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Online-Händler Such-Tools: Welches passt zu meinem Shop?

Fotolia.com/Rawpixel
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Eine gute Suchfunktion ist von großer Bedeutung für einen Online-Shop. Bleibt die Frage, nach der besten Lösung: die des Shop-Systems, die eines Drittanbieters oder eine selbst gebaute?

Neulich im Zara-Shop: "Es wurden ­keine Ergebnisse für Ihre Suche nach ‚Hoody‘ gefunden" - so das Resultat einer Suchanfrage. Pech für den Kunden, der ein Kapuzen-Sweatshirt sucht, aber nicht weiß, dass dieses "Hoodie" heißt. Eine ­gute Suche hätte dies verhindert und Zara vielleicht einen Kunden mehr beschert.

Zara ist nur ein Beispiel aus der Welt des E-Commerce. Wer sich in deutschen Online-Shops nach seinen Wunschprodukten umschaut, wird leider - noch immer - sehr häufig mit schlecht funktionierenden Shop-Suchen konfrontiert. Doch für viele Shop-Betreiber steht die Frage im Raum: Welche Such-Lösung ist denn die richtige für mich?

60 Prozent der Shops liebäugeln mit neuer Suche

Knapp ein Viertel der Shops vertraut auf die Suchfunktion, die das Shop-System mitbringt, hat eine Studie von Ibi Research ergeben. Diese Standardlösungen sind je nach Shop-System sehr unterschiedlich ausgereift, decken in der Regel aber die wichtigsten Grundfunktionen wie eine Volltextsuche und einfach Filter ab. Der größte Vorteil dieser integrierten Suchlösungen ist, dass keine weiteren Kosten entstehen und kein zusätzlicher Integrationsaufwand nötig ist.

Aber: Knapp 60 Prozent der Shop-Betreiber, die momentan die Standardlösung ihres Shop-Systems verwenden, liebäugeln mit einer neuen Suchfunktion. Nach der Erfahrung von Dirk Hörig, CEO von Shop-Software-Hersteller und E-Commerce-Agentur Commercetools, stoßen die Basislösungen vor allem bei individuellen Anforderungen des Shops an ihre Grenzen, zum Beispiel wenn über die Suche geschäftsspezifische Prozesse abgebildet werden müssen oder es gilt, die Suche an das eigene Produktdatenmodell anzupassen.

Sinnvolle Verknüpfung mit anderen Inhalten oft schwer

Die Anreicherung von Produktdaten etwa durch Bewertungen, die Gruppierung der Produkte zu Aktionen oder die Verbindung mit Cross- und Upselling-Produkten sorgen nach Ansicht von Sebastian Knebel, technischer Produktmanager bei der Agentur Aperto, oft für Probleme. Auch der zunehmende Bedarf, die Produktdaten mit weiteren Inhalten wie Ratgebern oder Videos aus anderen Datenquellen sinnvoll zu ergänzen, lässt sich mit Standardlösungen oft nur schwer abdecken.

Matthias Richter, Inhaber des stationären Ladens R & C Elektronik & Computer in Auerbach sowie des dazugehörigen ­Online-Shops Rc-service.de, hat sich ­daher für ein Zusatzmodul seines Shop-Software-Herstellers Electronic Sales entschieden, das über die enthaltene Basis­suche hinausgeht. Er wollte eine Suchfunktion mit hoher Fehlertoleranz, auch bei Suchanfragen mit technischen Produkteigenschaften. Zudem wünschte er sich die Möglichkeit, die Suchergebnisse selbst gewichten zu können, ­beispielsweise nach Produktgruppe oder Hersteller.

Gegen die Lösung eines Drittanbieters sprach aus seiner Sicht der zusätzliche Programmieraufwand, der vermutlich angefallen wäre. Zudem fürchtete er technische Hindernisse: "Schnittstellen führen in der Regel zu Einschränkungen - insbesondere wenn individuelle Anforderungen umgesetzt werden sollen", meint er. Deswegen ist er froh, dass Shop und Suche aus einem Haus stammen. Außerdem wäre eine Drittlösung seinen Recherchen zufolge wesentlich teurer gewesen. Für das Zusatzmodul "ES Powersearch" bezahlt er einen monatlichen Mietpreis.

