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Amazon 29.07.2022
Amazon 29.07.2022

Prime, Cloud und Werbung als Treiber Amazon wächst langsamer, übertrifft aber Markterwartungen

shutterstock.com/dennizn
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Die hohe Inflation und das Ende des Online-Shopping-Booms in der Pandemie machen Amazon zu schaffen. Doch der Online-Riese bleibt auf Wachstumskurs, behält die Kosten gut im Griff und blickt optimistisch auf das aktuelle Quartal. Das kommt bei den Anlegern gut an.

Der weltgrößte Online-Händler Amazon hat den Umsatz im zweiten Quartal trotz hoher Inflation und Rezessionssorgen deutlich gesteigert. Die Erlöse legten im Jahresvergleich um 7 Prozent auf 121,2 Milliarden Dollar (119 Milliarden Euro) zu, wie der Konzern am Donnerstag nach US-Börsenschluss mitteilte. Der Betriebsgewinn sank zwar von 7,7 Milliarden auf 3,3 Milliarden US-Dollar, übertraf jedoch die Erwartungen der Experten.

Auch wenn der von der Pandemie beflügelte Shopping-Boom im Internet zu Ende ist, erhöhten Amazons Abo-Dienste die Umsätze um 10 Prozent auf 8,7 Milliarden Dollar. Trotz Preiserhöhungen gelang es dem Konzern, neue Kunden für seinen Prime-Service mit kostenlosem Versand und Streaming-Diensten anzulocken, die in der Regel deutlich mehr Geld auf der E-Commerce-Plattform ausgeben als andere Nutzer.

Am Finanzmarkt kam der Quartalsbericht gut an, die Aktie stieg nachbörslich zeitweise um mehr als 12 Prozent. Besonders der Geschäftsausblick auf das laufende Vierteljahr erfreute die Anleger. Amazon stellte ein Umsatzwachstum von bis zu 17 Prozent auf 125 Milliarden bis 130 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Analysten hatten im Schnitt mit einer Prognose von 127 Milliarden US-Dollar gerechnet.

Nettoverlust von zwei Milliarden US-Dollar

Unterm Strich verbuchte Amazon in den drei Monaten bis Ende Juni einen Nettoverlust von 2,0 Milliarden US-Dollar. Der Grund war aber, dass eine Beteiligung am Elektroautobauer Rivian um 3,9 Milliarden US-Dollar abgewertet wurde. Das Unternehmen geriet im allgemeinen Abwärtstrend der Tech-Werte heftig an der Börse unter Druck und hatte Amazon bereits im vorherigen Quartal eine 7,6 Milliarden US-Dollar schwere bilanzielle Wertkorrektur und rote Zahlen eingebrockt.

Trotz anhaltenden Inflationsdrucks bei Benzin, Energie und Transport mache Amazon Fortschritte bei der Kostenkontrolle, erklärte Vorstandschef Andy Jassy. So sei insbesondere die Produktivität im Lager- und Liefernetzwerk verbessert worden. Letztlich kletterten die Betriebsausgaben gegenüber dem Vorjahreswert um rund 12 Prozent auf 117,9 Milliarden US-Dollar. Damit fiel die Zunahme zwar höher als beim Umsatz aus, aber geringer als von Finanzexperten befürchtet.

Das für Amazon wegen seiner hohen Profitmargen äußerst wichtige Cloud-Geschäft mit Speicherplatz und Anwendungen im Internet florierte weiter. Das Flaggschiff Amazon Web Services steigerte die Erlöse um knapp ein Drittel auf 19,7 Milliarden Dollar. Der Betriebsgewinn der Cloud-Plattform nahm um rund 36 Prozent auf 5,7 Milliarden US-Dollar zu. Amazons immer wichtigeres Online-Werbegeschäft erhöhte die Erlöse um 18 Prozent auf 8,8 Milliarden US-Dollar.

Branchenkommentar

Julian Skelly vom Beratungshaus Publicis Sapient zum Quartalsergebnis von Amazon.
 
"Amazon hat die Markterwartungen wieder einmal übertroffen und ist trotz der allgemeinen Abkühlung der Wirtschaft weiter gewachsen. Dieser Erfolg ist nicht zuletzt auf die 'Stickiness' des Prime-Angebots und die immer stärker werdenden Vertriebskapazitäten des Unternehmens zurückzuführen. Trotz der Expansion in den Pharmamarkt und des Erfolgs von AWS bleibt E-Commerce der Fokus von Amazon. Prime fördert die Loyalität von Online-Käufern durch eine überzeugende Mischung aus Services, Experience und Preis. Diese Loyalität sorgt dafür, dass die Kunden immer wieder zurückkommen - und treibt das 7-prozentige Wachstum des Nettoumsatzes an.

Trotzdem wirken sich der Inflationsdruck und die allgemeine Kaufzurückhaltung auf Amazon aus. Das Wachstum ist in diesem Quartal langsamer als zuvor. In fast allen der vergangenen 101 Quartale lag das Umsatzwachstum von Amazon bei mehr als 10 Prozent - nicht aber in diesem Quartal. Ist dies der richtige Zeitpunkt für Amazon, seine Pläne zur Erhöhung der Preise für Prime-Abonnements durchzusetzen? In Deutschland werden die Kosten für das Jahresabonnement um 30 Prozent steigen - bei jährlicher Zahlung auf 89,90 Euro. Dieser Schritt unterstreicht Amazons Vertrauen darauf, dass man die Prime-Kunden an sich gebunden weiß und sie gerne bei Amazon einkaufen. Für einige wenige Kunden werden die zusätzlichen Kosten den Wert von Prime überwiegen, aber für die meisten werden es Kosten sein, die sie tragen werden, um die Vorteile beizubehalten. Amazon rechnet damit, dass der Nettoumsatz im 3. Quartal zu einem historischen Wachstum zwischen 13 und 17 Prozent zurückkehren wird."

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