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Alexander Brand von windeln.de
B2B 03.12.2015
B2B 03.12.2015

Alexander Brand windeln.de: "Ein Börsengang ist wie eine Finanzierungsrunde"

Alexander Brand, Gründer und Vorstandsmitglied von windeln.de

windeln.de

Alexander Brand, Gründer und Vorstandsmitglied von windeln.de

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Bei windeln.de hat sich in diesem Jahr viel getan. Mitgründer Alexander Brand erzählt, wie der Börsengang aus seiner Sicht verlief und wie er zur aktuellen Geschäftsentwicklung des Unternehmens steht.

Im April dieses Jahres ging das Münchner E-Commerce-Unternehmen für Baby- und Kleinkinderprodukte windeln.de an die Börse. Der Start verlief holprig und der aktuelle Aktienkurs bietet durchaus noch Luft nach oben. Dem gegenüber steht allerdings die aktuell durchaus gute Geschäftsentwicklung mit einer Umsatzsteigerung von 76 Prozent auf 118,3 Millionen Euro in den ersten neun Monaten.

Alexander Brand, Gründer und Vorstandsmitglied von windeln.de erzählt im Interview, wie das letzte halbe Jahr für ihn verlief und wie es konkret um die aktuellen Geschäftszahlen steht.

Wann und warum fiel die Entscheidung an die Börse zu gehen?
Alexander Brand: Wenn man im E-Commerce ein Unternehmen aufbaut, muss man relativ viele Finanzierungsrunden durchlaufen, weil der E-Commerce sehr kapitalhungrig ist. Aus diesem Grund haben auch wir fünf Finanzierungsrunden abgeschlossen, bevor wir an die Börse gegangen sind. Mit der internationalen Expansion stand wieder eine Runde an und da kam die Frage auf, wie wir das machen wollen. Die eine Option war an die Börse zu gehen, die andere wieder eine private Finanzierungsrunde abzuschließen. Denn letztendlich ist ein Börsengang auch nichts anderes als eine Finanzierungsrunde, nur eben öffentlich.

Welche Voraussetzungen muss man als Unternehmen erfüllen?
Brand: Ungefähr ein Jahr vor dem eigentlichen Börsengang haben wir uns entschieden, die Börse in Betracht zu ziehen und uns im Unternehmen darauf vorbereitet, unter anderem bei der Buchhaltung, Transparenz sowie dem Reporting. Essentiell für einen Börsengang ist auch ein gutes Managementteam. Denn ein Börsengang beansprucht sehr viel Zeit, noch mal deutlich mehr als eine private Finanzierungsrunde. Dementsprechend muss das Management in der Lage sein, die Firma über einen Zeitraum führen zu können, auch wenn die Gründer nicht vor Ort sind.

Welche Faktoren spielen bei einem Börsengang eine Rolle?
Brand: Hier spielen viele Faktoren eine Rolle, der wichtigste ist aber sicher die Frage nach den Zukunftsaussichten des Unternehmens. Hier spielen das Marktumfeld, die Wettbewerbslandschaft, die aktuelle Situation des Unternehmens und die Chancen für die weitere Entwicklung mit rein. Ein Börsengang ist nur möglich, wenn der Markt "an das Unternehmen glaubt" und die verschiedenen Fonds daher bereit sind, in uns zu investieren.

Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Verlauf des Börsengangs?
Brand: Mit dem Börsengang an sich sind wir sehr zufrieden. Unzufrieden sind wir allerdings mit der Kursentwicklung danach. Die 18,50 Euro mit denen wir an der Börse als Ausgabewert gestartet sind, waren ja kein Wert, den wir uns einfach so überlegt haben. Dieser entstand in dem Bookbuilding-Verfahren, in dem aus den vielen positiven Feedbacks der Investoren herauskam, dass ihnen eine Aktie von windeln.de 18,50 wert sei. Dass zwei Tage später viele Leute anderer Meinung waren, hat nichts damit zu tun, wie wir als Unternehmen dastehen.

Konnten Sie Ihre Versprechungen, die Sie vor dem Börsengang gemacht haben, halten?
Brand
: Alles, was wir in der Roadshow erzählt haben, machen wir auch heute: Wir haben mehr Wachstum verspochen und sind im ersten neun Monaten dieses Jahres um über 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen. Wir wollten in weitere europäische Länder expandieren und haben seither die Märkte in Polen, der Tschechischen Republik, der Slowakei, sowie Spanien, Frankreich, Portugal und Italien erschlossen.

Börsenkurs versus Unternehmensentwicklung

Wie passt der derzeitige Börsenkurs Ihrer Meinung nach mit der doch guten Geschäftsentwicklung zusammen?
Brand: Unsere Geschäftszahlen korrelieren nicht mit dem Börsenkurs. Aus einer Wochen- oder Monatssicht ist ein Börsenkurs komplett aussagefrei. Man muss sich nur die drei Wochen nach unserem Börsengang anschauen: Zum Börsengang war eine Aktie 18,50 Euro wert und dann ist der Kurs relativ schnell auf etwa zehn Euro gefallen. In diesen zwei Wochen ist aber nichts Neues passiert. Das zeigt, dass der Aktienkurs mit dem Unternehmensgeschäft nicht korrelierend ist. Ich glaube aber, dass wir in drei bis vier Jahren auf einem völlig anderen Niveau sind.

Wie zufrieden sind Sie mit den aktuellen Geschäftszahlen?
Brand: Mit unseren aktuellen Geschäftszahlen sind wir zufrieden. Auch im dritten Quartal ist windeln.de deutlich gewachsen und dem Umsatz- und Ergebnisziel für das Gesamtjahr 2015 deutlich näher gerückt. Wir konnten in den ersten neun Monaten den Umsatz um 76 Prozent auf 118,3 Millionen Euro steigern und die bereinigte EBIT-Marge auf -8,1 Prozent verbessern. Somit sind wir voll auf Kurs.

Inwieweit hatte die Einführung des Direktversands nach China Einfluss auf das Umsatzwachstum?
Brand: Die Einführung von Direct Delivery ist ein voller Erfolg: Bereits 70 Prozent unserer Aufträge wurden seit Ende August so abgewickelt. Die Vorteile liegen auf beiden Seiten: Unsere chinesischen Kunden müssen keine Mehrwertsteuer bezahlen und die Lieferung erfolgt bereits zehn Tage nach ihrer Bestellung. Für uns hat der Direktversand zwei weitere Vorteile: Wir können direktes Marketing in China machen und generieren durch das Shipping zusätzliche Einnahmen. Zusammenfassend kann man sagen, dass der Direktversand nach China unser Umsatzwachstum weiter unterstützen wird.

Wann erwarten Sie mit den Shopping-Clubs profitabel zu werden?
Brand: Unser Ansatz ist es, die einzelnen Segmente jeweils in drei bis vier Jahren zur Profitabilität zu führen.

Hatte die Veröffentlichung der Zahlen für das dritte Quartal Auswirkungen auf den Aktienkurs?
Brand: Nein, wir haben keine größeren Kursschwankungen verzeichnen können.

Was steht 2016 auf der Agenda?
Brand: Wir verfolgen weiter unsere Vision der "E-Commerce-Champion für junge Familien in Europa" zu werden. Derzeit sind wir in zehn europäischen Ländern aktiv. Es gibt aber noch mehr europäische Länder und in die wollen wir auch noch expandieren. Zwar nicht in alle 2016, aber weiteres Wachstum steht in jedem Fall für 2016 auf dem Plan.

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