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Kaufhof-Filiale

Kaufhof-Krise Galeria-Dementi: "Wir sind solide finanziert"

Galeria Kaufhof
Galeria Kaufhof

Einem Medienbericht zufolge steht Galeria Kaufhof kurz vor der Insolvenz. Jetzt dementiert die Warenhauskette: Man sei solide finanziert und werde weiterhin investieren, sowohl in die Filialen als auch ins Online-Geschäft.

Seit Monaten spekuliert die Handelsbranche über den Zustand der Warenhauskette Galeria Kaufhof. Kurz vor Ostern wurde dem "Spiegel" dann ein internes Papier zugespielt - und was dort zu lesen war, schien sämtliche Spekulation sogar noch zu übertreffen. "Galeria Kaufhof befindet sich in einer ausgeprägten Ertragskrise", heißt es da beispielsweise. Ohne weitere drastische Sanierungsmaßnahmen werde Kaufhof "kurz- bis mittelfristig in einer substanziellen wirtschaftlichen Notlage verbleiben". Und: "Ohne Gegenmaßnahmen droht die Zahlungsunfähigkeit."

Auf Nachfrage von Internet World Business dementiert das Unternehmen. "Galeria Kaufhof ist solide finanziert und hat die uneingeschränkte Unterstützung der Konzernmutter Hudson’s Bay Company (HBC)", so ein Sprecher der Warenhauskette. Die nächsten Sätze klingen allerdings schon vorsichtiger: "Um unser Ziel zu erreichen, wieder dauerhaft wettbewerbsfähig zu sein, haben wir jedoch ein umfassendes Transformationsprogramm gestartet, um unseren Umsatz und Ertrag zu steigern sowie gleichzeitig die Kosten nachhaltig zu optimieren."

Offenbarungseid oder Druckmittel gegen die Gewerkschaften? 

Mit dieser "nachhaltigen Kostenoptimierung" sind vornehmlich Entlassungen gemeint. 400 der 1.600 Mitarbeiter in der Hauptverwaltung von Kaufhof in Köln werden wohl gehen müssen, hat der erst im Herbst vergangenen Jahres angetretene neue Geschäftsführer Roland Neuwald bereits im Februar angekündigt.

Schon im Oktober 2017 forderte zudem Wolfgang Link, Europachef von HBC, eine "wirtschaftliche Atempause für Kaufhof". Gerichtet war die Forderung vornehmlich an die Gewerkschaft Verdi, die die Tarifverträge für die rund 20.000 deutschen Kaufhof-Mitarbeiter aushandelt. Vor dem Hintergrund dieser tariflichen Auseinandersetzungen stellt sich die Frage, wie ernst es wirklich um Kaufhof steht - und ob es sich bei dem internen Unternehmenspapier, das dem "Spiegel" zugespielt wurde, nicht eher um ein Worst-Case-Szenario handelt, mit dem in den Tarifverhandlungen Druck aufgebaut werden soll.

Fakt ist: Der Umsatz von Galeria Kaufhof ist seit 2010 von damals 3,1 Milliarden Euro auf 2,6 Milliarden Euro (2017) gesunken. Letztes Jahr hat das Unternehmen zudem rund 100 Millionen Euro Verlust produziert, vor allem das Weihnachtsgeschäft blieb deutlich unter den Erwartungen. Fakt ist aber auch: Der Online-Umsatz wuchs in den vergangenen zwei Jahren jeweils um über 20 Prozent, auch 2018 soll die E-Commerce-Sparte zweistellig zulegen.

Dafür investiert die Warenhausekette kräftig: In Zülpich wird aktuell ein E-Commerce-Logistik-Lager gebaut - für 70 Millionen Euro. Dort gab es letztes Jahr zwar den einen oder anderen Schreckmoment, weil die Finanzierung zwischenzeitlich nicht sicher gestellt war.

Im September rollten die ersten Bagger aber doch an, das Lager soll im Frühjahr 2019 in Betrieb gehen. "Wir werden aber auch weiterhin klar in unsere Filialen und das Online-Geschäft investieren", so der Kaufhof-Sprecher auf unsere Nachfrage. Die enge Verzahnung zwischen On- und Offline-Geschäft solle weiter ausgebaut werden. Akut drohende Insolvenz klingt irgendwie anders.

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