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Saat geht auf

Rückschau auf Neugründungen Das ist aus den Tech-Projekten 2019 geworden

shutterstock.com/Singkham
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Neue Projekte, Anwendungen und Neugründungen sowie gesetzliche Vorgaben: Im Laufe des Jahres wurde Vieles angekündigt und gestartet. Was ist in den vergangenen Monaten daraus geworden?

Unzählige Meldungen über geplante Projekte, neu gegründete Unternehmen, neue Services und Anwendungen landen jedes Jahr auf den Schreibtischen der Redaktion. Über etliches davon haben berichtet. Jetzt, zum Jahresende, ist es an der Zeit, noch einmal einen Blick darauf zu werfen, was daraus geworden ist. 

Wir haben bei vier Projekten nachgefragt: Bei der Beauty-Booking-Plattform der Parfümeriekette Douglas, der Mobile App "VR Star" der Volks- und Raiffeisenbank Südliche Weinstraße-Wasgau, der Start-up-Plattform "Startbase" der Börse Stuttgart und des Bundesverbands Deutsche Start-ups und dem Stand zu Jugendschutz im Weinhandel.

1. Douglas Beauty Booking 

Im April 2019 hat die Parfümeriekette Douglas eine Beauty-Booking-Plattform gestartet.

Das Konzept: Über die Plattform können Kundinnen, die über die Kundenkarte "Douglas Beauty Card"verfügen, Services von Premiumpartnern aus den Kategorien Friseur­salon, Kosmetik- und Nagelstudios direkt mit Termin buchen. Zum Start war das Angebot auf Berlin beschränkt, 80 Partner waren angebunden.

Das Ziel: Kundenbindung durch Mehrwert, indem die Kundinnen leichter einen passenden Salon finden und bei der Buchung zudem Bonuspunkte sammeln können. Die Salons und Studios bekommen im Gegenzug ­Zugang zu einer neuen Kundengruppe. 

Stand nach acht Monaten: In Berlin ist die Zahl der Partnersalons auf rund 100 angewachsen. Damit liegt die Plattform im Plan, bis zum Jahresende hatte Douglas eine dreistellige Zahl an Partnern anvisiert. Parallel wurde das Angebot räumlich ausgeweitet. Seit Oktober sind auch Angebote von etwa 40 Partnern in Düsseldorf über die Plattform buchbar. 

Konkrete Nutzungszahlen verrät Douglas nicht. Jessica Koch, als Director New Business bei Douglas zuständig für das Projekt, freut sich jedoch über die bishe­rige Entwicklung: "Wir sind mit der Anzahl der Nutzerinnen und dem Wachstum der Buchungsrate sehr zufrieden. Auch von den Premiumdienstleistern und den ­Industriemarken wird der Servicemarktplatz gut angenommen", so Koch. Die Partnersalons würden vor allem die Sichtbarkeit für neue Kundengruppen schätzen. Zu den großen Herausforderungen gehört für Koch neben der Ausmerzung "technischer Kinderkrankheiten" vor allem "die individuelle Betreuung aller Partner bei einem so gigantischen Projekt". Zu Geld macht Douglas die Plattform noch nicht, das Unternehmen arbeitet derzeit an einem Provisionsmodell, bei dem die Salons für die Buchungen bezahlen. 

Dennoch scheint sich das Projekt für Douglas zu lohnen. Die Plattform soll im kommenden Jahr weiter ausgebaut werden. Vorgesehen ist, im Frühjahr 2020 ­eine dritte Stadt aufzunehmen, welche, will Douglas noch nicht preisgeben. ­Außerdem sollen - wie beim Start bereits angedacht  - im kommenden Jahr die  angebotenen Kategorien erweitert werden, beispielsweise um die Bereiche Haarentfernung, Massage oder Spa.

2. Start-up-Partnerbörse "Startbase" aus

Im Februar 2019 haben der Bundesverband Deutsche Start-ups und die Börse Stuttgart die Gründung der Start-up-Plattform "Startbase" angekündigt.

