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Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner

Handel in der Innenstadt Münchner Wirtschaftsreferent Baumgärtner: "Die aktuelle Lage ist beschissen"

CSU
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Clemens Baumgärtner ist seit März 2019 Wirtschaftsreferent der Stadt München. Zu seinen politischen Anliegen gehört es, die Attraktivität des Einkaufens in der City zu steigern. Doch Corona hat auch hier viel durcheinandergewürfelt.

Die Bestellung des Juristen Clemens Baumgärtner zum Referenten für Arbeit und Wirtschaft vor zwei Jahren kam für viele in der bayerischen Landeshauptstadt überraschend. Der CSU-Mann war zuvor noch nicht durch hohe Parteiämter aufgefallen. Baumgärtner übernahm eine Stadt mit soliden Wirtschaftsdaten - und muss sie jetzt durch die Krise begleiten.

Im Rahmen der Commerce Week 2021 stellt sich Baumgärtner am Freitag, dem 12. März, den Fragen der Redaktion. Im Live-Studiogespräch wird es unter anderem darum gehen, wie sich Stadtkerne neu erfinden müssen und welche Rolle der Handel in der Innenstadt von morgen spielt​. Die Teilnahme am Online-Kongress rund um den digitalen Handel ist nach Anmeldung kostenlos: Weitere Informationen zur Commerce Week 2021

Wie der 44-jährige Baumgärtner den Einzelhandel in der Münchner Innenstadt stärken will, hat er vorab schon einmal in einem Exklusiv-Interview skizziert.

Herr Baumgärtner, wie steht der Einzelhandel in München im Moment da?

Clemens Baumgärtner:
Wenn man mal durch die Brienner Straße - mitten im Herzen der Stadt - läuft, dann sieht man fünf Läden leer stehen, jetzt schon. Darunter solch prominente Namen wie Nymphenburg Porzellan. Also, das ist schon beeindruckend. Dennoch glaube ich, dass in den 1a-Lagen der Einzelhandel immer seinen Platz haben wird. Besonders erklärungsbedürftige Waren, ich denke mal an Mode, lassen sich nur begrenzt im Internet kaufen. Dazu kommt, dass München in der Innenstadt nicht nur Einzelhandel hat, sondern - noch - viel Gastronomie, aber auch Kultur, Museen, historische Gebäude und vieles mehr. 

Welchen Einfluss hat die aktuelle Corona-Krise auf die Lage?

Baumgärtner:
Wir haben in München noch eine lebendige, interessante Innenstadt, die durch die Krise sicherlich Dellen bekommt, die sicherlich in eine verschärfte Wettbewerbssituation mit dem Online-Handel kommt. Dennoch wird der Einzelhandel in München bestehen bleiben. Der momentane Rückgang im Einzelhandel in München ist nach meiner Überzeugung ein temporärer. In die leerstehenden Erdgeschoss-Flächen in den 1a-Lagen werden andere Mieter einziehen, vielleicht auch zu anderen Preisen. Das bedeutet aber nicht, dass wir jetzt einfach abwarten und die Hände in den Schoß legen können. Wir müssen die Entwicklung aktiv begleiten. Dabei haben wir allerdings auch einige Risiken.

Welche sind das genau?

Baumgärtner:
Die Risiken sind vor allem in der Politik verortet. Die Mehrheit im Münchner Stadtrat propagiert ja die autofreie Innenstadt. Da stellt sich die Frage, ob wirklich jeder mit dem ÖPNV, dem Fahrrad oder zu Fuß in die Innenstadt kommen will. Und welchen Anteil hat der Auto fahrende Kunde am Umsatz? Ich möchte als Beispiel Ingolstadt nennen. Dort hat man die Altstadt autofrei gemacht und sucht jetzt händeringend nach Einzelhändlern, die dort ihr Geschäft betreiben wollen.

Welche Rolle kann das Referat für Wirtschaft und Arbeit für die Belebung der Innenstadt spielen?

Baumgärtner:
Im Grunde geht es um die Incentivierung der Innenstadt. In der Innenstadt einzukaufen, darf nicht nur ein schnödes Bedürfnis befriedigen, etwa nach einem neuen Anzug oder einem Kochtopf, sondern es muss ein Erlebnis sein. Das Erlebnis sieht idealerweise so aus, dass man in die Innenstadt kommt, dort etwas einkauft, es irgendwo parkt und danach noch mit der Familie oder mit Freunden etwas essen geht, danach noch ins Kino oder in die Oper. Diese Agglomeration an Freizeitmöglichkeiten muss die Münchner Innenstadt auch in Zukunft bieten, und das ist unser Job hier.

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