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Einrichtungskette Butlers stellt Antrag auf vorläufige Insolvenz

Wilhelm Josten, Gründer und Geschäftsführer der insolventen Einrichtungskette Butlers

Rudolf Wichert

Wilhelm Josten, Gründer und Geschäftsführer der insolventen Einrichtungskette Butlers

Rudolf Wichert

Die Einrichtungskette Butlers ist insolvent. Alle Filialen und der Online Shop werden vorerst weiterbetrieben. Butlers galt lange als Vorzeigemodell für funktionierenden Multichannel-Handel.

Es dürfte eine Überraschung für viele Marktbeobachter sein - und eine Bestätigung für die aktuell tobende "Multichannel lohnt sich nicht"-Debatte: Die Einrichtungskette Butlers hat beim Amtsgericht Köln vorläufige Insolvenz angemeldet. Das Insolvenzgericht hat Jörg Bornheimer von der Sozietät Görg zum Insolvenzverwalter bestellt. Ziel des Verfahrens sei die Erhaltung und nachhaltige Sanierung des Kölner Unternehmens, heißt es in einer Mitteilung. "Wir wollen die Chance nutzen, mit den Instrumenten der Insolvenzordnung das Handelsgeschäft so reibungslos wie möglich fortzuführen und uns markt- und wettbewerbsfähig neu zu positionieren", so Bornheimer.

Alle 100 Filialen sowie der Online Shop bleiben fürs erste geöffnet, fügte Geschäftsführer und Butlers-Gründer Wilhelm Josten hinzu. Die Gehälter für die rund 1.000 Mitarbeiter seien bis März 2017 gesichert. "Wir sind überaus zuversichtlich, dass Butlers auch weiterhin eine gute Zukunft hat", so Josten. Zu den Gründen für die überraschende Insolvenz äußerte sich das Unternehmen nicht explizit. Zu schaffen machten Butler aber wohl vor allem die hohen Mieten in seinen traditionell in Innenstadt-Lagen platzierten Filialen bei gleichzeitig sinkender Besucherfrequenz. Aber auch der Online-Kanal war durch die wachsende Konkurrenz im Online-Möbelhandel unter Druck geraten.

Vorreiter für Multichannel

Butlers erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von rund 95 MiIlionen Euro. 2015 waren es noch 102,3 Mio. Euro gewesen - 20 Prozent davon verdienten die Kölner über den Online-Kanal. Dafür hat der Einrichtungshändler viel in E-Commerce investiert und galt mit seinen Bemühungen als ein Vorreiter für den Möbelhandel im Netz im Speziellen und funktionierenden Multichannel im Allgemeinen.

Schon 2014  führte Butlers Click & Collect ein; die Kataloge verwiesen die Kunden immer wieder mit offensiver Kanalverknüpfung in den Online Shop. 2015 experimentierte das Unternehmen mit einer aufwändigen Videoberatung, mit der sich Online-Kunden per Video-Lifechat Möbel von einem Mitarbeiter in der Filiale zeigen lassen konnten. Neben dem eigenen Online Shop nutzte Butlers auch Kooperationen mit Online-Plattformen wie Westwing, Home24 oder Amazon, um seine starke Eigenmarke im Netz zu vertreiben. Im gesamten letzten Jahr war es allerdings ungewöhnlich still um das bisher so rührige Unternehmen geworden.

Im September 2016 hatte der direkte Butlers-Konkurrent Strauss Innovation Insolvenz angemeldet. Das Verfahren verlief nicht erfolgreich: Aktuell gehen in den letzten Filialen die Lichter aus. Auch der Online Shop ist schon offline.

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