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Wald von oben

Interview mit Kai Hudetz, IFH Köln Nachhaltigkeit im E-Commerce: Wie bewusstes Wirtschaften gelingt

Shutterstock/Raul Mellado Ortiz
Shutterstock/Raul Mellado Ortiz

Nachhaltigkeit wird auch im Onlinehandel zum Regelfall, doch haben viele Händler noch nicht verstanden, dass Ökologie und ökonomischer Profit Hand in Hand gehen. Kai Hudetz vom IFH Köln, erklärt, wie E-Commerce und Nachhaltigkeit zusammenpassen.

Nachhaltigkeit ist weder ein Trend- noch ein Nischenthema. Auch für Onlinehändler ist Nachhaltigkeit heute eine Grundaufgabe. Doch damit der Wandel zum bewussten Wirtschaften selbst nachhaltig gelingt, braucht es die richtige Strategie. Kai Hudetz, Handelsexperte und Geschäftsführer des IFH Köln, erklärt im Interview, welche Erwartungshaltung der Verbraucher heute an das Thema Nachhaltigkeit hat, wie man damit auch im Online-Handel ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis schafft und an welchen Stellschrauben Händler drehen sollten.

Herr Hudetz, die einen meinen, online zu bestellen sei per se umweltschädlich, die anderen sagen, mit dem Auto in die Innenstadt zu fahren, ist noch viel schlimmer. Wie sehr oder wenig nachhaltig ist der E-Commerce denn nun wirklich?

Kai Hudetz: Wir haben uns gemeinsam mit der Uni Köln in einer Metastudie das zu dem Thema vorhandene Forschungsmaterial angesehen: Es gibt zwei Studien, die sagen, dass Online tendenziell nachhaltiger ist als stationär einzukaufen. Zwei andere Studien kommen zu keinem eindeutigen Schluss. Es gibt also keine Studie, die belegt, dass Online weniger nachhaltig wäre. Trotzdem ist die Meinung der Konsumenten eindeutig: Von ihnen sagen 70 Prozent, dass der Einkauf im Internet die Umwelt stärker belastet. Das hohe Retourenaufkommen oder Bilder von Lieferfahrzeugen, die in der zweiten Reihe parken, tragen viel zu dieser Wahrnehmung bei. Der Nachhaltigkeitsaspekt des E-Commerce, zum Beispiel, dass der Ressourcenverbrauch stationärer Flächen entfällt oder durch die Versandlogistik ein hoher Bündelungseffekt erzielt wird, ist bei den Konsumenten oft weniger präsent.

Bedeutet das, dass die Konsumenten von den Onlinehändlern mehr sichtbares Engagement für Nachhaltigkeit erwarten?

Hudetz: Die Erwartungshaltung der Konsumenten beim Thema Nachhaltigkeit ist deutlich gestiegen. Vor allem die junge Generation macht sich über das Thema heute viel mehr Gedanken. Sie erwarten auch vom Online-Handel, dass er klare Statements setzt, dass er nachhaltige Produkte anbietet und auch generell über seine Prozesse nachdenkt. Trotzdem gibt es in der Konsumentenhaltung einen Spagat zwischen Nachhaltigkeit und Preisbewusstsein. Auch hier sind es wieder besonders die Jungen, die neben dem Nachhaltigkeitsbewusstsein auch eine hohe Preissensibilität mitbringen. Sie erwarten, dass Nachhaltigkeit auch bezahlbar ist. Bei den Lebensmitteln hat es ja bereits eine Entwicklung dahin gegeben, dass Bioprodukte auch bei den Discountern erhältlich und damit für die Masse erschwinglich sind. Vor einer ähnlichen Herausforderung steht nun auch der E-Commerce: Nachhaltigkeit soll zu einer Selbstverständlichkeit werden, gleichzeitig sind die Konsumenten aber wenig bereit, bei Themen wie dem Preis oder der Bequemlichkeit von Lieferung und Retouren zurückzustehen.

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