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Fußgängerzone und Online Shop

Wie die Corona-Pandemie den deutschen Handel verändert hat

shutterstock.com/Ralph Rozema
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Corona ist ein großer Beschleuniger des Strukturwandels im Einzelhandel. Der Internet-Handel boomt, viele Fußgängerzonen und Shopping-Center sind dagegen deutlich leerer als vor einem Jahr. Wachstumstreiber im Online-Bereich ist der Handel mit Lebensmitteln.

Die Corona-Pandemie verändert den deutschen Einzelhandel wie keine andere Krise der vergangenen Jahrzehnte. Der Internet-Handel boomt, viele Fußgängerzonen und Shopping-Center sind dagegen deutlich leerer als vor einem Jahr. Während Lebensmittelhandel und Baumärkte Umsatzrekorde verzeichnen, bleiben in Modegeschäften die Kunden aus. Für den Geschäftsführer der Handelsberatung BBE, Joachim Stumpf, steht deshalb fest: "Corona ist ein großer Beschleuniger des Strukturwandels im Einzelhandel."

Beispiel Textilien: Dem Modehandel in den Fußgängerzonen ging es schon vor der Pandemie nicht gut. In den Corona-Krise gehörte er dann zu den ganz großen Verlierern. Die Branche habe seit dem Shutdown im März "mit den größten wirtschaftlichen Herausforderungen seit Bestehen der Bundesrepublik zu kämpfen", urteilt das Branchen-Fachblatt "Textilwirtschaft". Die Umsätze der stationären Händler lägen auch im September noch um 18 Prozent unter dem Vorjahreswert. "Es wird noch über 2021 hinaus dauern, bis das Vorkrisenniveau wieder erreicht wird", glaubt Stumpf.

Mit den Textilhändlern leiden die Innenstädte

Und mit den Textilhändlern leiden die Innenstädte. Das Verblüffende dabei: Besonders hart trifft es zurzeit die sonst sehr gut frequentierten Toplagen in den Metropolen und die Shopping-Center. Einkaufsstraßen in kleineren Städten und nüchterne Fachmarktzentren haben sich dagegen viel besser von der Krise erholt.

"Corona hat in den Innenstädten alles durcheinandergewirbelt", meint Stumpf. Das Erfolgsrezept der Toplagen, die in normalen Zeiten Kunden von weit her anlocken und einen großen Teil der Umsätze mit Touristen machen, funktioniere aktuell nicht mehr. Dagegen hätten sich vermeintliche Problemstandorte in kleineren Städten, die in den vergangenen Jahren regelmäßig zu den Verlierern gehörten, rasch von dem Corona-Schock erholt. Sie profitierten davon, dass die Verbraucher das Getümmel mieden.

Auch viele Shopping-Center gehören zu den Opfern der Krise, wie Joachim Will, Inhaber des Wiesbadener Beratungsunternehmens Ecostra, betont. "Ihnen macht die Maskenpflicht zu schaffen - und die Tatsache, dass viele Verbraucher deshalb den Aufenthalt in geschlossenen Räume möglichst kurz halten." Einige Shopping-Center werden die Krise nicht überleben, ist Will überzeugt.

Stationärer Lebensmittelhandel zählt zu den Gewinnern

Zu den Gewinnern im Corona-Durcheinander gehört dagegen der stationäre Lebensmittelhandel. Edeka, Rewe und Co. profitierten nicht nur davon, dass ihre Geschäfte während des Lockdowns geöffnet blieben, sondern auch davon, dass wegen Homeoffice, Kurzarbeit und Ansteckungsangst auch danach mehr zuhause gegessen wurde. Insgesamt lagen die Umsätze im Lebensmittelhandel nach Berechnungen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in den ersten acht Monaten um rund 12 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Allerdings scheint sich die Situation hier allmählich zu normalisieren. Nach den zweistelligen Wachstumsraten der Vormonate lag das Umsatzplus im August nur noch bei vergleichsweise bescheidenen 2 Prozent. "Das Raumschiff ist gelandet, die Erde hat den Lebensmittelhandel wieder", beschrieb der GfK-Handelsexperte Robert Kecskes in einer aktuellen Marktstudie den Trend.

Keine Ende des Corona-Rückenwindes für Online

Keine Ende des Corona-Rückenwindes ist dagegen bislang im Online-Handel zu bemerken. Er boomt noch mehr als vor der Krise. Im 3. Quartal lagen die E-Commerce-Umsätze in Deutschland mit 19,3 Milliarden Euro um satte 13,3 Prozent über dem Vorjahresniveau. "Obwohl seit Juli alle Läden wieder geöffnet haben, verlassen sich viele Verbraucher weiter auf die belastbaren Lieferstrukturen des Online- und Versandhandels", sagt der Hauptgeschäftsführer des E-Commerce-Verbandes bevh, Christoph Wenk-Fischer.

Wachstumstreiber sind der Online-Handel mit Lebensmitteln mit einem Plus von gut 50 Prozent und das Geschäft mit Gütern des täglichen Bedarfs mit einem Zuwachs von 34 Prozent. Video- und Musik-Downloads dienten als Ersatz für Kino- und Konzertbesuche und legten um 18,7 Prozent zu. Der Bekleidungshandel via Internet wuchs um 13,9 Prozent.

Bitter für den stationären Handel: Er konnte von dem Onlineboom mit den eigenen Online Shops nur vergleichsweise wenig profitieren. Onlinemarktplätze wie Amazon, klassische Versandhändler und reine Online-Anbieter wuchsen deutlich stärker.

Für Branchenkenner Stumpf ist es aber trotz des anhaltenden Erfolgs des Internets zu früh für einen Abgesang auf die Innenstädte. "In den vergangenen Jahren sind die Verbraucher nach Krisen immer wieder zu ihren alten Verhaltensmustern zurückgekehrt", betont er. Auch nach der Corona-Pandemie werde das nicht anders sein. "Es wird zwar in Zukunft mehr online eingekauft werden als vor der Krise, aber auch die großen Einkaufsstraßen werden wieder ihren Glanz entfalten und die Menschen anlocken."

Auch Ecostra-Chef Will rechnet mit einem Comeback der Fußgängerzonen. Allerdings nur dort, wo die Innenstädte attraktiv genug sind. Ein gutes Warenangebot allein reiche nicht aus. "Wichtig ist eine gute Aufenthaltsqualität in der Innenstadt: die Gastronomie, die Plätze, der Städtebau. Die Innenstadt muss ein attraktives Ziel sein, wenn die Menschen überlegen: Was mache ich heute?"

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