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Amazon 28.10.2022
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Schwaches Weihnachtsgeschäft erwartet Amazon: Enttäuschende Prognose für Q4 und herber Aktieneinbruch

Shutterstock / Sergei Elagin
Shutterstock / Sergei Elagin

Hohe Teuerung, steigende Zinsen und ein trüber Wirtschaftsausblick sorgen dafür, dass sich viele Verbraucher beim Kauf zurückhalten - das bekommt auch Amazon zu spüren. Entsprechend schwach ist die Prognose fürs Schlussquartal. Das kommt bei Anlegern nicht gut an.

Der weltgrößte Online-Händler Amazon rechnet angesichts von erhöhter Inflation und Rezessionssorgen mit einem überraschend schwachen Weihnachtsgeschäft. Der Konzern erwartet im Schlussvierteljahr Erlöse zwischen 140 Milliarden und 148 Milliarden US-Dollar, wie er am Donnerstag nach US-Börsenschluss mitteilte. Das entspricht einem für Amazons Verhältnisse mauen Wachstum zwischen zwei und acht Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Analysten hatten mit deutlich mehr gerechnet. Anleger ließen die Aktie nachbörslich in einer ersten Reaktion um über 20 Prozent fallen.

Auch die Gewinnprognose sorgte für Enttäuschung. Amazon stellte für die drei Monate bis Ende Dezember ein Ergebnis in einer sehr breiten Spanne zwischen null und 4,0 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Im abgelaufenen dritten Quartal verdiente das Unternehmen 2,9 Milliarden US-Dollar und damit gut neun Prozent weniger als vor einem Jahr. Der Umsatz wuchs zwar um 15 Prozent auf 127,1 Milliarden US-Dollar, blieb aber ebenfalls unter den Markterwartungen. Selbst bei Amazons lukrativer Cloud-Sparte, die Speicherplatz und Onlinedienste für andere Unternehmen anbietet, gab es einen Wachstumsdämpfer.

Ausgaben steigen stärker als Einnahmen

Amazon Web Services, das Flaggschiff des Cloud-Bereichs, steigerte die Erlöse um 27 Prozent auf 20,5 Milliarden US-Dollar. Im Vorquartal hatte der Zuwachs noch bei knapp einem Drittel gelegen. Obwohl Amazon angesichts des Inflationsdrucks bei Benzin, Energie und Transport nach eigenen Angaben auf strikte Kostenkontrolle setzt, steigen die Ausgaben stärker als die Einnahmen. Im vergangenen Quartal kletterten die Betriebsausgaben um 18 Prozent auf 125 Milliarden US-Dollar. Zusätzlich leidet Amazon - wie viele international aufgestellte US-Konzerne - unter dem starken US-Dollar, der Auslandserlöse nach Umrechnung in heimische Währung in der Bilanz verringert.

Amazons Finanzchef Brian Olsavsky kündigte in einer Konferenzschalte nach Vorlage der Quartalszahlen an, die Kosten weiter zu senken: "Wir ergreifen Maßnahmen, um den Gürtel enger zu schnallen". In einigen Geschäftsbereichen soll es Einstellungspausen geben, zudem will das Unternehmen bestimmte Produkte und Services einstellen und Investitionen überdenken. Sparmaßnahmen könnten das zuletzt schon maue Wachstum jedoch noch weiter bremsen. An der Börse hat Amazon - wie die anderen großen Tech-Konzerne - ohnehin schon einen schweren Stand. Der Kurs der Aktie ist seit Jahresbeginn um rund ein Drittel gesunken. Sollte es am Freitag kräftig bergab gehen, könnte der Börsenwert unter die Marke von einer Billion US-Dollar sinken.

Bewertung durch einen Branchen-Beobachter

Handelsexperte Julian Skelly vom Beraterhaus Publicis Sapient kommentiert die Zahlen: "Obwohl Amazon ein schwieriges Jahr 2022 hinter sich hat, zeigen die Ergebnisse des dritten Quartals die Stärke eines diversifizierten Unternehmens. Das E-Commerce-Kerngeschäft von Amazon scheint unter der Preisinflation und dem Gegenwind bei den Lebenshaltungskosten zu leiden, den alle Einzelhändler zu spüren bekommen, was zu einer deutlichen Verlangsamung des Umsatzwachstums geführt hat. Der Einzelhandel sieht sich nach den Covid-Herausforderungen mit einer weiteren Wirtschaftskrise konfrontiert - die Verbraucherausgaben sinken, was sich auf den Umsatz auswirkt. Der Umsatz von 127,1 Milliarden US-Dollar im dritten Quartal markiert eine Rückkehr zu einem zweistelligen Wachstum, ist aber immer noch niedrig für Amazon. Und die Treibstoffkosten und Inputkosten für Waren steigen, was sich auf die Betriebsmarge auswirkt."

Er ergänzt: "Dies wurde jedoch durch das außerordentliche Wachstum des margenstarken AWS-Geschäfts ausgeglichen. Mit einem Anteil von 16,1 Prozent am Gesamtumsatz ist AWS (Amazon Web Services) das am schnellsten wachsende Geschäftssegment von Amazon und hat nun die Größe, um ein Gegengewicht zu den Herausforderungen zu schaffen, die sich im E-Commerce-Geschäft zeigen. Da das AWS-Geschäft skaliert, steigt die Rentabilität schneller als der Umsatz, den es generiert, was Amazon hilft, die Schwäche im E-Commerce zu überwinden. Da Unternehmen weiterhin in die digitale Business Transformation investieren, wird sich dieser Trend fortsetzen."

Seine Prognose für die Cloud-Sparte scheint optimistisch: "Mit Blick auf die Zukunft ist Amazon in guter Verfassung. Amazon hat den Löwenanteil des 200-Milliarden-Dollar-Cloud-Marktes erobert und wird weiterhin von dem damit verbundenen Wettbewerbsvorteil profitieren."

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