Das Konzept: Auf Basis der bestehenden Plattform "VentureZphere" der Börse Stuttgart soll "Startbase" als Anlaufstelle für Start-ups und Investoren entstehen. Junge Unternehmen aller Branchen und Gründungsphasen können ihr Profil auf der Plattform hinterlegen. Ebenso können sich Kapitalgeber und Organisationen, die Start-ups unterstützen, dort präsentieren. Über verschiedene Filter können Start-ups und Investoren nach geeigneten Kandidaten für eine Partnerschaft suchen. Zusätzlich soll die Plattform die Vernetzung beider Seiten auch bei Offline-Events wie etwa Award-Veranstaltungen fördern. 

Das Ziel: Ein Ökosystem für Start-ups, internationale Investoren, Multiplikatoren und unterstützende Organisationen schaffen, um einerseits mehr Transparenz in die deutsche Start-up-Landschaft zu bringen und den Start-ups andererseits die Partnersuche zu erleichtern.

Stand nach zehn Monaten: Im September 2019 wurde Startbase offiziell gegründet. Bis dahin waren auf der Vorgängerplattform „VentureZphere“ rund 500 Start-ups vertreten. Mittlerweile präsentieren sich rund 900 Start-ups auf Startbase. Dazu kommen circa 200 Investoren und Unternehmen, die sich nach geeigneten Partnern umschauen. "Wir hatten eher mit einer Wachstumsrate von zehn bis 20 Prozent gerechnet. Aktuell sind wir bei 45 Prozent", freut sich Marc Mehlhorn, als Leiter von Stuttgart Financial bei der Vereinigung Baden-Württembergische Wertpapierbörse zuständig für das Projekt. 

Seit dem Start gab es bereits mehr als 50 Kontaktanbahnungen zwischen Start-ups und Investoren, 30 zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen. Diese sind meist auf der Suche nach innovativen Technologien. Aus Datenschutzgründen kann die Plattform allerdings nicht nachvollziehen, ob sich daraus tatsächlich eine Zusammenarbeit ergeben hat. 

Die Verknüpfung mit Offline-Events steckt noch in den Kinderschuhen. Bisher ist eine geobasierte Suchmaschine verfügbar, die ortsbezogen Start-up-Events anzeigt. Angedacht ist, künftig technische Lösungen zur Verfügung zu stellen, die Organisatoren regionaler Events unterstützen können. Denkbar ist beispiels­weise ein Tool, mit dem ein Award-Veranstalter anhand bestimmter Filterkriterien eine Vorauswahl-Liste mit geeigneten Kandidaten für seinen Preis zusammenstellen kann. Auf der anderen Seite könnten Start-ups künftig ihr hinterlegtes Profil automatisch als Basis für eine Bewerbung um einen Award verwenden. 

Die Nutzung der technischen Infrastruktur der Plattform soll später teilweise ­etwas kosten. "Die kostenpflichtigen Aktivitäten laufen jetzt erst an. Als gemeinwohlorientierter Verein genügt es, wenn wir kostendeckend arbeiten", erklärt Mehlhorn. Bis zum Jahresende 2020 möchte er 2.500 Start-ups auf der Plattform zählen. Das wäre dann gut ein Viertel der in Deutschland geschätzten 8.000 Start-ups. Daneben soll der Content auf Startbase ausgebaut werden, dafür suchen die Initiatoren noch Partner. 

3. Banking-App "VR Star"

Die VR Südliche Weinstraße-Wasgau hat im Juli 2019 ihre Mobile App "VR Star" auf den Markt gebracht.

Das Konzept: Die App bietet nicht nur Banking-Ser­vices, sondern dient auch als regionale Informations- und Werbeplattform. Geschäftspartner der Volks- und Raiffeisenbank, also beispielsweise stationäre Händler, Restaurants, Friseure und Autowerkstätten, können in der App spezielle Aktionen wie Rabatte oder Produkt-Bundles Kunden anbieten. Veranstalter können ihr Event bewerben und auch das Ticketing direkt über die App abwickeln.

Das Ziel: Als regionale Bank vom digitalen Wandel profitieren, indem für Geschäftskunden eine regionale Werbeplattform und für Verbraucher Mehrwert geschaffen wird.

Stand nach vier Monaten: Die App wurde fast 2.000 Mal herunter­geladen. Erste Befragungen der Nutzer haben ergeben, dass diese die App mindestens einmal täglich öffnen - vor allem um sich die neu eingestellten Top-Angebote der sogenannten Plus-Partner anzusehen. Daneben interessieren sich die Nutzer am meisten für die Veranstaltungstipps und die Immobilienangebote. 

