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Golta
B2B 18.05.2018
B2B 18.05.2018

Karel J. Golta "Jedes Unternehmen muss zukünftig innovativ sein"

Karel J. Golta, Founder & CEO, INDEED Innovation GmbH

Karel J. Golta, Founder & CEO, INDEED Innovation GmbH

Design ist der effektivste Treiber für Innovationen, sagt Karel J. Golta. Der Unternehmer und Keynote Speaker der diesjährigen Online B2B Conference erklärt im Interview, was hinter dem Schlagwort Design Thinking steckt und wie das Thema mit KI zusammenhängt.

Von Dunja Koelwel

Karel J. Golta eröffnet als Keynote Speaker die diesjährige Online B2B Conference am 12. und 13. Juni in München. Der Gründer und Geschäftsführer dreier Unternehmen - Indeed Innovation, TOI Tools of Innovators und Simplexion - liebt es zu diskutieren, zu provozieren und den Finger in Wunden zu legen, von denen vorher keiner geahnt hat, dass es sie gibt. Wir sprachen mit ihm über Innovationen, Design Thinking und Künstliche Intelligenz (KI).

Ihr Credo lautet: "Eine Innovation muss menschzentriert sein, und das schafft nur Design." Was meinen Sie damit?
Karel J. Golta: Nicht nur menschzentriert, sondern der Mensch muss an erster Stelle stehen, uneingeschränkt. Denn wenn es uns Menschen nachhaltig gut geht, geht es auch der Erde gut. Also nicht nur in Deutschland und nicht nur heute, sondern ganzheitlich und umfassend. Kulturhistorisch war Design immer dazu da, den Menschen ein besseres Heute zu bieten. Auch wenn wir zurück an das Bauhaus denken - das ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Design ist ja nicht Styling, sondern der Prozess einen heute nicht idealen Zustand in einen präferierten Zustand zu verändern. Und Design kümmert sich immer um die Schnittstelle zwischen Mensch und Objekt - ob das nun ein Stuhl, ein Auto, eine Software oder eine Dienstleistung ist, spielt keine Rolle. Design ist auch die einzige Disziplin, die beim Entwickeln von etwas Neuem das Wohl des Menschen und damit auch seiner Umwelt im Fokus hat. Das tut kein Ingenieur und kein Marketer. Deshalb müssen wir Design in möglichst viele Unternehmen, Behörden und Institutionen einbringen. Denn da kann es seine Wirkung zum Wohle aller am effektivsten entfalten.
 
Ein derzeit viel genutztes Schlagwort ist Design Thinking. Was verstehen Sie darunter?
Golta: Designer haben durch ihre Ausbildung eine breite und vielschichtige Palette an Fähigkeiten. Das Grundverständnis über Design, das sich Hineinversetzen in die Zielgruppe, das Nutzen von Prozessen und grundlegenden Arbeitsschritten zur Generierung neuer Ideen. Und das kann jeder Mensch lernen. Und so hilft Design Thinking als die grundlegende Fähigkeit, Probleme zu erkennen, zu definieren und interdisziplinär anzugehen, allen möglichen Menschen in jeglicher Lebenssituation proaktiv einen wünschenswerten Zustand zu erreichen.
 
Sie haben zu dem jüngst veröffentlichten Werk "Brand Design - Strategien für die digitale Welt" ein Kapitel beigetragen. Können Sie in wenigen Sätzen Ihre Kernaussagen zusammenfassen? 

Golta: Design ist der effektivste Treiber für Innovationen. Design ist, wie gesagt, nicht Formgebung, sondern ein umfassend strategischer Prozess, der auf Innovation zielt und zur Wertschöpfung beiträgt. Unternehmen und Marken, die Design als Managementaufgabe und Führungsphilosophie in ihre Geschäftsmodelle integrieren, werden die wirkliche Gestaltungskraft von Design erkennen und davon am Markt nachhaltig profitieren. Dies gilt in einer immer stärker digitalisierten Welt umso mehr, denn schließlich gibt es dort kaum physische Artefakte, die mit all unseren Sinnen wahrgenommen werden können. Das Erlebnis der wenigen Sinne ist umso wichtiger.
 
Welche konkrete Rolle, welche Aufgaben und Verantwortungen muss Design dabei erfüllen? Können Sie Beispiele und konkreten Handlungsempfehlungen geben? 
Golta: Design ist nach außen für das ganzheitliche und positive Kundenerlebnis zuständig - egal, ob Produkt oder Dienstleistung. Nach innen muss Design zwischen den Organisationsbereichen als Vermittler und Integrator arbeiten. Zukünftig wird Design integraler Bestandteil der Unternehmensführung sein und Strategie und Geschäftsmodell mitentwickeln.

Design muss auch die Führung beanspruchen

Eine These von Ihnen lautet: "KI wird Teil unseres täglichen Lebens. Ob wir dabei unsere Menschlichkeit bewahren, entscheiden wir heute - jeder einzelne von uns." Wie können wir Menschlichkeit in einer technologisierten Welt bewahren? 
Golta: Früher wurden Schlüsseltechnologien von einigen wenigen Firmen weltweit entwickelt. Heute kann fast jeder aus dem Nichts heraus einen Weltkonzern oder eine Spitzentechnologie erschaffen. Mit KI wird das sogar noch extremer. Somit sind die Innovations-Chancen auf viele Menschen verteilt. Und damit liegt die Verantwortung auch bei jedem einzelnen Menschen, der in einem Unternehmen oder an einem Projekt arbeitet, das unsere Zukunft positiv oder negativ beeinflussen könnte. Wir können in diesen Zeiten des extrem schnellen Wandels auch nicht die Verantwortung an die Politik delegieren. Eigenverantwortung ist eine essentielle menschliche Fähigkeit.
 
Auf Ihrer Firmenwebseite steht: "Wir denken, die Zukunft ist zu wichtig, um sie Technokraten und Technologen zu überlassen". Das ist in einer zunehmend digitalisierten Welt schon eine harte Aussage. Geht das in die Richtung Ihrer KI-These?
Golta: Absolut. Deshalb muss Design auch die Führung beanspruchen. Es ist die einzige Disziplin, die das positive Wohl des Menschen im Kern ihrer DNA trägt.
 
Sie formulieren oft in Interviews, dass Ihnen Werte und Menschlichkeit wichtig sind. Hatten Sie auch schon Kunden, denen das egal war? Wie haben Sie dann reagiert? 
Golta: Nein, ich hatte noch keinen Kunden, dem Menschlichkeit nicht wichtig wäre. Das würde auch keiner öffentlich zugeben. Ich glaube auch, dass sich bei uns nur Kunden melden, die das sehr ähnlich sehen.
 
Können alle Unternehmen innovativ agieren? 
Golta: Selbstverständlich. Innovation ist ein Handwerk. Das kann jeder erlernen, und jedes Unternehmen muss zukünftig innovativ sein. Nicht ohne Grund habe ich aus Indeed heraus eine neue Firma, TOI - Tools of Innovators, gegründet. Über TOI werden die Mitarbeiter unserer Kunden darin geschult, selber Innovatoren zu werden.

Die Online B2B Conference am 12. und 13. Juni 2018 in München ist die einzige deutsche Konferenz zu den wichtigsten Online-Marketing-Strategien speziell in B2B-Unternehmen. Holt euch gleich euer Ticket.

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