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Data und Analytics 10.08.2016
André M Bajorat Figo Fintech
Data und Analytics 10.08.2016

André M. Bajorat, CEO von Figo

API-Banking: Ein komplett neuer Markt

André M. Bajorat, CEO von Figo

Figo

André M. Bajorat, CEO von Figo

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API-Banking, Banking-as-a-Service - diese Schlagworte prägen die Fintech-Branche. Im Interview erklärt André M. Bajorat, Geschäftsführer des Fintechs Figo, warum sich der Markt grundlegend wandelt.

Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht ein neues Fintech für Schlagzeilen sorgt, eine Bank eine neue App launcht, ein neuer Service zum Abheben, Verwalten oder Anlegen von Geld auf den Markt kommt - immer mit dem Versprechen, alles bequemer und leichter für den Kunden zu machen. Keine Frage: Die Digitalisierungswelle hat die Finanzbranche erfasst und bringt Bewegung in den Markt.

Die Stichworte dazu lauten API-Banking und Banking-as-a-Service, kurz BaaS. Unter API-Banking versteht man Banking-Anwendungen, die über eine API, also eine standardisierte Schnittstelle, auf die für den Service nötigen Daten der Finanzdienstleister zugreifen. Ziel ist die einfache und schnelle Integration von Banking-Funktionen in die Services Dritter. Ein Anbieter aus dem Bereich API-Banking ist das 2012 in Hamburg gegründete Fintech Figo. Im Gespräch erklärt Figo-Geschäftsführer André M. Bajorat, welche Dienste Figo anbietet. 

Herr Bajorat, was genau macht Figo?
André M. Bajorat:
Wir sind eine Banking-API, verstehen uns aber gleichzeitig auch als Banking-as-a-Service-Plattform. Denn wir stellen unseren Kunden eine komplette Software-Architektur zur Verfügung, mit der sie auf die von uns angebunden Banken zugreifen zu können, ohne sich selber mit dem ganzen Thema Anbindung beschäftigen zu müssen. Auf diese Weise können sie eigene Finanz-Services anbieten.

Was macht API-Banking so spannend?
Bajorat: Verschiedene Dinge. Banking war über lange Zeit gefangen in den Silos von Banken. Das war eine völlig abgeschottete Welt. Ich als Kunde konnte gar nicht darüber entscheiden, ob und wie ich mein Online-Banking an anderer Stelle nutzen möchte. Zum Beispiel, dass ich als Freiberufler in dem Tool, über das ich meine Rechnungen schreibe, auch die Inhalte meines Online-Bankings angezeigt bekomme. Das hat sich komplett gedreht: Durch die Zunahmen cloudbasierter Dienste und Apps haben mein Bankkonto und meine Bankdaten eine ganz neue Relevanz bekommen. Ich kann meine bestehende Online-Banking-Daten einsetzen, um andere Services zu nutzen, so wie ich eine Kreditkarte auch nutzen kann, um Dienstleistungen wie etwa eine Hotelbuchung abzusichern. Da kommt plötzlich einer neuer Kontext in das Thema Banking rein. Und dafür brauch es moderne APIs.

Dazu kommt, dass die Ende 2015 verabschiedete EU-Richtlinie PSD2 Banken verpflichtet, ihre Infrastruktur zu öffnen. Das forciert das Aufbrechen der Banken-Silos und damit auch ein neues 'Banking im richtigen Kontext'. Wir werden in den nächsten Jahren mehr und mehr bankeninfrastrukturgetriebene Payment- und Banking-Lösungen sehen. Außerdem wird ein komplett neuer Markt für Bankdaten entstehen, die ich als Kunde selbst für bestimmte Dienste freigebe. Das macht API-Banking so spannend.

Welche Banken kann Figo anbinden?
Bajorat: Da wir in Deutschland neben anderen Technologien auch auf die in den 90er-Jahren eingeführte HBCI-Schnittstelle (Home Banking Computer Interface) zurückgreifen können, haben wir in Deutschland eigentlich alle relevanten Banken angebunden.

