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Digitaler Handel 05.04.2016
Frau nimmt Maße einer anderen Frau
Digitaler Handel 05.04.2016

Größenprobleme im E-Commerce

E-Commerce: Größe zeigen im Online-Shop

Fotolia.com/Adam21
Fotolia.com/Adam21

Die Größenangaben der Hersteller unterscheiden sich, was im E-Commerce die Retourenquote erhöht. Diverse Tools helfen den Kunden, die richtige Passform zu finden.

Mit Schiebereglern senkt Sportscheck die Retourenquote. Der Händler von Sportsachen hat die Software von Fitanalytics integriert. Bei Wanderjacken, Hosen und Schuhen prüft der Käufer so, ob die Größe stimmt. Dazu gibt er per Schieberegler Körpergröße und Gewicht ein - und ­sofort folgt die Empfehlung: "Die Größe M wurde von 84 Prozent der Kunden mit identischen Angaben zu Größe und Gewicht gekauft und nicht zurückgeschickt."

Lösungen für Größenprobleme im E-Commerce

Wie Fitanalytics, True Fit, Virtusize oder Fits.me versuchen etwa ein Dutzend weiterer Unternehmen, die Größenprobleme im E-Commerce zu lösen. Sie entstehen, weil sich Mode- und Schuhhersteller nicht an Standardgrößen halten und ihre Schnitte mal großzügiger, mal genauer bemessen. Außerdem kennen auch die Kunden ihre Maße nicht. Sie bestellen daher keine Kleidung online oder von ­einem Stück gleich mehrere Größenvarianten: Beides gefällt dem Handel nicht.

"Falsche Passform und Größe sind die wichtigsten Gründe für den Rückversand", sagt Sebastian Schulze, Geschäftsführer von Fitanalytics aus Berlin. Mit den Werkzeugen zur Größenempfehlung lassen sich Retourenquoten um bis zu 50, 60 Prozent senken, außerdem steigt damit die Zahl der Kaufabschlüsse. Die ­Geschäftsmodelle der Anbieter ähneln sich: Sie nehmen bis zu 15 Prozent Provision von den Verkäufen. Noch zeigen erst einige Händler Größe im Shop und setzen auf die Tools.

Tools waren früher zu kompliziert

Vor wenigen Jahren waren diese nämlich für Kunden noch kompliziert. So ­basierte etwa Upcload, das erste Tool, das Schulze und sein Team entwickelten, auf Fotos per Webcam, für die die Nutzer den Laptop und sich selbst exakt ausrichten und mit einer CD posieren mussten - "für Kleidung von der Stange ein zu hoher Aufwand", so Schulze. "Maßschneider wie Hemdwerk.de und ihre Klientel schwören auf die Genauigkeit von Upcload."

Heute vereinfacht und beschleunigt die Datenanalyse die Größenempfehlungen: Fitanalytics etwa zieht Kauf- und Retourenerfahrungen heran und gleicht sie mit den individuellen Maßen ab. Daraus lassen sich sogar Prognosen für Eltern ableiten, wie lange dem Nachwuchs der Pullover einer Größe passen wird. Auf ähnliche Daten aus dem Backoffice greift auch der Größen- und Modeberater von Otto-Tochter Sheego zurück sowie Zalando für die Einschätzung, wie Schuhmodelle ausfallen. "Die Modeberatung wird gern genutzt", berichtet Anastasia Lazaridou, Shop-Managerin von Sheego. "Kundinnen, die es nutzen, verweilen länger bei Sheego.de."

True Fit wiederum verarbeitet Herstellerangaben mit Retourendaten und nennt den Kunden Marken mit ähnlicher Schnittführung. Mit weiteren Angaben zu Figur und Maßen verbessert sich die Einschätzung. Fits.me und Virtusize indes basieren auf Bild­datenbanken und verarbeiten dazu Absatzzahlen. Die Kunden messen sich oder gut sitzende Kleidung aus, die Tools vergleichen diese Angaben mit Hersteller­maßen und zeigen anhand von Skizzen, in welchen Größen ein Hemd oder ein Kleid ­enger anliegt oder weiter sitzt.

Die Technik schreitet fort: Zu erwarten ist, dass die genannten und andere Tools Größenfragen bald noch besser lösen werden - Rundumkameras und Virtual Rea­lity liefern nämlich noch mehr Daten.

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