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Server Side Tracking

Alternativen zu Third-Party-Cookies Server-seitiges Tracking: "Die Gewaltenteilung im Internet"

Shutterstock/Jossnat
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Third-Party-Cookies werden zum Auslaufmodell, stattdessen versuchen die GAFAs Alternativen zu etablieren. Ein Interview mit Klaus Müller vom österreichischen Start-up Jentis zeigt: Es gibt auch noch einen anderen Weg.

Hybrid Tracking nennt sich die Dienstleistung, die das Wiener Start-up Jentis seit Anfang des Jahres 2020 anbietet. Sie soll Website-Betreibern die Hoheit über ihre Kundendaten sichern und gleichzeitig einen datenschutzkonformen Einsatz aller gängigen Analysetools erlauben.

Warum Client Side Tracking zu Scheitern verurteilt ist und Server Side Tracking die Zukunft ist, hat uns Jentis-Geschäftsführer und Mitbegründer Klaus Müller im Interview erklärt.

Herr Müller, Sie haben selbst jahrelang bei Google gearbeitet…

Klaus Müller:
Ja, ich habe den Gorilla von innen gesehen.

… was ist denn eigentlich das Problem an Produkten wie Google Analytics?

Müller:
Von Jahr zu Jahr werden die Datenabweichungen größer. Das, was Google dem Website-Betreiber an Nutzerdaten zurückliefert, wird immer ungenauer. Das hat drei Gründe: Der erste liegt im Sterben des Third Party Cookies. Microsoft, Mozilla und Apple erlauben ihren Browsern nicht mehr, Third Party Cookies zu speichern, nur Googles Chrome-Browser macht das noch, aber auch nicht mehr lange. Diese Daten fehlen jetzt als klassische Audience-Informationen und müssen durch eigene First Party Daten erst einmal selbst erfasst und danach veredelt werden. Hinzu kommen Tracking-Präventionen (ITP/ETP/TP), die die Customer Journey von wiederkehrenden Website-Besuchern nach sieben bis 24 Stunden unmöglich machen – ein Horror für die Attribution der Werbeinvestitionen. Und dann sind die Daten, die Google den Website-Betreibern zurückliefert, nachdem es sie zuerst über ein Javascript ausgelesen hat, sehr stark aggregiert – was einen extremen Informationsverlust bedeutet.

Und was wollen Sie daran ändern?

Müller
: Wir wollen dem Website-Betreiber die Hoheit über die Daten, die Kunden auf seinem Angebot durch Interaktion erzeugen, zurückgeben. Denn diese Daten stammen aus seiner direkten Kundenbeziehungen und gehören nicht Google oder anderen Tracking-Diensten. Gleichzeitig versetzen wir ihn in die Lage, überhaupt datenschutzkonform zu agieren, denn die DSGVO untersagt die Weiterleitung von personenbezogenen Daten an Dienste mit Ursprungssitz in Drittländern, in denen es kein vergleichbares Datenschutzniveau gibt, wie zum Beispiel die USA aufgrund des US Cloud Act. Und nach Auffassung europäischer Richter ist auch eine IP-Adresse solch ein personenbezogenes Datum, selbst wenn sie jeden Tag wechselt.

Klaus Müller Jentis

Klaus Müller ist CEO des Tracking-Start-ups Jentis

Jentis

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