Auch die Geschäftspartner nehmen das Angebot an: "Von unseren derzeit knapp 330 Plus-Partnern der Bank sind 90 Prozent mit ihren Vorteilsaktionen und ­Rabatten in der App vertreten", freut sich Timo Memmer, Bereichsleiter Unternehmensentwicklung bei der VR Bank. So hat beispielsweise ein Bäcker ein spezielles Brot zum  Angebotspreis beworben, ein Bistro hat eine Tagessuppe präsentiert, ein Schuhgeschäft einen 20-Prozent-­Rabatt auf alle Sneaker gewährt. "Die Rückmeldungen unserer gewerblichen Kunden sind sehr positiv, da sie auf diesem Weg bereits Neukunden gewinnen konnten", so Memmer. 

Die VR Bank stellt die App unter der Bezeichnung "Couchbutler" auch als Lizenzprodukt für andere Banken zur Verfügung. Erste Lizenzierungen stehen Memmer zufolge kurz vor dem Abschluss. Insgesamt haben sich die Erwartungen der VR Bank mehr als erfüllt, die App soll nun weiter ausgebaut werden. So werden Vereine ­ihre Veranstaltungen  künftig selbst eintragen können. Außerdem arbeitet das Unternehmen an einer Stele, die in Bankfilialen oder bei Partnerunternehmen ­aufgestellt werden kann und über die ­Interessierte die App nutzen können.

4. Altersverifikation beim Weinversand

Urteil des Landgerichts Bochum im Januar 2019, wonach beim Online-Bestellen und beim Versand von Alkoholika eine Altersüberprüfung sicherzustellen ist. 

Inhalt und Folgen des Urteils: Das Landgericht Bochum hat Paragraph 9 des Jugendschutzgesetzes so ausgelegt, dass der Fernabsatz als "virtueller öffentlicher Raum" zu werten sei, so dass der im konkreten Fall beklagte Weinhändler sicherstellen müsse, dass nur Personen mit dem entsprechenden Mindestalter die Getränke bestellen und bei der Zustellung entgegennehmen dürfen. 

Das Urteil sorgte für Unruhe in der Branche, da sie sich bisher auf eine Entscheidung des Landgerichts Koblenz von 2007 gestützt hatte, wonach die Gesetzesformulierung "sonst in der Öffentlichkeit" nicht für den Online-Handel gelte und daher keine Altersverifikation nötig sei. In der Folge erhielten etliche Winzer mit Online-Shop E-Mails mit der Aufforderung, eine Altersprüfung einzuführen, anderenfalls würde Klage gegen den Winzer eingereicht. Die Absender dieser Mails waren nicht erkennbar. 

Stand nach elf Monaten: Rechtsanwälte und Branchenbeobachter stellen fest, dass sich unter dem Strich nicht viel geändert hat. Auch wenn durch das Urteil Rechtssicherheit dahingehend herrscht, dass beim Verkauf von Alkoholika eine Altersüberprüfung erforderlich ist, verzichten nach wie vor viele Online-Händler auf eine wirkliche Überprüfung der Identität des Bestellers und einen Alters-Check bei der Zustellung. Der Großteil beschränkt sich auf eine Altersabfrage im Bestellprozess, was jedoch nicht ausreicht. Hauptgrund dafür ist die Furcht der Händler, ein rechtlicher sauberer Prozess gehe zulasten der Nutzerfreundlichkeit und damit der Conversion Rate. Außerdem verursacht die Prüfung zusätzliche Kosten. 

Eine Zunahme an Abmahnungen war dennoch nicht zu beobachten, auch weitere Klagen - wie von den dubiosen E-Mail-Verfassern angedroht - erfolgten nicht. "Es ist weniger passiert, als man hätte erwarten können", resümiert Frieder Schelle, Team Leader Legal Consultants bei Trusted Shops. Allerdings ist seiner Meinung nach das Risiko beim Verkauf ohne Altersverifikation größer geworden. Schelle empfiehlt daher wie auch die IT-Recht Kanzlei in München eine rechtskonforme Prüfung einzubinden.

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