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Amazon 03.03.2022
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Logistik Amazon: Erneut Anliefer-Probleme im Lager DTM2

shutterstock.com/Krunja
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Dutzende Händler und Hersteller berichten von Schwierigkeiten bei der Anlieferung von FBA-Produkten ins Dortmunder Amazon-Lager. Ware würde fehlerhaft eingebucht werden, die Klärung des Sachverhalts ziehe sich oft über Wochen. 

Das Kürzel "DTM2" ist für viele Händler und Hersteller, die ihre Ware über Amazon FBA auf dem größten Online-Marktplatz Deutschlands verkaufen, schon länger ein rotes Tuch. Seit das große Logistikzentrum nahe Dortmund 2018 seinen Dienst als "Inbound Cross Dock" aufgenommen hat - also als Umverteilungszentrum, das Ware von Lieferanten annehmen und an die dutzenden Amazon-Logistikzentren in ganz Europa weiterverteilen soll -, klagen Händler immer wieder über Probleme bei der Anlieferung. Vor Weihnachten und im Januar dieses Jahres hatte es erneut Kritik gehagelt, und auch aktuell sind die Sellerforen wieder voll von wütenden Seller-Kommentaren. 

Zu Dutzenden berichten Verkäufer von fehlerhaft eingebuchter Ware. "Aktuell dauert die Verarbeitung der angelieferten Ware wieder extrem lange", klagt beispielsweise der Amazon-Seller Andreas Frank. "Es kann drei bis vier Wochen dauern, bis angelieferte Ware eingebucht ist - und dann wird auch noch regelmäßig Ware verschlampt." Von fehlender Ware berichten auch andere Händler: Mal würden bei eingebuchten Paketen im FBA-Bestand nur einzelne Produkte fehlen, mal die Hälfte des Inhalts. Regelmäßig würden auch Pakete mit einem Bestand von "0" ins System eingebucht werden, was Andreas Frank besonders ärgert: "Als ob wir leere Pakete an Amazon schicken würden!"

Die unzuverlässige Einbuchung bei DTM2 würde die gelisteten Bestände der betroffenen Händler gefährden, so Frank; so könnte ein Produkt schnell Out-of-Stock laufen, obwohl eigentlich genug Ware angeliefert wurde. 

Amazon sieht stabile Prozesse

Amazon sieht bisher keinen Anlass, auf den Seller-Frust zu reagieren. "Wir sehen auf unserer Seite aktuell stabile Prozesse und Qualitäts-Kennzahlen", so ein Amazon-Sprecher auf Nachfrage von "Internet World". "Zuvor hatte der Standort ein erhöhtes Anliefervolumen durch FBA-Verkäufer:innen verzeichnet, weswegen es vereinzelt zu leichten Verspätungen gekommen sein kann. Verkaufspartner:innen mit Versand durch Amazon können den Status Ihres Wareneingangs in unseren Logistikzentren jederzeit im Amazon Verkäuferportal einsehen. Sollte eine Sendung ausnahmsweise einmal nicht wie erwartet ankommen, können Verkaufspartner:innen dies beim Amazon Verkäuferservice melden und eine Überprüfung beantragen."

Der Antrag auf Überprüfung ist mit Hürden verbunden; so müssen Seller einen Nachweis darüber vorlegen, dass die vermissten Produkte wirklich ihnen gehören, in der Regel eine Einkaufsbestätigung. Hersteller stehen da vor einem Problem - sie haben keine Einkaufsbestätigungen, da sie die Ware selbst produzieren. Andreas Frank bedient sich deshalb eines Tricks: Er stellt sich für seine Eigenmarken-Produkte selbst eine Herstellerbescheinigung über die fraglichen Produkte aus eigener Fertigung aus und schickt diese an Amazon. "Das hat bisher noch immer funktioniert", so der Seller. 

Irgendwann tauchen (fast) alle Produkte wieder auf - dann droht die Rückerstattung

Doch auch eine beantragte Überprüfung löst das Problem nicht immer. In den Sellerforen berichten Händler von zermürbenden Ping-Pong-Spielen mit dem Verkäuferservice, der eine Erstattung der fehlenden Ware oft kategorisch ablehnt - mit dem Hinweis, man habe den Bestand bereits mehrfach gezählt. Und auch Händler, die den Kampf mit dem Verkäuferservice gewinnen und eine Erstattung ihrer verlorenen Produkte durchsetzen, sind nicht auf der sicheren Seite. "In der Regel tauchen alle Produkte, die an ein Amazon-Lager geschickt wurden, irgendwann wieder auf", sagt Frank. "Und wenn Produkte, die dem Händler bereits wegen Verlusts erstattet wurden, wieder auftauchen, holt sich Amazon den Erstattungsbetrag vom Händler-Konto wieder zurück - das kann dann auch mal schnell zu Liquiditätsproblemen führen."

Die Probleme rund um DTM2 illustrieren ein weiteres Mal die Hauptkritik, die viele Händler immer noch an Amazon richten: die mangelnde Kommunikation. "Logistik ist ein komplexes Geschäft, da können Fehler passieren - dafür habe ich Verständnis", sagt Andreas Frank. "Aber dafür, dass Amazon bei solchen Logistikfehlern nicht auf Augenhöhe mit mir kommuniziert - dafür geht mir jedes Verständnis ab."

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