Dann ging es für die Teilnehmer in einem kleinen Exkurs doch etwas in Richtung "Rocket Science" - und zwar wie und welche Bot Engines man im Facebook Messenger installieren kann. Eine Möglichkeit für den Einsatz von Händlern ist ein Bot, mit dessen Hilfe man Produkte in den Messenger integrieren kann, so dass über den Messenger direkt Produkte gekauft werden können. Für Webshop-Betreiber je nach Zielgruppe ein gutes Feature, um zusätzliche Verkäufe zu generieren. Dieser Abstecher blieb aber der einzige, der sich auf dem Online Handel Kongress etwas mit Zukunftsmusik und weniger mit den Grundlagen im E-Commerce befasste. Der Online Handel ist also kein Baby mehr, wirklich erwachsen sieht aber anders aus.

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