Technik 15.12.2010, 15:33 Uhr

Videonetzwerk-Vermarkter

Wen muss man im Bereich Videonetzwerk-Vermarkter kennen? Carlos Fernandes, Partner bei der Cribb Personalberatung in Hamburg, nennt die Leute, die derzeit die Themen bestimmen.
Am Anfang stand eine kühne Idee: Warum sollte es nicht gelingen, von den fast neun Milliarden Euro (2007), die die Werbungtreibenden in Fernsehwerbung stecken, nicht ein paar Millionen in Richtung Internet umzulenken? Schließlich kann doch ein TV-Spot, in einem hochwertigen Online Umfeld platziert, eine mindestens genauso gute Wirkung entfalten wie im Vorabendprogramm. Es war die Geburtsstunde von Smartclip. Das Unternehmen hat zugleich die Entstehung einer ganzen Online-Werbebranche in Deutschland eingeläutet, die derzeit wächst wie keine andere: die Videonetzwerk-Vermarktung.
Das ist erst drei Jahre her. Vorher war an eine vernünftige Verbreitung von Videospots mangels Breitbandabdeckung kaum zu denken. Dass das Unternehmen nicht nur Pionier sondern auch unbestrittener Marktführer ist, zeigt, dass Smartclip vieles richtig gemacht hat. Zum Beispiel zu Klotzen statt zu Kleckern: Gleich zum Start haben die Hamburger mit einer Außendienst-Mannschaft die Klinken von Deutschlands Mediaagenturen geputzt, um die TV-Planer davon zu überzeugen, ihre Spots künftig auch auf Webseiten zu platzieren. Ein Paradigmenwechsel, denn bis dahin waren TV- und Online-Budgets säuberlich voneinander getrennt. Da sie Gehör fanden und sich schnelle Zuwächse einstellten, übertrugen die Smartclip-Vorstände Fumagalli und Schaber dieses Prinzip schon bald ins Ausland - mit großem Erfolg.
Inzwischen sind in Deutschland Wettbewerber wie Fox Networks, Tremor Media, GoViral, IP Media, Voodoo (eine Smartclip-Schwester) und Vibrant Media an den Start gegangen. Auch Blind Networks und Drittvermarkter tummeln sich mit ihren Videoangeboten am Markt. Und für jeden größeren Vermarkter gehört es heute zum guten Ton, ebenfalls Bewegtbildwerbung mit anzubieten, andernfalls wäre das Sortiment unvollständig.
Auch vertikal entwickelt sich das noch junge Segment kräftig weiter: Mit Unternehmen wie Cavi, spezialisiert auf In-Video-Shopping, erweitern jetzt immer mehr Player den Markt um sinnvolle Zusatzleistungen. Doch wo liegt die Zukunft? Dass die Videonetzwerke wie der Rest der digitalen Wirtschaft kaum um die Themen Mobile und Social Networks herumkommen werden, liegt auf der Hand. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis hier erste Lösungen zu sehen sein werden. Langfristig entwickeln wohl auch Dickschiffe wie Google, MSN und Yahoo Interesse, sich das ein oder andere strategisch relevante Videonetzwerk einzuverleiben. Doch vorher sind Lösungen im Hinblick auf die Abspielflächen gefragt: Die Premium-Umfelder sind weitgehend verteilt, neue kommen derzeit kaum hinzu. Das deutet auf noch mehr Verteilungskampf hin, denn das Geschäft steht und fällt mit guten redaktionellen Angeboten im Portfolio.
Schauen wir uns an, welche Köpfe wir bei den Videonetzwerken in Zukunft im Blick haben sollten.