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Data und Analytics 20.11.2019
Cloud Computing Wolke
Data und Analytics 20.11.2019

Kommentar

Pro und Kontra Gaia-X

Fotolia.com/bluebay2014
Fotolia.com/bluebay2014

Die Pläne für eine europäische Cloud-Infrastruktur, Projektname Gaia-X, stoßen auf Unterstützung und auf Kritik.

Das Bundeswirtschaftsministerium hat beim Digitalgipfel Ende Oktober 2019 ein Konzept für eine europäische Cloud-Infrastruktur vorgestellt. Der Projektname dafür lautet Gaia-X, 2020 soll das Konzept umgesetzt werden. Die Reaktionen der Digitalbranche darauf fielen sehr unterschiedlich aus.

"Wir brauchen keine Insellösung", meint beispielsweise Arne Schmidt, Mitgründer der Teal AI AG, der das Konzept für Gaia-X insgesamt zu unkonkret findet. Ionos, Anbieter von Hosting-Dienstleistungen und Cloud-Infrastruktur und Teil der United-Internet-Gruppe, hat hingegen entschieden, sich an Gaia-X zu beteiligen. "Es muss einen europäsichen Gegenpol zu den Hyperscalern aus Asien und den USA geben", argumentiert Rainer Sträter, Head of Global Platform Hosting bei Ionos.

Das sind die Pro- und Kontra-Antworten auf die Frage von INTERNET WORLD BUSINESS:

Halten Sie das Ziel von GAIA-X, eine sichere und vertrauenswürdige Dateninfrastruktur für Europa aufzubauen, für ein sinnvolles Projekt?

Pro-Gaia-X: "Es muss einen europäischen Gegenpol geben"

Rainer Straeter Ionos

Rainer Sträter, Head of Global Platform Hosting bei Ionos

Ionos

Rainer Sträter ist Head of Global Platform Hosting bei Ionos. Ionos by 1&1 ist ein zur United-Internet-Gruppe gehörender europäischer Anbieter von Hosting-Dienstleistungen, Cloud-Services und Cloud-Infrastruktur. Sträter ist aus diesen Gründen für Gaia-X:

"Wir sind fest davon überzeugt, dass es einen europäischen Gegenpol zu den Hyperscalern aus Asien und den USA geben muss. Das Thema Datenschutz - etwa Stichwort Cloud Act - ist gerade für deutsche Mittelständler heute oft der Hauptgrund, sich ­gegen die Nutzung von Cloud Computing zu entscheiden. In Europa gibt es viele starke Gaia-X als Gemeinschaftsinitiative der richtige Weg.

Wir brauchen ­gemeinsame Standards und Schnittstellen für Cloud-Plattformen, damit Firmen die Sicherheit haben, dass sie in der Cloud gespeicherte Daten und Anwendungen ohne viel Aufwand von einem Anbieter zum anderen umziehen können. Wie dann die Ausgestaltung der einzelnen Cloud-Lösungen aussieht, wird jeder Anbieter für sich ­entscheiden. Wir haben uns intensiv mit Gaia-X beschäftigt und entschieden, uns aktiv an dem Projekt zu beteiligen."

Kontra-Gaia-X: "Wir benötigen keine infrastrukturellen Insellösungen"

Arne Schmidt TEAL

Arne Schmidt, Mitgründer der Teal AI AG

Teal AI

Arne Schmidt ist Mitgründer der Teal AI AG. Teal ist ein Start-up, das mithilfe von künstlicher Intelligenz und einer Blockchain-Infrastruktur einen smarten Blockchain-Marktplatz umsetzt. Schmidt kritisiert folgendes an Gaia-X:

"Nach den aktuell vorliegenden Informationen hierzu ein klares 'Nein'. Wir benötigen keine weiteren infrastrukturellen Insellösungen, die sich auf politische oder territoriale Hoheitsgebiete stützen - zumal wenn diese so unkonkret sind, dass selbst die verantwortliche Regierung das Konzept nicht einheitlich erklären kann. Hinzu kommt, dass wir einen Zehnjahresvorsprung der globalen Wettbewerber erst einmal aufholen müssten. Ob das funk­tioniert, halte ich für fraglich. Business funktioniert heute grenzüberschreitend. Wenn große Anbieter besser und günstiger sind und weiterhin Innovationen auf den Markt bringen, werden außereuropäische Geschäftspartner ein Pochen auf Gaia-X eher als Nachteil wahrnehmen. Auf der Basis dessen, was aktuell über Gaia-X bekannt ist - eine ­Insellösung mit undefinierter Datensouveränität unter dem Dach einzelner Staaten und in Zusammenarbeit mit einigen wenigen Unternehmen -, scheint sich mir dieses Konzept für keinen Industriezweig anzubieten."

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