Eigenentwicklung sollte gut überlegt sein

Umfassende Suchfunktionen mit Autovervollständigung und Fehlertoleranz ­sowie Filtermöglichkeiten waren für den Wanddeko-Shop Klebefieber.de Gründe für ein ergänzendes Such-Tool. 2013 wurde die Suchlösung von Findologic integriert. "Wir suchten schnell eine bessere Suchtechnologie, um wichtige Kennzahlen wie Conversion Rate und Absprungrate zu verbessern. Findologic hat ein Plug-in zu unserem Shop-System Plentymarkets, deswegen ging die Integration sehr schnell", begründet Franziska Eseka, Marketingleiterin bei Klebefieber.de, die Wahl.

Außerdem biete Findologic viele Features zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Kosten seien abhängig von der Anzahl der Suchanfragen, so Eseka. Das Ziel wurde erreicht: Konkrete Zahlen nennt Eseka zwar nicht, aber "wir konnten unsere Conversion stark verbessern", freut sie sich.

Automatisches Ranking und Skalierbarkeit des Tools


Die Automatisierung im Ranking der ­Suchergebnisse, die Skalierbarkeit der ­Lösung über mehrere Shops hinweg und ein deutlich einfacherer und schnellerer Betriebsablauf waren für Hauke Wessels, Teamleiter Online-Shop-Entwicklung bei der Ulla Popken Fashion Group, die ausschlaggebenden Faktoren bei der Entscheidung für die externe Such-Lösung "Factfinder". Sie ist seit April 2016 in den zwölf Mode-Shops der Gruppe in sechs Sprachen integriert. Sechs Monate hat die Anbindung in das Hybris-Shop-System inklusive ergänzender Umbauarbeiten, ­etwa der Katalogseiten, gedauert.

Seither kann Wessels die Suche über ­alle Shops hinweg inklusive Datenexport in weniger als 40 Minuten aktualisieren, was den Betrieb deutlich erleichtert. Auch mit der Performance der Such-Server ist er sehr zufrieden. Zudem entlastet das automatische Ranking nach aktuellen fachlichen Gegebenheiten die Shop-Manager.

Ursprünglich hatte Wessels die Eigenentwicklung einer Suchlösung auf Basis der Open-Source-Lösung "Solr" geplant. Nach einer Nutzwertanalyse entschied sich das Unternehmen aber dagegen. "Ausschlaggebend für das Nein waren die aufwendige Konfiguration des Rankings ohne Automatismen, fehlende moderne Features, die wir bei Bedarf selbst nachimplementieren müssten, und eine mangelnde Support-Unterstützung", betont Wessels. 

Eigenentwicklung nur, wenn sie wirklich nötig ist

Tatsächlich ist eine Eigenentwicklung ein Projekt, das gut überlegt sein sollte. "Nur wenn die wirklich benötigten und geschäftsrelevanten Funktionen nicht durch eine erweiterte Suchtechnologie eines ­externen Anbieters zur Verfügung gestellt werden können, ist dieser Schritt zu überlegen", so Dirk Hörig von Commercetools. Dies könne der Fall sein, wenn ein Anbieter ein spezielles Geschäftsfeld bediene. ­Generell sei eine Eigenentwicklung nicht zu unterschätzen: "Ein eigenes Team dafür sollte man sich leisten können", so Hörig.

Sebastian Knebel von Aperto betont, dass das Rad nicht neu erfunden werden müsse: "Eigenentwicklungen können auf einer existierenden Suchtechnologie aufsetzen. Hier bieten sich die frei verfügbaren und beliebig anpassbaren Open-Source-Lösungen Solr und Elasticsearch an."

Produktdatenqualität ist das größte Problem

Das größte Problem ist oft aber gar nicht die eingesetzte Such-Lösung, sondern die Art und Qualität der dahinter liegenden Produktdaten. "Die größte Herausforderung war es, die eigenen Daten so aufzubereiten, dass wir die umfangreichen Möglichkeiten von Findologic optimal nutzen können", erinnert sich Franziska Eseka von Klebefieber.de. Und Matthias Richter ergänzt: "Die bei uns vorhandenen Artikelbeschreibungen sind teilweise mit technischen Fachbegriffen geschrieben. Die Endkunden suchen aber nach ganz anderen Begriffen." Seine Empfehlung: die Suche immer wieder auswerten und um Synonyme ergänzen, um die Trefferquote zu steigern.

Übrigens: Von den deutschen Shop-Betreibern sind 30 Prozent unzufrieden mit ihrer Shop-Suche, so eine Studie von ibi Research. Die Mehrheit vertraut auf eine Such-Lösung eines Drittanbieters und ist mit dem eingesetzten Tool auch zufrieden.

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