Und im Ausland?
Bajorat: Im Frühjahr sind wir in Österreich gestartet. Dort haben wir momentan 75 bis 80 Prozent der Banken angebunden und werden immer besser. Und dann wollten wir jetzt eigentlich im August oder September nach England gehen. Aber das haben wir jetzt erst einmal gebrexit und auf Eis gelegt. Stattdessen sind wir gerade dabei, Holland vorzubereiten. Das Ganze hat eine europäische Dimension: Die PSD2 ist ein europäische Regelung, insofern ist API-Banking kein nationales, sondern ein europäisches Spiel. Wir haben im größten Markt, nämlich in Deutschland angefangen, und schauen jetzt, welche Länder wir nach und nach angehen.

Welche Bankdaten stehen denn zur Verfügung?
Bajorat: Grundsätzlich ist alles, was im Online-Banking sichtbar ist, über die API abrufbar, also Girokonto, Umsätze, Kontostände, Depots, Sparkonten, Darlehensverträge und so weiter. Natürlich immer unter der Voraussetzung, dass der Kunde zustimmt. Sehen Sie, da gibt es eine Tür in die Bank, das ist das Online-Banking, und den Schlüssel hat der Kunde. Er entscheidet, wem er den Schlüssel gibt, um die Tür aufzuschließen und seine Daten in seinem Sinne zu nutzen. Wir haben einen hohen Anspruch an Datenhoheit und Datensouveränität des Kunden. Wenn der Use-Case überzeugend ist, sieht der Kunden den Vorteil, den er von der Nutzung seiner Daten durch Dritte hat.

Anwendungsbeispiele von Figo

Können Sie mir ein, zwei Anwendungsbeispiele von Figo nennen?
Bajorat: Gemeinsam mit der Deutschen Bank entwickeln wir gerade eine Multi-Bank-Aggregation. Das heißt, dass Sie als Kunde der Deutschen Bank entscheiden können, ob Sie in Ihrer Banking-App auch Ihre weiteren Bankbeziehungen im Online-Banking der Deutschen Bank angezeigt bekommen möchten. Das kann ein Sparkassen-Konto sein, aber auch ein Paypal-Konto, eine Lufthansa-Miles & More-Kreditkarte oder sogar ein Numer26-Konto. Ein anderer Use-Case ist Payback: Dort sind wir zur Kontoverifikation eingebunden. Will ein Nutzer sein Koto bei Payback Pay hinterlegen, dann klopfen wir einmal kurz bei seinem Online-Banking-Konto an und fragen nach, ob es dieses Konto gibt. Dann muss der mit der Eingabe seiner PIN noch bestätigen, dass es sein Konto ist. So wird das Konto verifiziert.  Wir haben mittlerweile mehr als 800 Projekte und Developer auf unserer Plattform.

Wie funktioniert das konkret, zum Beispiel bei der Deutschen-Bank-App? Wann gibt der Kunde seine Zustimmung zur Nutzer der Daten?
Bajorat: Direkt in der App. Dort bekommt er die Option, ein weiteres Konto hinzuzufügen. Dann wird abgefragt, welches Konto bei welcher Bank oder Paypal er hinzufügen möchte. Anschließend wird der Nutzer nach Online-Banking-Zugangsdaten des jeweiligen Institut oder nach seinem Paypal-Login gefragt, die er dann freigibt.

Wer steht hinter Figo?
Bajorat: Das ist hier in Hamburg ein Team von mittlerweile etwas über 30 Menschen. Als Investoren stehen einige Business Angels dahinter, ich zum Beispiel, dann Jörg Heilig, ein Vice President von Google, und Carlo Kölzer, der Gründer der devisenplattform 360T, und der größte deutsche Frühphasen-Investor, der Hightech-Gründerfonds.

Wie finanziert sich Figo?
Bajorat: Wir stellen unsere Dienstleistung denen in Rechnung, die unsere Software nutzen, also beispielsweise der Deutschen Bank. Die Preisstruktur ist degressiv mit der Nutzung, das heißt, die Preise fangen relativ hoch an und gehen mit zunehmender Nutzung nach unten. Die Abrechnung geschieht entweder auf User-Basis oder auf Transaktionsbasis, individuell pro Kunde. Das sind jeweils ein paar Cent, die wir da abrechnen.

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